1. Home
  2. Invest
  3. Die SNB bleibt «am Gängelband» der EZB

Ausblick
Die SNB bleibt «am Gängelband» der EZB

Die SNB bleibt «am Gängelband» der EZB
SNB-Präsident Thomas Jordan: Die Zinsen dürften weiter sehr tief bleiben. Keystone

Wichtiger als Trump und seine Tweets sind für Finanzmärkte die Notenbanken, sagt CIC-Investchef Mario Geniale. Wer bei Nestlé richtig ist und bei welchen Titeln bis Ende Jahr schnelle Gewinne winken.

Von Julia Fritsche
2017-09-29

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Mario Geniale: Zwei höchst ungleiche «Paare» stehen im Rampenlicht. Da sind zum einen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. Mit ihren Provokationen riskieren sie eine militärische Auseinandersetzung, die nicht nur für die Finanzmärkte in einem GAU enden könnte. Zum anderen halten Janet Yellen und Mario Draghi die Investoren mit einer diametral ausgerichteten Geld- und Zinspolitik auf Trab. Beide sind sich allerdings bewusst, dass das labile Gleichgewicht an den Finanzmärkten nur mit homöopathischen Anpassungen gehalten werden kann. 

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Wie in den vergangenen Wochen werden die Wechselkursrelation Franken/Euro und die Aktivitäten der führenden Notenbanken, beides Kurstreiber, die Schweizer Börse positiv beeinflussen. Die anlaufende Berichtsaison und der Privatkrieg zwischen Kim Jong-un und Donald Trump sind potentielle Quellen für positive und negative Überraschungen.

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Der Schweizer Aktienmarkt ist aus historischer Sicht hoch bewertet. Die EZB wir ihre ultra-expansive Geldpolitik im 2018 weiterführen, mit der SNB am Gängelband. Damit bleiben die Zinssätze in Europa im Keller, was die Aktienmärkte weiter stützt. Das Ende der Fahnenstange für Aktien ist jedoch bald erreicht. Trotz Aufhellungen an der Wechselkursfront, das Gewinnwachstumspotenzial ist begrenzt. Namentlich den Indexschwergewichten bläst ein rauer Wettbewerbswind entgegen. Das mittelfristige Rückschlagspotential ist beträchtlich, vor allem wenn Janet Yellen und Mario Draghi gemeinsam die schon lange andauernde Liquiditäts-Party verlassen.

Noch immer kann Donald Trump keine konkreten Erfolge ausweisen, wie lange hält die Geduld der Finanzmärkte noch an?
Die Vorschusslorbeeren im November 2016 waren für Donald Trump riesig. Die Anleger haben aber rasch verstanden, dass sich das wirtschaftlich und militärisch mächtigste Land der Welt nicht durch markige Twitter-Sprüche führen lässt. Viel wichtiger für die Finanzmärkte ist und bleibt der weitere Kurs der führenden Notenbanken, die mit einer seit Jahren stur durchgesetzten Tiefstzinspolitik und Liquiditätsschwemme ein Sicherheitsnetz gespannt haben. Speziell die nächsten Schritte des Fed werden mit Argusaugen beobachtet.

Nestlé hat diese Woche über Zukunftspläne informiert. Der Nahrungsmittelriese will sparen und profitabler werden. Welche Anlegertyp ist bei Nestlé am richtigen Ort?
Das neu formulierte Margenziel wird als zu wenig ambitiös kritisiert. Doch Nestlé-CEO Mark Schneider zeigt sich für die Zukunft zuversichtlich. Der Konzern will dank der strategischen Fokussierung auf Ernährung, Gesundheit und Wellness weiter wachsen und spricht somit vor allem Anleger an, welche im Unternehmen einen Garant für bekömmliche Wachstumsambitionen sehen und sich mit gesunden Renditen belohnen möchten.

Es bleiben noch drei Monate im 2017. Bei welche Aktien können Anleger auf einen schnellen Gewinn bis Ende Jahr hoffen?
Wer den schnellen Gewinn sucht, muss auch das entsprechende Risiko tragen. Eine mögliche Strategie wäre, auf Titel zu setzen, die gegenüber dem Gesamtmarkt stark zurückgeblieben sind und darauf zu hoffen, dass diese eine Kurserholung erleben. In diesem Zusammenhang fallen mir Namen ein wie Kudelski und Implenia. Wichtig ist, dass Sie sich die Gründe klar vor Augen führen, welche zu den Kurskorrekturen geführt haben.

Der Ölpreis ist seit einigen Wochen am Steigen. Wie geht es weiter?
Erdöl hat es noch immer mehr als genug. Während die Opec drosselt, um den Ölpreis zu stabilisieren, profitieren die US-Schieferöl-Produzenten davon und erhöhen ihre Produktion. Das drückt auf den Ölpreis. Zurzeit scheinen die Lagerbestände zu sinken und die globale Nachfrage zu steigen. Überdies stehen wir vor der Heizsaison, was tendenziell für höhere Preise spricht. Deshalb gehen wir generell von einer leichten Zunahme der Erdölpreise aus. Wir denken, dass der WTI gegenüber dem Brent Ende 2017 aufholen wird mit Kursziel 55 Dollar/Barrel.

* Mario Geniale ist als Chief Investment Officer verantwortlich für die Anlagepolitik der Banque CIC (Suisse). Der diplomierte Vermögensverwalter und Finanzexperte verfügt über langjährige Erfahrung im Portfolio Management und Advisory.

Abonnieren Sie unseren stocksDIGITAL-Newsletter und erhalten Sie jede Woche die besten Invest-Tipps per E-Mail. Der StocksDIGITAL-Newsletter ist ein kostenloser Informationsdienst der Handelszeitung und wird jeden Freitag versendet: Hier geht es zur Anmeldung.

Anzeige