Die zweite Amtszeit von Barack Obama steuert unweigerlich auf ihr Ende zu. Im November 2016 wählen die USA einen neuen Präsidenten. Obwohl der Kampf um das Weisse Haus längst voll entbrannt ist, wirkt der Amtsinhaber agiler denn je. Anfang August stellte Obama beispielsweise den «Clean Power Plan» vor. Darin fixiert die Regierung erstmals konkrete Ziele für die Reduzierung der CO2-Emissionen im Energiesektor.

Bis 2030 soll der Ausstoss von Kraftwerken gegenüber dem Niveau von 2005 um annähernd einen Drittel schrumpfen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, setzt Obama voll auf erneuerbare Energien. Sie sollen an die Stelle von fossilen Brennstoffen, insbesondere von Kohle, treten. «Keine Herausforderung stellt eine grössere Bedrohung für unsere Zukunft und für künftige Generationen dar als der Klimawandel», begründete der Präsident das Vorhaben.

Erneuerbare im Vorteil

Während die Kohleindustrie protestiert, spielt der Plan erneuerbaren Energieträgern naturgemäss in die Hände. Das gilt insbesondere für den Bereich Photovoltaik (PV). Den Unternehmen in diesem Segment könnte die US-Initiative einen weiteren Nachfrageschub bescheren. Schon jetzt zeigt die Wachstumskurve steil nach oben. GTM Research geht davon aus, dass die neu installierte Sonnenstromleistung 2015 weltweit 55 Gigawatt erreichen wird. Das wäre gut ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr. 2020 soll die globale Gesamtkapazität 700 Gigawatt betragen und sich damit gegenüber dem aktuellen Niveau verdreifachen. Die Marktforscher sagen der Branche aber nicht nur quantitativ eine dramatische Veränderung voraus. So könnte das Geschäft schon 2020 komplett nach den Gesetzen des Marktes, ohne Abhängigkeit von öffentlichen Förderprogrammen, vonstatten gehen.

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SMA Solar: Strahlendes Comeback

Tiefe Einschnitte bei den staatlich fixierten Einspeisevergütungen hatten den Sektor in den vergangenen Jahren zusammen mit enormen Überkapazitäten und einem drastischen Preisverfall in eine schwere Krise gestürzt. Bis heute haben Kosteneinsparungen und Restrukturierungen bei vielen Unternehmen oberste Priorität. Mit dieser Strategie scheint die Branche allmählich das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Jedenfalls legten die Kurse zuletzt markant zu. SMA Solar (ISIN DE000A0DJ6J9) ragt heraus – auf Sicht von drei Monaten kletterte der Börsenwert um 130 Prozent. Das deutsche Unternehmen ist Weltmarktführer für Wechselrichter und damit im Herzen der PV-Technologie positioniert. Solche Geräte wandeln den mit Hilfe der Sonne erzeugten Gleich- in Wechselstrom um, wodurch eine Einspeisung in das Energienetz erst möglich wird.

Wegen eines starken Nachfragerückgangs und Projektverschiebungen schockte SMA die Märkte zwar im vergangenen Jahr mit zwei Gewinnwarnungen, umso lauter ertönte nun der Applaus der Anleger, als das Unternehmen Anfang Juli den Ausblick für 2015 nach oben schraubte. Während das Management zuvor von einem deutlichen operativen Verlust ausgegangen war, hält es jetzt im Idealfall sogar ein ausgeglichenes Resultat für möglich. Nach eigenen Angaben profitiert SMA von der über den Erwartungen liegenden Entwicklung des Weltmarkts. Zudem macht sich die Restrukturierung bezahlt. Mit den gestern vorgelegten Halbjahreszahlen untermauerte das Unternehmen den verbesserten Ausblick. Mutige Anleger können darauf setzen, dass der TecDAX-Titel trotz einer ambitionierten Bewertung nun den Ausbruch aus seinem langfristigen Abwärtstrend schafft.

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First Solar: Starker Zahlenmix

Eine interessante charttechnische Konstellation zeigt sich auch bei FirstSolar (ISIN US3364331070). Die Aktie des US-Sektorvertreters ist gerade über die 200-Tage-Linie geklettert. Beim Überbieten des gleitenden Durchschnitts half dem Nasdaq-Valor der jüngste Zwischenbericht auf die Sprünge. FirstSolar steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um knapp zwei Drittel auf 896 Millionen Dollar. Derweil fiel das Ergebnis je Aktie mehr als 20 Mal so hoch aus wie in der Vorjahresperiode. Nicht nur mit diesen Resultaten übertraf das Unternehmen die Erwartungen, auch der erhöhte Ausblick lag deutlich über dem bisherigen Konsens. J.P. Morgan traut der Aktie weitere Avancen zu.

Die US-Bank verweist in einer aktuellen Studie darauf, dass die Produktionskapazitäten des Unternehmens bis Mitte 2016 ausgelastet sind. Ausserdem hebt sie die starken Verbesserungen beim Wirkungsgrad der FirstSolar-Module hervor. Dadurch verfüge der Konzern über einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. «Wir denken, das ist ein zwingender Grund, um diese Aktie auf lange Sicht im Depot zu haben», schreiben die Experten und taxieren das Kursziel auf 68 US-Dollar – ein Aufschlag von mehr als 30 Prozent auf die aktuelle Notierung.

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Meyer Burger: Mutiger Ausblick

Derweil wussten die Anleger zunächst nicht recht, was sie mit dem von Meyer Burger (ISIN CH0108503795) vorgelegten Zahlenset anfangen sollten. Nach der Publikation startete der Solarzulieferer am gestrigen Donnerstag mit deutlichen Kursabschlägen in den Handel. Später drehte die Aktie weit ins Plus. Aus gutem Grund: Das Thuner Unternehmen schrieb im ersten Semester einmal mehr tiefrote Zahlen. Das Minus dehnte sich unter dem Strich gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um gut 5 Prozent auf 93 Millionen Franken aus. Allerdings macht der Auftragseingang Hoffnung. Meyer Burger sicherte sich im ersten Halbjahr Orders in einem Volumen von 222,6 Millionen Franken – 42 Prozent mehr als von Januar bis Juni 2014.

Gleichzeitig hält das Management an der Prognose fest. So soll der Auftragseingang den Vorjahreswert klar übertreffen. Beim Umsatz peilt CEO Peter Pauli die Marke von 400 Millionen Franken an. Damit würde der Spezialmaschinenbauer ein Wachstum von gut einem Viertel verzeichnen. Zudem hält der Top-Manager am Ziel fest, beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen die Break-Even-Schwelle zu erreichen. Geht dieser Plan auf, würde Meyer Burger im zweiten Halbjahr beim Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Wertberichtigungen (Ebitda) bereits deutlich schwarze Zahlen schreiben. Auch wenn diese Aussichten dafür sprechen, dass der Small Cap den zaghaften Aufwärtstrend fortsetzen wird, sollten dort nur mutige Anleger zugreifen.

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