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Indikatoren
Die Sache mit der Angst – Indikatoren für Börsianer

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ETH Zürich: Indikatoren wie das KOF-Konjunkturbarometer bieten Anlegern Orientierung. Keystone

Kurse vorhersagen ist schwer. Börsianer nutzen dafür verschiedene Werkzeuge. Vorlaufende Indikatoren sind ein Hilfsmittel. Worauf Anleger achten.

Von Georg Pröbstl
29.05.2014, Aktualisiert vor 17 Stunden

Da wurden alle Börsianer, die auf Indikatoren achten, hellhörig: Der wichtige ZEW-Konjunkturindex, der die Stimmung von 350 Finanzexperten in Deutschland misst, knickte im Mai unerwartet stark ein. Das Stimmungsbarometer, das vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim ermittelt wird, rutschte um 10,1 Punkte auf 33,1 Punkte nach unten. Der langfristige Mittelwert liegt bei 24,7 Punkten.

Aber der Durchschnitt ist weniger wichtig. Wichtig ist, dass der ZEW-Index schon des Öfteren in der Vergangenheit einen Umschwung an der Börse schon einige Monate im Voraus signalisiert hat. Nicht, wie stark die Kursänderung ist und auch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit, aber es gab des Öfteren Vorlauf. Auf Wendepunkte an der Börse deutete der ZEW-Konjunkturindex immer wieder hin. Im Dezember 1999 etwa auf den Börseneinbruch Anfang 2000, oder beispielsweise auch im Dezember 2002 auf den Kursaufschwung ab März 2003, nicht zu vergessen die Kehrtwende im ZEW-Index im vierten Quartal 2008 mit dem folgenden Kursaufschwung am Aktienmarkt ab Frühling 2009.

KOF-Konjunkturbarometer mit deutlich erweiterter Basis

Oder der PMI-Purchasing-Managers-Index, der vom Fachverband procure.ch und von der Credit Suisse ermittelt wird und welcher ein Bild des Geschäftsverlaufs im Industriesektor gibt. Lief der Index nach oben und war er dabei in der Wachstumszone von über 50 Zählern, gab es in der Vergangenheit häufig steigende Kurse an der Börse. Vorsicht ist aber angebracht, wenn der Index deutlich nach unten dreht, was im Moment jedoch nicht der Fall ist.

Gleiches gilt für das KOF-Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Der Indikator zeigt die konjunkturelle Entwicklung in der Schweiz für die Zukunft an und basierte seit 2006 auf 25 gebündelten Einzelindikatoren aus verschiedenen Sektoren. Die Datenbasis wurde 2014 aber erweitert und gründet sich nun auf 219 Variablen.

Jobless Claims als wichtiges Indiz für die Konjunktur

Aus diesem neu berechneten Konjunkturbarometer erhofft sich die KOF jetzt einen noch besseren Vorlauf und damit eine bessere Prognosekraft zur Konjunktur. Anleger sollten sich dieses Barometer in den nächsten Monaten und Quartalen sowie seinen möglichen Vorlauf zum Aktienmarkt deshalb genauer ansehen. Möglicherweise lassen sich da schöne Gewinne einfahren. Im April fiel das Barometer der ETH übrigens zum zweiten Mal in Folge, notiert aber mit 102,0 Punkten noch über dem langjährigen Durchschnitt.

Vielbeachtet in diesem Indikator-Zusammenhang sind auch die wöchentliche Meldung des US-Arbeitsministeriums zu den Jobless Claims. Steigen oder fallen die Neuanträge zur Arbeitslosenhilfe in den USA unerwartet stark, hat das nicht selten einen deutlichen Einfluss auf den Aktienmarkt. Dies, weil eine geringe Zahl an neuen Arbeitslosen auf eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften und damit auf eine gute wirtschaftliche Aktivität der Unternehmen hindeutet. Die Suche nach einer treffsicheren Prognose der Jobless Claims durch Analysten und Börsianer kommt damit dem Versuch der Alchemisten im Mittelalter gleich, aus Dreck Gold zu machen. Denn, wer die Zahlen gut prognostiziert, kann damit nicht selten schnell Geld verdienen.

4TREND-Angst-Barometer – Millionen von Internet-Abfragen ausgewertet

Das Zürcher Researchhaus 4trend.ch konnte mit seinem Prognoseindikator zu den US-Arbeitslosen in letzter Zeit gute Werte liefern. Lag doch die Korrelation mit 0,4 teilweise besser als der Konsens der Analysten mit einer Korrelation von 0,3.

Als Prognoseinstrument könnte übrigens auch der neu entwickelte Fear-Index von 4TREND interessant werden. Das Angstbarometer wird von den Zürchern durch die automatisierte Auswertung von mehreren zehntausend Internet-Seiten und damit der Analyse des Suchverhaltens von vielen Millionen Internetnutzern ermittelt. Abgefragt werden dabei Themen aus der Finanz- und Konjunkturwelt.

Derzeit deuten die Abfragen auf geringe Angst hin

Der Indikator besitzt eine hohe Korrelation zu verschiedenen Volatilitätsindizes an den Finanzmärkten und ist innert Jahresfrist um 5,8 Prozent auf 75,6 Punkte gesunken. Der Index liegt damit im Bereich von «Low Risk». Der Mittelwert seit 2004 beträgt hingegen 91,3 Punkte, das Tief lag im Dezember 2013 bei 71,2 Punkten, die grösste Angst wurde im Oktober 2008 bei 180,1 Punkten ermittelt. Vier Monate später erreicht der Aktienmarkt übrigens im Rahmen der Finanzmarktkrise seine Tiefs.

Der Fear-Indikator weist damit aktuell nicht auf grössere Störungen an der Börse hin. Doch vorsichtige Anleger halten sich angesichts des starken Rückgangs im ZEW-Index und des fallenden Trends im KOF-Barometer mit Aktien-Engagements im Moment etwas zurück: Immerhin könnte wegen schwacher Indikator-Vorgaben in diesem Jahr das alte Börsensprichwort «Sell in May and go away» wieder ein guter Rat für Börsianer sein.

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