Das Ergebnis der Parlamentswahlen im Iran vom vergangenen Sommer brachte mit einem Sieg der Reformer ein klares Signal: Die Iraner haben genug vom Konfrontationskurs mit dem Westen. Sie sehnen sich nach mehr Freiheit und hoffen, dass Reformen die Konjunktur anschieben und mehr Wohlstand bringen.

Diese politische Entwicklung spiegelt sich auch am Aktienmarkt des Landes wider. Mit dem Mitte Januar verkündeten Ende der Sanktionen des Westens ist die Börse Teheran wieder angesprungen, und so konnte der Leitindex Tepix seit Ende Dezember um einen Viertel von rund 61'700 Punkten auf rund 77'700 Zähler zulegen.  

Startschuss für einen Bullenmarkt

Damit scheint auch die von der Redaktion von stocksDIGITAL schon im August geäusserte Hoffnung aufzugehen, wonach die im Vorjahr erzielte Einigung im Atomstreit mit dem Iran der Startschuss für einen Bullenmarkt an der Teheraner Börse sein könnte. Aber für einen länger andauernden Kursaufschwung muss auch die Politik im Land ihre Hausaufgaben machen. So lässt wirtschaftliche Dynamik angesichts eines fast stagnierenden Bruttoinlandproduktes derzeit noch auf sich warten. Als ein Erfolg darf immerhin eine in den letzten Jahren von 40 Prozent auf 13 Prozent gesunkene Inflationsrate gewertet werden. Bis 2020 werden es wohl nur noch 5 Prozent sein.

Mit der Erlaubnis, wieder Öl exportieren zu dürfen, hat man nun ausserdem ein wirkungsvolles Schmiermittel zur Verfügung, um die Wirtschaft anzukurbeln. Als Land mit den grössten nachgewiesenen Gasreserven (18 Prozent) und viertgrössten nachgewiesenen Ölreserven (9 Prozent) weltweit, das mit konkurrenzlos niedrigen Förderkosten operiert, steht man selbst bei den aktuell tiefen Ölpreisen noch besser da als in den Jahren zuvor. Ein Pfand, mit dem sich wuchern lässt, ist ausserdem ein mit knapp 80 Millionen Einwohnern grosser Heimatmarkt.

Rückführung von Vermögenswerten

Hinzu kommt eine junge und vergleichsweise gut ausgebildete Bevölkerung. Als echte Stütze dürfte sich auch die Rückführung von bisher im Ausland sanktionsbedingt eingefrorenen Vermögenswerten erweisen. Prognosen taxieren den daraus resultierenden Kapitalrückfluss auf zunächst 32 Milliarden Dollar, und letztlich könnte es sein, dass dieser Betrag sogar auf 100 Milliarden Dollar anschwellen wird.

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Darüber hinaus hoffen die Verantwortlichen künftig auf ausländische Direktinvestitionen in einem Volumen von rund 50 Milliarden Dollar pro Jahr. Alles keine Peanuts bei einem Bruttoinlandprodukt, das derzeit bei etwa 400 Milliarden Dollar liegt. Capital Economics erwartet für einige Jahre Steigerungen des Bruttoinlandproduktes von mehr als 5 Prozent pro Jahr allein schon deshalb, weil es möglich ist, dass die Produktion dank vieler ungenutzter Kapazitäten schnell hochgefahren werden wird.

Gefahr Hardliner

«Um das Wachstum längerfristig hochhalten zu können, bedarf es weitreichender volkswirtschaftlicher Reformen. Laut Weltbank gehört das Umfeld für Geschäftsleute im Iran weltweit zu den schlechtesten. Ausserdem besteht die Gefahr, dass die Hardliner, die sich zuhause zusehends in die Ecke gedrängt fühlen, versuchen werden, die Spannungen mit dem Ausland zu schüren, um dadurch Verhandlungen der Regierung mit den lokalen Nachbarn zu torpedieren», warnt allerdings Jasonj Tuvay, Volkswirt beim bankenunabhängigen Research-Institut für den Nahen Osten.

Spätestens mit den 2017 anstehenden Präsidentschaftswahlen wartet bereits der nächste wichtige politische Härtetest, und bei jedem Urnengang werden Investoren bis auf Weiteres dafür zittern müssen, ob der Reformweg vielleicht nicht doch wieder verlassen werden wird. Ausserdem wuchert die Korruption, und auch die Produktivität lässt zu wünschen übrig. Durch den bisher gültigen Ausschluss vom SWIFT-Zahlungssystem sind selbst einfache Geldüberweisungen auch jetzt noch längst keine Selbstverständlichkeit.

Günstige Bewertungslevels

Politiker und Unternehmer aus der Schweiz lassen sich von den Risiken aber nicht abschrecken, sie arbeiten längst aktiv an einer Wiederannäherung. Deutlich wird das auch an einem von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann gerade erst bei einem Iran-Besuch vorgelegten Fahrplan, durch den eine engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern gefördert werden soll.

Auch echte Anlagepioniere dürften sich trotz aller Herausforderungen von der Ausgangslage im Iran angezogen fühlen. Zumal die Bewertungen anders als bei vielen anderen Assets weltweit derzeit noch nicht überzogen zu sein scheinen. Auch, wenn nicht immer alle Angaben für bare Münze genommen werden sollten, signalisieren ein Markt-KGV im einstelligen Bereich und nicht selten prozentual zweistellige Dividendenrenditen ein noch moderates Bewertungsniveau.

Iran-Aktienfonds – nichts für Kleinanleger 

Erklären lässt sich das sicherlich auch mit dem für Ausländer nach wie vor schwierigen Marktzugang. Während nordamerikanische Anleger nach wie vor komplett aussen vor sind, öffnen sich für europäische Investoren bereits erste Türen – zumindest für Anleger, die über das nötige Kleingeld verfügen. So bietet der auf Schwellenländer spezialisierte Vermögensverwalter Charlemagne Capital zusammen mit dem lokalen Partner Turquoise Investment Advisors einen Iran-Aktienfonds an (Turquoise Variable Capital Investment Fund). Mindestanlagesumme sind bei diesem derzeit einmal im Monat handelbaren Produkt aber 55'000 Euro, wobei es noch zusätzliche Hürden zu überspringen gilt. So wird jeder Zeichnungsauftrag individuell geprüft, und unter anderem müssen Interessierte ein Vermögen von mehr als 500'000 Dollar nachweisen.

Erfüllen sich die Hoffnungen der Fondsinitiatoren, dann könnte sich der damit verbundene Aufwand aber lohnen. Bei einem auf 4,5 veranschlagten Durchschnitts-KGV für die im Portfolio enthaltenen Titel und einem Frontier-Markets-KGV von im Durchschnitt 13 rechnet das Fondsmanagement mit einer Neubewertung der iranischen Börse in den kommenden Jahren. Zumal man angesichts der als überdurchschnittlich eingeschätzten Gewinnaussichten sogar eine Bewertungsprämie gegenüber anderen Frontier-Märkten für angemessen hält.

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Investmentmöglichkeiten im E-Commerce

Eine andere Anlageoption ist es, bei einer noch im März (die Zeichnungsfrist kann jederzeit verkürzt werden) laufenden Kapitalerhöhung im Volumen von 50 Millionen Euro bei der 2014 gegründeten schwedischen Investmentgesellschaft Pomegranate Investment AB mitzumachen. Die Mindestanlagesumme beträgt dort 100'000 Euro. Das eingesammelte Geld wollen die auf Frontier Markets spezialisierten Investmentbanker der Gesellschaft in E-Commerce-Projekte im Iran stecken. Schon jetzt ist Pomegranate Investment über den vor Ort derzeit dominierenden Venture-Capital-Spezialisten Sarava unter anderem am führenden iranischen E-Commerce-Unternehmen Digikala beteiligt, wobei der Anteil an Sarava mit den neuen Mitteln von 9,6 Prozent auf 15 Prozent aufgestockt werden soll.

Charme birgt hier die Tatsache, dass der E-Commerce-Markt im Iran noch in den Kinderschuhen steckt, dass dem Segment aber ein grosses Wachstumspotenzial zugetraut wird. Läuft alles glatt, strebt die Gesellschaft in den nächsten zwölf Monaten ein Listing an der schwedischen Börse an. Ein spannendes Projekt und ein Vorhaben das zeigt: Es bewegt sich etwas im Iran.