Vermögensverwalter und Unternehmensgründer haben eines gemeinsam: Die Chancen stehen schlecht für sie. Schaut man sich einfach die durchschnittlichen Erträge aktiv gemanagter Fonds oder die Misserfolgsquote von Start-Ups an, so wird deutlich, wie gross das Selbstvertrauen von Vermögensverwaltern und Existenzgründern eigentlich sein muss.

Sie können ein solches Wagnis auch nur deshalb eingehen, weil sie davon überzeugt sind, dass die Zukunft – mit all ihren Unsicherheitsfaktoren – nicht nur Gefahren und Herausforderungen mit sich bringt, sondern aus eben diesen Gründen auch lukrative Chancen bietet. Dies setzt jedoch voraus, dass sie herausfinden, wie man mit den damit einhergehenden Risiken am besten fertig wird.

Risiko und Unsicherheit – keine Synonyme

In den Medien wird ja oftmals behauptet, dass Anleger keine Unsicherheit mögen – aber liegen sie damit wirklich richtig? Ja und nein. So mag einigen der Unterschied zwischen Risiko und Unsicherheit nicht klar sein – das Risiko ist ein Unsicherheitsfaktor, der sich quantifizieren lässt. Während Unsicherheit viel mit purem Zufall zu tun hat, geht es beim Risiko um Wahrscheinlichkeiten, die gemessen werden können. Und wenn man einen Unsicherheitsfaktor beziffern kann, kann man damit auch umgehen bzw. ihn mit einem Preisschild versehen – sprich, man kann auf oder gegen ein Risiko wetten und sich sogar dagegen versichern. Anleger mögen keine Unsicherheit, solange es sich dabei nicht um ein Risiko handelt, das gesteuert werden kann.

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Der Haken daran ist, dass sich Verunsicherung an den Aktienmärkten nicht so leicht zu einem quantifizierbaren, vergleichsweise harmlosen Risiko «zähmen» lässt. Deshalb müssen Anleger Strategien entwickeln, denen Wahrscheinlichkeiten zugrunde liegen, die in den meisten Fällen aber unzuverlässig sind. So sind Gewinnprognosen und Wirtschaftsdaten stets mit einer gewissen Fehlertoleranz behaftet, die sich ebenfalls als Fehlkalkulationen erweisen könnte. Deshalb geht es beim Risikomanagement darum, eine Vielzahl möglicher Szenarios zu berücksichtigen, da konkrete Zahlen in der Regel rar sind.

Taktik ändern: Umfeld schaffen, das Risiken effizient managen kann

Häufig nimmt das Marktrisiko aber auch eine dramatische Wendung. Langfristig betrachtet geht der Trend an den Aktienmärkten unbestreitbar nach oben – und die Aktienmärkte vollziehen auf lange Sicht meistens tendenziell die Entwicklung des BIP-Wachstums nach. Allerdings bedeutet meistens nicht immer – und der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen kann Anleger teuer zu stehen kommen.

Die effektive Steuerung des Risikos im Zusammenhang mit solch gravierenden Ereignissen ist unerlässlich, um langfristig angemessene Erträge zu generieren. Eine Lösung, um diese unvorhersehbaren und seltenen Ereignisse (die Nassim Taleb als «schwarze Schwäne» bezeichnet hat) effektiv zu steuern, könnte deshalb darin bestehen, seine Taktik zu modifizieren.

Anstatt sich auf das Management «unbekannter» Risiken zu konzentrieren, indem man diese vorherzusagen versucht, könnte ein effektiverer Ansatz darauf abzielen, ein Umfeld zu schaffen, in dem man diese Risiken erfolgreich bewältigen kann – wenn sie denn überhaupt eintreten. Entgegen der landläufigen Meinung ist die Steuerung dieser «unbekannten» Risiken nämlich wesentlich einfacher zu bewerkstelligen als sie zu antizipieren.

* Didier Saint-Georges ist Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac

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