Seit Beginn des Jahres ging es an den Aktienmärkten weltweit überwiegend bergauf. Grund dafür war vor allem die gute Wirtschaftsentwicklung. Jüngste Konjunkturdaten deuten auf einen stabilen Wachstumstrend hin, viele Unternehmen in Europa und in den USA haben ihre Gewinnprognosen zuletzt nach oben korrigiert. Sorgen rund um den neuen US-Präsidenten Donald Trump und den britischen Brexit-Entscheid hatten zuletzt nur kurzfristige negative Effekte an den Börsen. Im Gegenteil: Die Wahl Trumps zum Präsidenten beflügelte die Börsen letztlich noch und sorgt seit November für eine Rally. 

Jedoch ist fraglich, ob es so weitergeht. Einen Vorgeschmack auf mögliche Probleme gab es vergangene Woche, als der Dow Jones den grössten Wochenverlust seit der Wahl Trumps verbuchte. Aus Sicht von Analysten gibt es einige Risiken, die im Jahresverlauf immer wieder für Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen könnten. Das zeigte sich in dieser Woche, als die Börsen einen leichten Rücksetzer machten. Anleger sollten also nicht zu optimistisch sein, die Risiken im Auge behalten und ihr Portfolio absichern.

Die Risiken

Risiko 1: Wahlen in Europa
Für den ersten Dämpfer des Anleger-Optimismus sorgt die politische Situation in Europa. Anleger sind nervös – zurecht: Immer noch fehlt es an klaren Antworten auf die politischen Herausforderungen. Niemand weiss so recht, was mit eventuell veränderten Mächten in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und womöglich auch Italien auf Europa und die Währungsunion zukommen. Zwar fiel das Ergebnis der für Europa richtungsweisenden Wahlen in den Niederlanden vergangenen Mittwoch positiv für die Europäische Union aus. Rechtspopulist Geert Wilders konnte sich nicht durchsetzen, der rechtsliberale Mark Rutte bleibt Ministerpräsident der Niederlande.

Doch die Rechtspopulisten wollen in Europa in diesem Jahr punkten. Im April und Mai stehen die Präsidentschaftswahlen in Frankreich an. Marine Le Pen hat erst zuletzt wieder bekräftigt, dass sie den Ausstieg ihres Landes aus der Europäischen Union anstreben will, sollte sie zur Präsidentin Frankreichs gewählt werden. Laut Didier Saint-Georges, Analyst bei Carmignac, sei die Wahl von Donald Trump für die US-Wirtschaft zwar günstig – zumindest im Moment noch. «Dieses Phänomen lässt sich aber nicht auf andere europäische Länder übertragen», sagt er. 

Risiko 2: Donald Trump
Der seit Januar amtierende US-Präsident löst bei Beobachtern nach wie vor Ratlosigkeit aus. Laut Saint-Georges verkörpert er «das Undurchsichtige.» Deshalb stelle er «ein moderates Risiko» dar.  Zwar werden Trump immer wieder Steine in den Weg gelegt. Zuletzt stoppte ein Bundesrichter den zweiten Versuch eines Einreiseverbots für Flüchtlinge und Menschen aus sechs islamischen Ländern.

Doch Trump lässt sich davon nicht beirren und hält an seinen politischen Plänen fest. Anleger haben Trump in den vergangenen Monaten viele Vorschusslorbeeren gegeben – schliesslich hat er Massnahmen angekündigt, um die US-Wirtschaft anzukurbeln. Bislang produziert die Regierung Trump aber überwiegend Chaos. Analysten halten den US-Präsidenten für unberechenbar, nun ermittelt auch das FBI wegen den möglichen Beziehungen zu Russland. Das alles könnte die Märkte künftig negativ beeinflussen.

Risiko 3: Inflation
Im Jahr 2016 ging noch das Deflationsgespenst um. Nun schlägt die Sorge der Anleger ins Gegenteil um: Die Inflation steigt. In der Schweiz lag die Teuerungsrate mit knapp 0,7 Prozent im Februar noch auf relativ niedrigem Niveau. Zum Vergleich: Im Nachbarland Deutschland liegt die Inflationsrate derzeit bei rund 1,9 Prozent. Trotzdem sollten eidgenössische Investoren die Entwicklung im Auge behalten. Ökonomen rechnen in diesem Jahr mit einer höheren Inflationsrate als in den Jahren zuvor.

Politische Risiken lassen Preise, Aktien- und Devisenkurse und ganze Märkte temporär immer wieder schwanken. Es sei jedoch die steigende Inflation, die Anleger wirklich innehalten lasse, sagt Paul Brain, Analyst bei Newton Investment Management: Denn die Zinsen verharren nun schon seit langem auf historisch niedrigem Niveau. Wer sein Geld zu niedrigen Zinsen angelegt hat, erleidet bei anziehender Inflation reale Verluste.

Wie Anleger sich rüsten können

Anleger sollten die bestehenden Risiken kennen – und sich für ein Ende des Bullenmarktes wappnen. Grundsätzlich ist es wichtig, schnell auf kurzfristige Veränderungen und politische Ereignisse reagieren zu können. Als Inflationsschutz eignen sich etwa inflationsindexierte Anleihen oder Immobilieninvestments.

Zudem sollten Investoren in diesem Jahr noch mehr auf ein breit gestreutes Portfolio achten, und in unterschiedliche Anlageklassen in verschiedenen Ländern investieren. Das relativiert mögliche Kursrückschläge in einzelnen Märkten. Beim Aktienkauf sollten Anleger verstärkt zu sogenannten Qualitätsaktien greifen, rät Daniel Roberts, Fondsmanager bei Fidelity. Das sind vor allem Titel besonders grosser Unternehmen mit stabilem Geschäftsmodell. «Sie können einen gewissen Schutz in unruhigen Zeiten bieten», sagt Roberts. Ein Beispiel für eine Schweizer Qualitätsaktie ist der Valor des Konsumgüterkonzerns Nestlé. Er gilt als einigermassen krisensicher. Gegessen und getrunken wird schliesslich immer, unabhängig von Wahlergebnissen, Inflation und Donald Trump.

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