Das ist ein richtiges Desaster! Vor einer Woche rauschte der Kurs von EFG International an einem einzigen Tag um rund 20 Prozent nach unten und hat nun innert Wochenfrist bereits 25 Prozent an Wert verloren. Auslöser des Kurseinbruchs waren unerwartet schwache Halbjahreszahlen der Bank. Wie immer nach solchen Kursrückschlägen kam es auch bei der Aktie von EFG zu einem massiven Anstieg der Volatilität, die ein Mass für die Höhe der Kursschwankungen ist. Diese schoss bei EFG innert kurzer Zeit um rund 50 Prozent nach oben und liegt aktuell bei 69,8 Prozent auf der Basis eines Monats.

Bei solchen Ausschlägen werden Börsianer, die auf Discount-Zertifikate spezialisiert sind, hellhörig. Denn Discounter bieten bei hoher Volatilität des Basiswerts vergleichsweise bessere Konditionen, etwa in Form einer höheren Seitwärtsrendite, als Basiswerte mit geringen Kursausschlägen. Bei einem Discounter erwirbt der Emittent den Basiswert, beispielsweise eine Aktie oder einen Index, und verkauft darauf eine Call-Option an der Terminbörse. Da der Verkaufspreis des Call mit einer höher werdenden Volatilität des Basiswerts nach oben geht, steigt dadurch der Discount und damit die Renditechance beim Zertifikat.

Discounter – Preisvorteil und geringere Risiken

Ein Beispiel: Ein Discount-Zertifikat (ISIN: CH0282239109) auf Nestlé hat seinen Cap bei 72.0 Franken. Mögliche Kurssteigerungen bei der Aktie sind also auf diese Kursmarke begrenzt. Nun notiert Nestlé allerdings schon bei 73.65 Franken. Anleger erhalten damit beim Discounter am Ende der Laufzeit nur 72.0 Franken ausbezahlt. Und da kommt die Optionsprämie für den Call ins Spiel. Diese mindert den Preis des Discounters und verschafft mehr oder weniger grosses Renditepotenzial. Aktuell gibt es das genannte Discount-Zertifikat zum Kurs von 69.40 Franken.

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Wer das Zertifikat kauft, steigt also bei Nestlé zu 69.40 Franken anstatt zum aktuellen Kurs von 73.65 Franken ein. Das ist ein Discount von 3,5 Prozent. Da das Gewinnpotenzial aber durch den Cap auf 72.0 Franken begrenzt ist, ergibt sich so eine Maximalrendite von 3,6 Prozent. Da das Zertifikat bis 4.5.2016 – also nur noch etwa neun Monate – läuft, gibt es eine auf 4,9 Prozent erhöhte Rendite pro Jahr. Immerhin ist das Geld verdient, solange Nestlé über dem Cap notiert. Wer hingegen jetzt die Aktie kaufen würde, hätte im Vergleich zum Discounter erst dann einen Gewinnvorteil, wenn Nestlé bis Mai 2016 auf zumindest 76.30 Franken steigen würde. Bei einem Kursrückgang hingegen wäre der Verlust höher als beim Zertifikat, da Anleger mit dem Discounter erst bei einem Nestlé-Kurs von unter 69.40 Franken ins Minus rutschen würden.

Fehlanzeige bei EFG, aber attraktive Konditionen bei AMS

Allerdings treibt Nestlé Discount-Spezialisten fast zur Verzweiflung. Denn die Volatilität des Nahrungsmittelkonzerns liegt bei mickrigen 10,9 Prozent und ist damit eine der tiefsten im SMI und am Schweizer Aktienmarkt überhaupt. Anleger, die höhere Seitwärtsrenditen erzielen wollen, setzen deshalb eher auf Discount-Zertifikate von Basiswerten mit hoher Volatilität. EFG wäre da natürlich nach dem Kursrutsch erste Wahl. Doch dummerweise gibt es auf diese Bank keinen Discounter.

Keine Volatilität von 69,8 Prozent wie bei EFG, aber immerhin eine von 45,2 Prozent, bekommen Anleger bei AMS AG. Und da gibt es auch Discount-Zertifikate (ISIN: CH0268344857). Bei einem Kurs der Aktie des IT-Konzerns von 39.55 Franken liegt der Cap des Discounters zwar bei 37.0 Franken, doch dafür kostet der Discounter auch nur 34.90 Franken. Der Discount beträgt damit 5,4 Prozent, und bei einer Laufzeit bis 18.12.15 ergibt sich daraus eine Seitwärts- und gleichzeitig eine Maximalrendite pro Jahr von 16,4 Prozent.

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Basilea Pharma – hoher Discount und reichlich Gewinnchancen

Noch mehr ist bei einem Discounter auf Basilea Pharma drin (ISIN: CH0114329367, Laufzeit 18.3.16). Bei einem Kurs der Aktie von 105.10 Franken liegt der Cap des Discounters mit 110.0 Franken sogar über dem aktuellen Kurs des Basiswerts. Da der Discounter allerdings nur bei 96.65 Franken notiert, ergibt sich daraus nicht nur ein Discount im Vergleich zum Aktienkauf in der Höhe von 8,1 Prozent – also ein schöner Sicherheitspuffer –, sondern gleichzeitig eine attraktive Seitwärtsrendite pro Jahr von 14,8 Prozent.

Die Maximalrendite pro Jahr beträgt hier sogar 23,0 Prozent. Die vergleichsweise guten Konditionen sind hier eben Folge einer hohen Volatilität von Basilea von 51,9 Prozent.

Transocean – hohe Volatilität und attraktive Discounter

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Noch interessanter ist ein Discounter auf Transocean – der Kurs der Aktie ist aktuell bei 13.17 Franken. Das SMI-Mitglied weist mit 55,4 Prozent eine der höchsten Volatilitäten am Schweizer Aktienmarkt auf. Ein Zertifikat (ISIN: CH0279930595, Laufzeit 18.3.16) bietet bei einem Kurs des Derivats von 11.90 Franken im Vergleich zum Direktinvestment nicht nur einen Discount von 9,2 Prozent, sondern auch eine Seitwärtsrendite von 17,1 Prozent pro Jahr. Bei einem Cap von 18.50 Franken ergibt sich sogar eine Maximalrendite pro Jahr von 105,0 Prozent. Doch dafür müsste die Aktie von Transocean bis März 2016 auf dieses Kursniveau klettern. Zumindest brachte es der Titel am Donnerstag bereits auf ein Kursplus von rund 8 Prozent. Und bei einem neuerlichen Kursdebakel bei Transocean wäre man mit dem Discounter bis zum Aktienkurs von 11.90 Franken auf der sicheren Seite.

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