Das Blatt hat sich gewendet. Vor einem Jahr fiel der Dollar und fiel und fiel. Die Schweizer Exportindustrie war entsetzt. Denn ein schwacher Dollar macht Schweizer Produkte für Konsumenten im Dollarraum teurer – die Nachfrage fällt tendenziell und eröffnet obendrein Konkurrenten aus dem Nicht-Franken-Raum bessere Marktchancen. Und ein schwacher Greenback bringt heimischen Firmen umgerechnet in teure Franken zudem weniger Umsatz.

Besonders im ersten Halbjahr litten viele Unternehmen unter diesem Effekt, und sie klagten entsprechend. Die US-Devise notierte im Frühling und in den Sommermonaten um rund 10 Prozent tiefer als im gleichen Zeitraum im Jahr 2013.

Dollaranstieg – die Umsatzbasis könnte um 10 Prozent höher sein

Nun läuft es anders herum. Seit dem Halbjahresabschluss der Unternehmen per Ende Juni – noch mit dem negativen Effekt des schwachen Dollars – konnte der Greenback zwischenzeitlich fast schon um 10 Prozent zulegen und notiert jetzt 7 Prozent über dem Halbjahresstand.  

Der Effekt eines schwachen Dollars dreht sich damit in das Gegenteil: Schweizer Produkte werden im Dollarraum günstiger – die dortigen Konsumenten kaufen mehr. Das treibt den Umsatz auf Dollarbasis an. Wird der starke Dollar nun in Franken umgerechnet, erhöht das den Umsatz in heimischer Währung zusätzlich. Erlöse von 100 Millionen Dollar entsprechen jetzt nicht mehr rund 88 Millionen Franken wie im Juni oder Juli, sondern plötzlich 95 Millionen Franken.

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Erst jammern, dann klotzen – Anleger setzen auf die einstigen Dollar-Verlierer

Bleibt der Dollar auf diesem Niveau oder kann er noch weiter zulegen, wäre das für die einstigen Dollar-Verlierer – die Unternehmen mit hohem Dollar-Anteil im Geschäft – ein Segen. Wer auf diesen Effekt des starken Dollars setzen will, sucht deshalb Firmen, die im ersten Halbjahr besonders unter dem schwachen Dollar zu leiden hatten. Denn es litten nicht alle Firmen nennenswert unter der Dollarschwäche, und so werden jetzt auch nicht alle vom aktuellen Dollaraufschwung profitieren. So ist beispielsweise Actelion international zwar stark aufgestellt, wickelt aber lediglich 18 Prozent ihrer Umsätze in Dollar ab. Swisscom hingegen erzielt nur 18,2 Prozent der Umsätze im Ausland, und diese auch nicht im Dollarraum, sondern in Italien und damit in Euro. Oder Geberit. Der Spezialist für Sanitärtechnik meldete im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von 7,1 Prozent auf Basis lokaler Währungen. Ohne Wechselkurseffekte wäre das Plus mit 8,6 Prozent aber auch nicht wesentlich höher ausgefallen.

Starker Dollar: Richemont und Clariant werden wahrscheinlich stark profitieren …

Viel interessanter ist der Luxusgüterhersteller Richemont. In den ersten fünf Monaten seines Geschäftsjahres 2013/14 per Ende August meldete das SMI-Mitglied infolge ungünstiger Wechselkurseffekte nur einen minimalen Umsatzanstieg um 1 Prozent. Wechselkursbereinigt lag das Plus hingegen bei 4 Prozent. Im Geschäft mit Amerika gab es bei konstanten Wechselkursen sogar ein Plus von 12 Prozent. Wegen Dollarschwäche lag der Anstieg in der Region jedoch nur bei 7 Prozent.

Auch Clariant hatte im zweiten Quartal Probleme mit den Wechselkursen. Gab es ohne Währungseffekte in Lokalwährungen ein Umsatzplus von 6 Prozent, so erlitt der Chemiespezialist auf Frankenbasis einen Rückgang der Erlöse um 1 Prozent.

… und auch Roche, SGS und Syngenta dürften zu den Gewinnern zählen

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Und während Transocean und Novartis in Dollar abrechnen, verbuchte auch Roche im ersten Halbjahr flaue Geschäfte infolge Dollarschwäche. Der SMI-Konzern aus Basel berichtete zum Halbjahr zu konstanten Wechselkursen über ein Umsatzplus von 5 Prozent. Auf Frankenbasis gab es jedoch wie bei Clariant ein Minus um 1 Prozent.

Ähnliche Dollarprobleme hatten auch SGS und Syngenta. Schaffte der Prüfspezialist zu konstanten Wechselkursen im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von 5,3 Prozent, so gab es in Franken ein Minus um 1,8 Prozent. Bei Syngenta wurde auf derselben Basis aus einem Anstieg von 4 Prozent ein geringes Plus um 1 Prozent. Und bei Swatch halbierte sich ein Umsatzanstieg zu lokalen Währungen von 8,5 Prozent auf Frankenbasis auf 4,0 Prozent.

Anleger nehmen auch Dufry und Lonza im Visier

Jenseits des SMI fällt Dufry mit Dollar-Effekten auf. Schaffte der Einzelhändler im zweiten Quartal ein Umsatzplus von 6,7 Prozent zu konstanten Wechselkursen, so waren es auf Frankenbasis in der Bilanz nur noch 2,4 Prozent. Bei Lonza drehte im ersten Halbjahr ein stolzer Zuwachs zu konstanten Wechselkursen von 7,0 Prozent auf ein deutlich moderateres Plus in Franken von 3,2 Prozent.

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Eine Dollar-Überraschung könnte es auch bei AMS Austriamicrosystems geben. Der Halbleiterkonzern hat seinen Firmensitz zwar im österreichischen Unterpremstätten bei Graz, die Leitbörse für die Aktie ist aber die SIX. Und auch AMS litt unter der Dollarschwäche, konkret, gegenüber dem Euro. Im ersten Halbjahr steigerte der Tech-Konzern seinen Umsatz zu konstanten Wechselkursen zwar um 13 Prozent, auf Euro-Basis lag das Plus jedoch nur bei 9 Prozent.

AMS und Adecco: Chance auf einen Euro-Dollar-Gewinn

Eine positive Überraschung hinsichtlich Euro-Dollar wie bei AMS ist auch bei Adecco möglich. Der Personaldienstleister bilanziert ebenfalls in Euro. Im zweiten Quartal litt der SMI-Wert noch unter dem schwachen Dollar. Die Umsätze auf lokaler Basis kletterten um 5 Prozent, in Euro jedoch nur um 1 Prozent. Die positiven Dollar-Effekte werden sich wohl bei den genannten Unternehmen im dritten Quartal noch in Grenzen halten, doch ist bei anhaltend hohem Dollarniveau spätestens mit der Vorlage der Daten zum Schlussquartal mit positiven Überraschungen zu rechnen. Möglicherweise setzen Anleger schon jetzt verstärkt auf eine Outperformance der Dollar-Profiteure und ziehen ihre Kurse nach oben. stocksDIGITAL wird die Performance der genannten Titel in den nächsten Monaten im Vergleich gegenüber dem SMI beobachten.

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