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Performance
Dividenden – die treibende Kraft hinter den Gewinnen

LafargeHolcim: Es 2017 ist eine hohe steuerfreie Dividende zu erwarten. Keystone

Seit dem Jahr 2000 kamen Aktien im SMI nur wenig vom Fleck. Dafür brachten Dividenden schöne Steigerungen. Steuerfreie Zahlungen sind dabei das Sahnehäubchen oben drauf.

Von Georg Pröbstl*
am 20.10.2017

Endlich! Endlich kommt der SMI nach oben! Nach jahrelangem zähen Seitwärtslauf in 2014 und 2015 und der Kursdelle in 2016 liefern Schweizer Blue Chips in diesem Jahr schon schöne Kursgewinne. Gab es allerdings in den ersten sechs Monaten noch ein Plus von knapp zehn Prozent im Index, so schwenkten die Standartwerte dann monatelang in eine enge Handelsspanne ein. Jetzt allerdings beschleunigt der SMI erneut. Alleine in den letzten sechs Wochen bringt das Kursbarometer ein Plus von rund fünf Prozent.

Trotz dieser schönen Steigerungen und der aktuellen Kurseuphorie seit Anfang September: Das Mehrjahres-Hoch aus 2015 bei 9526 Punkten und auch das Allzeithoch von Juni 2007 bei 9531 Indexzählern sind nach wie vor noch nicht erreicht. Und seit dem Jahr 2000 konnte der SMI auch nur um rund zehn Prozent zulegen. Das bedeutet: In den letzten zehn Jahren gingen fast sämtliche Kursgewinne bei Schweizer Standardwerten auf das Konto der Ausschüttungen.

Schöne Gewinne

Allerdings: Der Blick starr auf den SMI verzerrt das Bild. Denn rechnet man die Dividenden in die Performancebetrachtung mit ein, dann jagt der Schweizer Aktienmarkt schon seit längerem von einem Hoch zum nächsten. Im SMI sind Dividenden nämlich nicht miteingerechnet. Aber der SMIC inklusive Dividenden hat bereits im Mai ein neues Allzeithoch erreicht und nun Ende September diesen Rekordlevel vom Frühjahr bei 18'000 Punkten nach oben übersprungen.

Und während der SMI auf Zehnjahressicht noch knapp fünf Prozent unter seinem Allzeithoch notiert, bringt der SMIC – inklusive Dividenden – bereits ein Plus von 35 Prozent. Ähnliche Entwicklungen zeigen auch andere Börsen. Beispiel DAX-Kursindex in Deutschland – ebenfalls ohne Dividenden oder Kapitalmassnahmen. Dieser Index hat zwar das Hoch aus 2007 bereits geknackt, doch zu den Rekorden aus dem Jahr 2000 und 2015 fehlen noch rund fünf Prozent. Der normale DAX – inklusive Dividenden – notiert jetzt dagegen bereits 60 Prozent über den Rekordständen zur Jahrtausendwende.

Dividenden als Treiber

Die Entwicklung zeigt: Dividenden sind ein wichtiger, immer wieder sogar der wichtigste Treiber an der Börse. Etwa 40 bis 50 Prozent der Gewinne mit Aktien gehen nämlich langfristig betrachtet auf das Konto der Ausschüttung. Viele Anleger setzen deshalb auf dividendenstarke Titel. Das bringt nicht nur mehr oder weniger hohe regelmässige und gut planbare Einnahmen, sondern auch mehr Sicherheit. Denn Firmen, die hohe Dividenden zahlen können, haben meist schon ein gut entwickeltes und bewährtes Geschäftsmodell und müssen ihre Überschüsse nicht in Wachstum und Investitionen stecken. 

Manche Anleger setzen aber nicht nur auf Dividenden, sondern haben vor allem steuerfreie Dividenden im Visier. Denn dann sind die Zahlungen ohne Abzug durch den Fiskus und das hebt die Rendite auf lange Sicht ganz deutlich an. Angenommen, eine Aktie bringt eine nachhaltige Dividende von fünf Prozent pro Jahr. Ohne Abzug von Verrechnungssteuer ergibt sich daraus in zehn Jahren ein Zugewinn von rund 63 Prozent. Wird aber die Steuer von 35 Prozent fällig – ohne Berücksichtigung der persönlichen Steuersituation –, dann schmilzt die Rendite auf etwa 37 Prozent ab. Das ist nur  etwas mehr als halb so viel.

Hohes Kurspotenzial

Die Rechnung für Anleger und Investoren, die auf Rendite achten, ist dann einfach: Eine steuerfreie Dividendenrendite von fünf Prozent entspricht rund 7,5 Prozent Ausschüttung vor Verrechnungssteuer. Und wenn man dabei die Bewertung und damit den Kurs einer Aktie an der Dividendenrendite festmacht, bedeutet das: Der Kurs einer Aktie mit steuerfrei fünf Prozent Rendite kann um rund 50 Prozent steigen und die Dividendenrendite wäre dann genau so hoch, wie bei einer Aktie mit 7,5 Prozent Rendite vor der Steuer. Bei steuerfreien Dividenden ist damit ein mehr oder weniger höheres Kursniveau gerechtfertigt.

Auf der Suche nach steuerfreien Dividenden werden Anleger in der Schweiz bei einer Reihe von Unternehmen fündig. Für 2017 ist unter anderem bei Aryzta, Clariant, EFG International, Julius Bär, LafargeHolcim, Leonteq und UBS eine steuerfreie Zahlung zu erwarten. Bei diesen Titeln werden die Ausschüttungen nämlich aus den Kapitaleinlagereserven ausgezahlt.

Dividendenstark und steuerfrei

Während es bei den meisten der genannten Werte allerdings nur geringe Dividenden von etwa ein bis zwei Prozent gibt, sind EFG, Julius Bär, LafargeHolcim und UBS dann doch wirklich dividendenstarke Werte mit steuerfreier Zahlung. Bei den beiden erstgenannten Finanzhäusern sind für dieses Jahr Renditen jeweils etwa von 2,5 bis 3,0 Prozent drin, beim Baukonzern und UBS werden für dieses Jahr Renditen in etwa zwischen 3,5 und 4,0 Prozent erwartet. Rechnet man den Dividendenvorteil hinzu, errechnen sich daraus Zahlungen nach Steuern zwischen vier und bis rund sechs Prozent.

Vor allem bei UBS scheint damit das Kurspotenzial noch nicht erreicht. Nimmt man die Charttechnik hinzu, dann steht die Aktie kurz vor dem Sprung über den Widerstand bei 17,50 Franken. Ähnlich spannend ist der Kursverlauf auch bei LafargeHolcim. Die Aktie des Baukonzerns läuft seit vielen Monaten knapp unter dem Widerstand bei 60 Franken. Möglicherweise bringt die Generalversammlung im Mai 2018 genug Schub in neue Kursregionen.

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots 1 Jahr: +26,1 Prozent (DAX: +12,7 Prozent), 3 Jahre: +71,5 Prozent (DAX: +22,4 Prozent). Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +301,7 Prozent (Dax: +83,3 Prozent).

 

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