Irgendwie scheint die Luft raus zu sein bei China. Zumindest, wenn man die Kommentare in Wirtschaftsmedien hört. Gab es vor einigen Jahren nur Superlative zum Reich der Mitte, so verbinden Börsianer nun überwiegend nur noch ein Wort mit der Volksrepublik: Wachstumsschwäche.

Tatsächlich sind die Zuwächse der chinesischen Wirtschaft in den letzten Jahren etwas zurückgegangen. Lagen diese beispielsweise zwischen 2003 und 2007 noch zwischen 10,0 und 14,2 Prozent im Jahr, so waren es von 2008 bis 2011 überwiegend etwas mehr als 9,0 Prozent, 2012 fiel das Plus auf 7,8 Prozent und lag auch 2013 in diesem Bereich.

China: Etwas weniger, aber kein geringes Wachstum

Anstatt der erhofften beschleunigten Gangart der chinesischen Ökonomie in diesem Jahr wird nun sogar ein weiterer Rückgang der Zuwachsraten erwartet. Der Internationale Währungsfonds IWF rechnet für 2014 mit 7,5 Prozent Wachstum und im nächsten Jahr mit 7,3 Prozent. Tatsächlich legte das Bruttoinlandprodukt in China im ersten Quartal um 7,4 Prozent zu, verbuchte damit aber nicht nur den geringsten Anstieg seit 18 Monaten, sondern lag auch unter dem Ziel der Staatsführung von 7,5 Prozent.

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Aber Wachstum um jeden Preis steht nicht mehr ganz oben auf der Hitliste der politischen Führer im roten Reich. Lange Zeit wurde das durch gnadenlosen Export und niedrige Löhne erreicht. Die Währung Renminbi war viele Jahre lang politisch mit einem festen Wechselkurs gegenüber dem Dollar auf niedrigem Niveau bei rund 8,28 Renminbi je Dollar fixiert und brachte so grosse Konkurrenzvorteile im Export. Das führte zu hohen Handelsbilanzüberschüssen, beispielsweise in den Jahren 2006 bis 2012, von rund 150 bis 300 Milliarden Dollar jährlich.

Aufwertung des Renminbi bremst den Export

Nun achtet China nicht mehr auf hohe Überschüsse im Handel, sondern will vom Export unabhängiger werden. «Die Regierung in Peking förderte Lohnsteigerungen und liess eine graduelle Aufwertung des Renminbi zu, um den privaten Konsum im Inland zu fördern», berichtet Asoka Wöhrmann, Chefstratege bei Deutsche Asset & Wealth Management. Nach der schrittweisen Aufwertung der Devise seit 2005 gab der Renminbi allein im 2013 um fast 5 Prozent auf ein Tief bei 6,05 gegenüber dem Dollar nach.

Die Aufwertung zeigt ihre Spuren im Export. Nach einem Minus im Export um 18,1 Prozent im Februar rutschen die Ausfuhren Chinas auch im März um 6,6 Prozent nach unten. Zwei Monate Rückgang im Export gab es zuletzt 2009. Auch im April zeigte sich nur ein schwaches Plus der Ausfuhren von 0,9 Prozent. «Der durch die Lohnsteigerungen in China induzierte Preisauftrieb sorgte gleichzeitig dafür, dass das Land von 2007 bis Oktober 2013 knapp über 20 Prozent von seiner internationalen Wettbewerbsfähigkeit verloren hat», sagt Stratege Wöhrmann.

Chinas Regierung setzt auf mehr Marktwirtschaft

Neben dem Paradigmenwechsel im Export und der Stärkung des privaten Konsums, insbesondere über steigende Kaufkraft der Mittelschicht und über den Ausbau der Sozialsysteme, hat sich Chinas Führung weitere Neuerungen auf die Agenda gesetzt. «Mit Reformen wie der Förderung der Privatunternehmen, einer Liberalisierung der Märkte und der Öffnung des Finanzsektors will die Regierung die Marktwirtschaft und damit die Wachstumskräfte stärken», erklärt Wöhrmann. Beispiel Finanzsektor. Die Schattenbanken, die neben dem offiziellen Bankensystem bestehen und die Kunden durch höhere Zinsen und eine vereinfachte Kreditvergabe gewinnen konnten, sollen nun durch die, in einem Pilotversuch zugelassenen fünf Privatbanken Konkurrenz bekommen und dadurch weniger Geschäfte machen. Denn die unregulierte Kreditvergabe der Schattenbanken führt zu steigenden Kreditausfällen mit negativen Folgen und Gefahren für die Wirtschaft.

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Neben den Schattenbanken gibt es weitere Risiken. Erst vor wenigen Tagen nannte der chinesische Vizefinanzminister Zhu Guangyao hier etwa regionale Finanzierungsplattformen oder hohe Immobilienpreise. Immerhin scheint die Regulierung im Bankensektor und die strengere Geldpolitik die Nachfrage nach Immobilien zu dämpfen. Im ersten Quartal gingen die Wohnungs- und Hausverkäufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent zurück. Das ist aber schlecht für Chinas öffentliche Haushalte, denn die Kommunen erzielen einen Grossteil ihrer Einnahmen aus Gebühren für Immobilienverkäufe. Und so geraten die öffentlichen Investitionen unter Druck, und das Wirtschaftswachstum wird gehemmt.

Börse unter Druck

Das ganze Gemenge lastet auch auf der Börse. Der Shanghai-A-Index ist vom Allzeithoch aus 2007 bei 6398 Punkten weit entfernt. Vielmehr läuft der Markt seit zwei Jahren in einer zunehmend engeren Handelsspanne seitwärts und notiert im Moment nur knapp über dem Fünfjahrestief von 2040 Punkten. Betrachtet man die schlechte Stimmung der Börsianer und vieler Wirtschaftsmedien zu China, könnten die negativen Nachrichten schon überwiegend in den  Kursen drin sein.

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Von diesem Pessimismus ausgehend könnte es auch schnell bei positiven Überraschungen einen neuen Kursaufschwung geben. «Wir sehen gute Chancen, dass die Führung das Land mit Reformen wie der Stärkung der Eigentumsrechte, dem Aufbau einer effizienten Kartellbehörde und der Neuregelung des Steuersystems auf einen nachhaltigen und stabilen Wachstumskurs bringen kann», sagt Wöhrmann.

Reformen sind gut für das Vertrauen

Hinsichtlich nachhaltigem Wachstum ist auch Zhu Guangyao zuversichtlich. Der Finanzpolitiker rechnet für die nächsten zehn Jahre für China mit Wachstumsraten der Wirtschaft von 7 bis 8 Prozent.

Und die eingeleiteten Reformen könnten dann sogar das Vertrauen der internationalen Investoren stärken und generell ein höheres Bewertungsniveau bei Chinas Aktien bringen. Derzeit ist der Shanghai-A nämlich mit einem 8er-KGV vergleichsweise niedrig bewertet. In den letzten fünf Jahren kam der Markt im Durchschnitt auf ein 12er-KGV.

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China Investments – Fonds und ETFs

Die Ratingagentur Morning Star hält den Fonds für aussichtsreich mit der Chance auf eine Outperformance gegenüber dem Sektor. Performance laufendes Jahr: -5,4 Prozent (Shanghai-A-Index: -3,8 Prozent, Hong Kong Hang Seng: -2,6 Prozent).

Morningstar bewertet den ETF überdurchschnittlich und sieht hier vergleichsweise geringere Risiken. Performance laufendes Jahr: -6,9 Prozent. Gebühr: 0,6 Prozent pro Jahr.