Nur 2,3 Prozent – so hoch war der maximale Verlust, den der Dow Jones in den zwei Wochen nach dem Einmarsch russischer Truppen auf der Halbinsel Krim verbuchte. Das zeigt die Bedeutung Russlands für die USA – offensichtlich ist sie kaum vorhanden. Die USA exportiert nach Russland lediglich Waren im Wert von 11,8 Milliarden Dollar im Jahr. Der SMI ging im selben Zeitraum um bis zu 4,7 Prozent zurück, der deutsche DAX knickte sogar bis zu 6,3 Prozent ein. Die Schweiz etwa schaffte im vergangenen Jahr einen Exportüberschuss in Bezug zu Russland in der Höhe von 2,4 Milliarden Franken.

Der Dow Jones hat sich auf jeden Fall von seinem Mini-Crash von Mitte März wieder gut erholt.  Nach dem fünfjährigen Kursaufschwung mit Kursverdopplung seit 2009 notiert der globale Aktien-Leitindex jetzt wieder knapp unter dem Allzeithoch vom Januar bei 16'576 Punkten. Nach diesem gewaltigen Kursanstieg der letzten Jahre halten viele Anleger den US-Markt schon für hoch bewertet, ja für überhitzt. Doch die 30 Mitglieder im Dow Jones sind nicht so teuer. Aktuell reicht die Spanne der Bewertung vom 9er-KGV bei JPMorgan Chase bis zum 27er-KGV des Sportartikelherstellers Nike. Das KGV des gesamten Index beträgt derzeit 15,3. Das ist zwar nicht spottbillig, aber auch nicht teuer, denn die Aktien im Dow Jones gab es auch schon für 30er-KGVs und höhere.

Berichtssaison – positive Überraschungen setzen sich fort

Betrachtet man die aktuelle Berichtssaison in den USA zum Schlussquartal 2013, so sieht man, dass sich die Reihe positiver Überraschungen der letzten Jahre fortsetzt. Wie Yardeni Research berichtet, übertrafen im vierten Quartal 64,8 Prozent von 486 der 500 Unternehmen im S&P 500 die Schätzungen der Analysten beim Umsatz. Dabei lagen die Erlöse im Durchschnitt um 3,3 Prozent höher als erwartet. 23,9 Prozent der Firmen lagen unter dem Konsens der Analysten.

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Überraschungen gab es auch beim Gewinn. 61,4 Prozent der S&P-500-Firmen präsentierten im vierten Quartal ein Ergebnis, das sich über der Analystenschätzung befindet. Der Wert ist umso erstaunlicher, als im ersten, zweiten und dritten Quartal 2013 nur zwischen 45,8 und 54,0 Prozent der Firmen höhere Gewinne schrieben als  erwartet. Am weitesten über den Gewinnschätzungen lagen übrigens Unternehmen der Baustoffindustrie sowie Bauunternehmen. Diese konnten den Konsens im vierten Quartal um 13,0 und 24,5 Prozent übertreffen.

Immobilien sind gefragt, aber auch Gesundheit und Finanzdienstleistungen

Das ist schon enorm, passt aber ins Bild. In den USA sind Immobilien derzeit stark gefragt. So stiegen die Hauspreise in den Staaten im Dezember in den 20 grössten Ballungsgebieten um 13,4 Prozent und damit stärker als gedacht. Zwar gab es im Januar einen unerwartet starken Rückgang der Baugenehmigungen von 991'000 auf 937'000, doch möglicherweise war das eine Folge des harten Winterauftakts in diesem Jahr.

Betrachtet man den Dow Jones, so gibt es dort zwar keine echten Baukonzerne, aber dennoch eine Reihe von Top-Performern. In einem unglaublichen, jahrelangen Aufwärtstrend sind die beiden Kursraketen UnitedHealth Group und Visa. In den letzten zwölf Monaten konnten die Aktien des Gesundheitsdienstleisters und des Kreditkartenspezialisten um jeweils rund 45 Prozent zulegen. In den zurückliegenden fünf Jahren kletterten beide Titel auf das Vierfache. Die Gesundheits- und Finanzbranche zählte übrigens im vierten Quartal auch zu den Outperformern der Berichtssaison. So kletterten die Quartalsgewinne der beiden Sektoren im S&P 500 auf Jahressicht um 10,2 und 26,2 Prozent.

Der Konsum zeigt eine schwache Entwicklung in der Berichtssaison

Zu den schwächsten Werten im Dow Jones zählten in den letzten zwölf Monaten hingegen McDonald's und Coca-Cola. Beide Titel büssten auf Jahressicht 3 Prozent an Wert ein. Aber wirklich überraschend ist das nicht, denn die gesamte Konsumgüterindustrie im S&P 500 entwickelte sich zuletzt im vierten Quartal 2013 unterdurchschnittlich schwach. Während der Gewinn im Schlussquartal auf Jahresbasis im gesamten Index um 9,4 Prozent kletterte, schaffte der Sektor Consumer lediglich ein Plus von rund 5,5 Prozent.  

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Wächst mit Krankenversicherungen und Dienstleistungen für Senioren und profitiert vom Trend zu mehr Gesundheitsfürsorge sowie von der zunehmenden Alterung der Bevölkerung. Angesichts des günstigen Branchenumfelds ist die Aktie mit 13er-KGV weiterhin aussichtsreich.

Weltweit gesehen immer mehr Menschen – insbesondere in den Schwellenländern – bezahlen mit Kreditkarte. Der weltweit grösste Kreditkartenanbieter profitiert. In diesem Jahr sollen Umsatz und Gewinn mit zweistelligen Raten wachsen. Die Aktie ist mit einem 24er-KGV zwar nicht mehr ganz günstig, möglicherweise bringt der erwartete globale Konjunkturaufschwung in diesem und im nächsten Jahr aber erneut positive Überraschungen.

Preiskampf und Einbussen in Asien – im vergangenen Jahr verzeichnete die Fastfood-Kette fallende Umsätze bei eingeführten Restaurants. Immerhin konnten Neueröffnungen das Minus mehr als wettmachen und bescherten McDonald's so ein leichtes Umsatz- und Gewinnplus. In diesem Jahr sind weitere 1600 neue Filialen geplant sowie die Renovierung von 1000 Standorten. Das könnte wieder mehr Gäste zu McDonald's locken. Möglicherweise gelingt der Aktie dann auch der Sprung über das Doppeltop aus 2012 und 2013 beim Allzeithoch um 103 Dollar.

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Der Getränkekonzern leidet derzeit unter der Konjunkturschwäche in den Schuldenstaaten. Firmenchef Muhtar Kent gibt mit Kostensenkungen Gegensteuer. Trotz der Schwäche im vergangenen Jahr steigt die Dividende. Die Aktie besitzt Konjunkturerholungsphantasie. Möglicherweise bringt auch der neue Finanzvorstand frischen Wind in die Segel.

 
 
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