Die Brüder Samwer (Marc, Oliver und Alexander) wollen mit den beiden IPOs von  Zalando und Rocket Internet die deutsche Börse erobern. Der Hype im Vorfeld des Börsengangs war enorm – das Zalando-Angebot war zehnfach überzeichnet, und auch bei Rocket Internet schien die Begeisterung nicht enden zu wollen. Doch aus dem erhofften Kursfeuerwerk wurde erst einmal nichts. In den ersten Tagen nach dem IPO rutschten die Notierungen beider Firmen deutlich nach unten.

Dennoch wird bei Zalando und Rocket Internet Erinnerung wach. Und zwar an die aufsehenerregenden IPOs der 1990er-Jahre. Unternehmen zogen mit einer wilden Werbestrategie und aufgeblasenen Geschäftsmodellen die Aufmerksamkeit auf sich. Investoren sahen im Cash-Burn ein Zeichen des Wachstums.

Den IPOs droht der Abgang ins Nirwana

Nur – Wachstum allein reicht nicht. Erinnern Sie sich an die Haffa-Brüder, die mit EM.TV einen ähnlichen Highflyer am Markt schufen wie es jetzt die Samwer-Brüder versuchen? Als klar wurde, dass Investoren bei EM.TV keine Gewinne erwarten durften, verschwand das Unternehmen schnell im Börsennirwana.

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Unter dem Strich muss ein Unternehmen eben etwas Handfestes ausweisen – und das ist letztendlich Gewinn. Diesen Beweis sind die Samwer-Brüder mit ihren Geschäftsideen bisher schuldig geblieben. Ihre Meisterstücke Groupon, StudiVZ und Jamba hatten einen ähnlichen Hype erlebt. Heute sind sie fast in Vergessenheit geraten und notieren himmelweit unter dem Emissionspreis oder sind komplette Underperformer. Vor gut eineinhalb Jahrzehnten, im Jahrtausendboom und beim Dot.com-Hype, hatten Börsenneulinge schnell so viel Wert wie gestandene Unternehmen, beispielsweise die deutsche Lufthansa. Und heute? Zalando spielt mit einer Marktkapitalisierung von über 4 Milliarden Euro in einer Liga mit K+S und Lufthansa. Und auch heute heisst es wieder: Es ist alles anders. Aus Anlegersicht ein teurer Spruch – damals wie heute.