Donald Trump und die Republikaner haben ihr Ziel erreicht. Neben dem Weissen Haus behielten die Republikaner auch die Mehrheit im Kongress, sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus. Damit stehen Trump alle Möglichkeiten offen, seine politischen Ziele zu verwirklichen.

Nach einer ersten Schockreaktion in der Wahlnacht erholten sich die internationalen Finanzmärkte bereits am Folgetag vollständig von ihren Verlusten. Der Dow Jones erreichte sogar ein neues Allzeithoch. Doch woher kommt diese Euphorie? Noch vor den Wahlen schien klar zu sein, dass ein Präsident Trump die Finanzmärkte belasten würde, doch genau das Gegenteil ist nun zu beobachten. Während die Aktienmärkte und der US-Dollar stark zulegten, setzte bei Gold und Silber eine Verkaufswelle ein.

Hoffnung in Unberechenbarkeit

Der Grund dafür ist paradoxerweise die viel diskutierte Unberechenbarkeit Trumps. Noch während des Wahlkampfs polterte Trump gegen Immigranten und Muslime, wollte Hillary Clinton ins Gefängnis bringen und hielt rein gar nichts von Obamacare. Direkt nach der Wahl zeigte er sich jedoch versöhnlich und kompromissbereit – der Markt scheint ihm diese neue Gangart offensichtlich abzunehmen.

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Anstatt der Sorge um mögliche innere und aussenpolitische Spannungen preist der Markt derzeit die Hoffnung auf ein staatlich finanziertes Konjunkturprogramm in Form von Infrastrukturprojekten sowie Steuererleichterungen ein. Dabei scheinen die Marktakteure zu übersehen, dass diese Massnahmen kurzfristig lediglich über eine weitere Aufblähung der Staatsschulden finanzierbar sind.

Darüber hinaus echauffierte sich Trump in den vergangenen Monaten immer wieder über die Niedrigzinspolitik der Zentralbank. Sollte er, wie angedeutet, die FED-Präsidentin Janet Yellen nach Amtsantritt durch einen anderen Kandidaten ersetzen, sollten wir uns auf eine schnellere Anhebung der Zinsen gefasst machen. Dies würde den Dollar stärken, die US-Wirtschaft jedoch belasten. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen sind nach den Wahlen bereits um mehr als 40 Basispunkte in die Höhe geschossen.

Politische Spannungen in Europa dürften zunehmen

Neben den Edelmetallen gab es an den Finanzmärkten einen grossen Verlierer – den Euro. Denn das Wahlergebnis in den USA wird die politische Situation in Europa weiter verschärfen. Die Amerikaner haben sich am 8. November bewusst für den politisch unerfahrenen Kandidaten Donald Trump und gegen das politische Establishment in der Person von Hillary Clinton entschieden. Wenn es in den USA ein Präsidentschaftskandidat schafft, Wahlen für sich zu entscheiden, obwohl er ganze Wählergruppen diskriminiert und während seiner Kampagne nachweislich widersprüchlich argumentiert, ist dies mehr als nur ein Warnschuss an die Politiker in Europa.

Nach Finanzkrise, Flüchtlingskrise und Brexit bläst den hiesigen Politikern bereits seit Jahren kräftiger Wind entgegen. Neben dem Referendum zur Verfassungsreform in Italien vom 4. Dezember finden im nächsten Jahr wichtige Wahlen in den Niederlanden (März), in Frankreich (April) und in Deutschland (September) statt. Die Wahrscheinlichkeit für einen Rechtsruck in Europa ist mit der Wahl Trumps schlagartig gestiegen. 2017 dürfte für Europa deshalb ein wegweisendes Jahr mit starken Turbulenzen an den Finanzmärkten werden.

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Was schliessen wir daraus?

Auch wenn sich Trump nach den Wahlen versöhnlich zeigte, überwiegt bei mir die Skepsis darüber, wie berechenbar seine Politik sein wird. Ich rechne mit einer erhöhten Volatilität sowohl am Aktien- als auch am Devisenmarkt. Leidtragende dürfte vor allem die SNB sein – der Schweizer Franken könnte als sicherer Hafen weiter an Bedeutung gewinnen.

*Christos Maloussis, IG Bank