Sie haben die Schulden von Firmen rund um den Globus untersucht. Ein Ergebnis: Die Verbindlichkeiten sind wieder so hoch wie kurz vor Ausbruch der grossen Finanzkrise. Ein Grund zur Beunruhigung?
Varun Ghotgalkar*: Die Firmenschulden sind nahe ihrer Niveaus, die im Jahr 2008 erreicht wurden. Aber der Schuldendienst ist heute leichter zu bewerkstelligen und die Geldpolitik günstiger. Eine längere Gewinnrezession und steigende Zinsen könnten uns besorgter stimmen, aber heute gibt es genug Luft zum atmen. Dennoch sind wir vorsichtig mit Blick auf globale Aktien angesichts des schwachen Gewinnwachstums und der hohen Bewertung.

Welche Länder sind heute besonders gefährdet?
Firmen in aufstrebenden Märkten scheinen verwundbarer als ihre Pendants in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Innerhalb der Schwellenländer konzentrieren sich die Probleme auf bestimmte Länder und Sektoren. Firmen in Brasilien, Griechenland und China scheinen, so zeigen es unsere Daten, am verwundbarsten. Grundsätzlich schauen wir uns das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital an und vergleichen Gewinnniveau mit den Zinsausgaben. Entsprechend hat auch der Rohstoffsektor gelitten und ist sicher in einer harten Verfassung.

Können Sie die Probleme der Schwellenländer China und Brasilien erläutern?
Für Brasilien wäre es angesichts der hohen Verschuldung in Dollar ein richtiger Härtetest, sollte die US-Notenbank ihre Politik straffen – obgleich es Anzeichen gibt, dass wirtschaftliche Erholung und Stimmung in Brasilien an Fahrt gewinnen. China hingegen ist immuner gegen Aktionen der Fed, weil der Kapitalmarkt relativ geschlossen und unter Kontrolle der Regierung ist. Die politische Unterstützung spielt eine signifikante Rolle und Firmenrestrukturierungen sind im Gange. Die politischen Entscheidungsträger werden hoffentlich eine Balance finden zwischen kurz- und langfristigen Zielen und einen systemischen Bruch verhindern.

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Wie bewerten Sie die Entwicklung in den USA?
Für die US-Wirtschaft ist die Verschuldung, zumindest bei den grossen Firmen, relativ gesund. Die Fähigkeit, Verbindlichkeiten zu begleichen, ist mit Ausnahme von Japan die beste unter den grösseren Regionen. Der US-Markt ist sehr widerstandsfähig, vor allem im Bereich Konsum. Die Ausgaben der privaten Haushalte werden unterstützt von robusten Jobdaten und steigenden Löhnen. Amerikanische Firmen haben einen recht grossen Puffer.

Wie sind die schweizerischen Firmen aufgestellt?
Die Schweizer Firmenverschuldung ist gesünder als die Benchmarks der entwickelten Märkte. Der Markt wird weitgehend dominiert von defensiven Sektoren wie Konsumgütern und Gesundheit, die ziemlich stabil erscheinen. Die meisten von ihnen haben gesunde Bilanzen und halten sich mit neuen Krediten zurück, obwohl die möglichen Finanzierungskosten für sie extrem gering sind. Die Schweiz schneidet im Vergleich zu anderen Ländern sicher gut ab.

Was kann man von der Schweiz in Zukunft erwarten?
Wir sind neutral mit Blick auf unsere Schweizer Aktienallokation, aber langfristig positiver. Schweizer Aktien bleiben leicht teuer, aber günstig auf einer relativen Basis mit sich stabilisierenden Gewinnaussichten. Wie schon beschrieben, ist die Sektorzusammenstellung sehr defensiv – also ist der Markt gegenüber einer Abkühlung widerstandsfähiger. Zukäufe und Fusionen dürften ein Schlüsselfaktor für die Performance sein.                                                                                             

Wie können sich private Anleger positionieren?
Alles in allem scheinen die globalen Aktienmärkte etwas aufgeheizt und zu den aktuellen Bewertungen teuer zu sein. Private Anleger dürften gut daran tun, globale Aktien in ihren Portfolios unterzugewichten. Im Bereich Aktien ist das aufstrebende Asien eine gute Möglichkeit und wir bevorzugen die USA gegenüber der Euro-Zone. Obligationen bleiben die Assetklasse unserer Wahl. Kredite aus der Euro-Zone – sowohl mit Investmentgrade als auch High Yield – sollten weiterhin vom Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank profitieren.

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* Varun Ghotgalkar ist Aktienstratege bei Axa Investment Managers.