Im Fernduell zwischen den Industrienationen und den Emerging Markets hatten die Erstgenannten im 2015 klar die Nase vorne. Während der MSCI World Index, welcher sich aus 23 entwickelten Ländern zusammensetzt, um 3 Prozent zulegte, gab der MSCI Emerging Markets um 13 Prozent nach. Angefangen von Brasilien, über Indonesien bis hin zu Russland dominierten dort die Minuszeichen.

In Sachen Wirtschaftswachstum sind die Schwellenländer hingegen weiterhin überlegen. Doch zeigt auch hier der Trend nach unten. «Mit deutlich unter 4 Prozent haben die Emerging Markets die geringste Wachstumsrate seit 2009», sagt Christian Heger von HSBC Global Asset Management.

China belastet das restliche Asien

Das liegt zum einen an wichtigen Märkten wie Brasilien und Russland, die sich in einer schweren Rezession befinden, aber auch das Reich der Mitte hat an Schwung verloren. «Die nachlassende Dynamik in China strahlt zunehmend auf die übrigen asiatischen Volkswirtschaften aus», erklärt Experte Heger.

Geht es nach den Ökonomen der Commerzbank, könnten die Schwellenländer nun allerdings das Gröbste hinter sich haben. «Der Wachstumsvorsprung der Emerging Markets gegenüber den entwickelten Ländern sollte 2016, anders als in den zurückliegenden vier Jahren, nicht weiter schrumpfen.» Einen Hauptgrund für eine solche Entwicklung sehen die Experten in einer Stabilisierung der Rohstoffpreise, was vor allem die exportstarken Länder begünstigen dürfte.

Die Talsohle ist erreicht

Auch MainFirst-Fondsmanager Cornel Bruhin sieht die Talsohle erreicht: «Mutige Anleger positionieren sich jetzt.» Seiner Ansicht nach sind viele Marktteilnehmer derzeit in den Emerging Markets viel zu stark untergewichtet. «Die Positionierung von Investoren ist mittlerweile so niedrig wie zuletzt 2001/2002», so Bruhin.

Fondsmanager Nick Price von Fidelity unterscheidet allerdings zwischen reformwilligen und reformunwilligen Nationen: «Letztlich wird die Bereitschaft zu Reformen das Schicksal der Schwellenländer entscheiden», glaubt der Finanzmann. Als Paradebeispiel gilt Indien. Der Subkontinent hat gezeigt, dass gesunkene Rohstoffpreise nicht unbedingt ein Nachteil sein müssen.

Geheimtipp Indien

«Für Indien bin ich optimistisch. Die Reformen dürften die Wirtschaft beleben und das Potenzial des bevölkerungsreichsten Landes der Welt freisetzen. Die Wirtschaft wächst mit 6 bis 7 Prozent – Tendenz voraussichtlich steigend», zeigt sich Fidelity-Mann Price zuversichtlich.

An der Börse wurden die guten Aussichten für das Land noch nicht in steigende Kurse verwandelt. Der BSE Sensex Index tritt seit Juni 2014 auf der Stelle. Doch könnte sich das Vertrauen in die reformwillige Regierung schon bald in höheren Notierungen widerspiegeln. Schützenhilfe kommt von der indischen Zentralbank, welche die Zinsen Ende September um 0,5 Prozentpunkte auf 6,75 Prozent senkte.

UBS spiegelt Indien-Index

Einen direkten Zugang zu indischen Aktien bekommen Anleger gut über den Tracker der UBS auf den MSCI India Index (ISIN CH0278269417). Das Produkt widerspiegelt den Verlauf des Barometers eins zu eins – abzüglich einer Managementfee von 1,8 Prozent p.a. Das Ende April 2015 aufgelegte Zertifikat verfügt über eine Open-End-Struktur.

Während für viele kleinere asiatische Volkswirtschaften, und demzufolge auch für deren Aktienmärkte, die weitere Entwicklung in China eine übergeordnete Rolle spielt, können sich manche Emerging-Markets-Staaten, wie Mexiko, emanzipieren. Die Kurse legten 2015, gemessen am Mexiko IPC, um mehr als 6 Prozent zu. Damit hob sich das Land auch von zahlreichen anderen lateinamerikanischen Staaten ab.

Mexiko hat Potential

Mit gutem Grund: Mexiko ist auf Wachstumskurs, und dieser soll sich 2016 fortsetzen. So hat die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) jüngst ihren Ausblick für das erwartete Bruttoinlandprodukt (BIP) der Volkswirtschaften Lateinamerikas abgegeben. Zwar wird für die gesamte Region 2016 eine Kontraktion von 0,8 Prozent erwartet, doch Mexiko soll um 2,6 Prozent wachsen.

Positiv ist zudem, dass Mexiko seinen bislang streng regulierten Energiemarkt geöffnet hat. Eine jüngste Versteigerung von Öl- und Gasfeldern brachte dem Land rund sieben Milliarden Dollar an Investitionen. Damit kommt frisches Geld und Know-how ins Land. Weitere zwei Auktionen sollen 2016 über die Bühne gehen. Anleger haben mit dem Tracker der BNP Paribas auf den IPC-Index (ISIN CH0024408913) die Chance, an einem weiteren Aufschwung in Mexiko zu profitieren.

Der Peso ist ein Risikofaktor

Zu beachten ist aber ein Währungsrisiko, da das Produkt auf Dollar lautet. Ein nicht unwichtiger Faktor. Denn 2015 hat der Peso um mehr als 16 Prozent gegenüber dem Greenback abgewertet. Kursgewinne an der Börse wurden so durch den schwächeren Peso teilweise egalisiert.

Die schwache Reformbereitschaft sowie die hohe Verschuldung dürften Brasilien auch 2016 unter Druck bringen. Die Ratingagentur Moody's hat Brasilien bereits mit einer Herabstufung auf Ramschniveau gedroht. Allerdings: Im nächsten Jahr, im August, finden in Rio de Janeiro die Olympischen Spiele statt. Das könnte die Wirtschaft beflügeln. 

Leitindex notiert nahe wichtiger Marke

Zudem ist der Aktienmarkt charttechnisch interessant. Zwar ist der Leitindex Bovespa vor wenigen Tagen unter die starke Unterstützung und psychologische Marke von 45'000 Punkten gerutscht, doch trennen den Index lediglich einige wenige Prozentpunkte von dieser Hürde. Möglicherweise wird es zeitnah zur technischen Gegenbewegung kommen. Wer auf den Olympia-Effekt setzen will, greift zum Index-Tracker auf den Bovespa (ISIN: CH0021175366).

Licht am Horizont könnte in Russland in Sicht sein. Nach einer erwarteten BIP-Abnahme von 3,6 Prozent im 2015 rechnen die Volkswirte der Commerzbank im 2016 mit der Rückkehr zu Wachstum – wenn auch nur mit einem geringen Plus von 0,3 Prozent. Darüber hinaus besteht Überraschungspotenzial, falls USA und EU ihre Sanktionen aufheben und der Ölpreis-Verfall ein Ende findet.

Für Russland sind starke Nerven nötig

«Allen Investoren mit starken Nerven, die wirtschaftliche Risiken und politische Unsicherheiten verkraften, bieten russische Aktien 2016 attraktive Chancen», sagt Erdinç Benli von GAM. Umsetzen lässt sich eine Russland-Spekulation mit dem Russia ETF von Lyxor (ISIN FR0010339457). Die jährliche Verwaltungsgebühr beläuft sich auf 0,65 Prozent p.a.