Der herkömmliche Detailhandel wird zum Auslaufmodell, Onlinehandel boomt. Derzeit beträgt der Anteil des Onlinehandels am Gesamtumsatz von Waren in den USA 8 Prozent. Im laufenden Jahr wird der E-Commerce-Umsatz nach Prognosen des Researchhauses Forrester um 13 Prozent auf 262 Milliarden Dollar steigen. Nach Einschätzung der Marktforschungsfirma wird ab 2017 jeder zehnte Dollar online ausgegeben werden.

Die USA sind beim E-Commerce zwar führend, doch Europa holt auf. Nach einem Umsatz in der Höhe von 112 Milliarden Euro im 2012 werden für 2017 bis zu 191 Milliarden Euro Umsatz im Onlinehandel vorausgesagt. Das entspricht einer Steigerungsrate von jährlich 11 Prozent. Zum Vergleich: In den USA beträgt das prognostizierte jährliche Wachstum 9 Prozent.

Onlinehandel – gute Perspektiven 2014

Auf globaler Ebene kam es zuletzt allerdings zu einer Wachstumsverlangsamung. 2013 nahm die Steigerungsrate um 170 Basispunkte von 18,8 auf 17,1 Prozent ab. Die Experten von Goldman Sachs führen den Rückgang auf mehrere Faktoren zurück: Verkürzte Ferienzeit in den USA sowie höhere Lohnsteuern, schwaches Wachstum in Europa und die Währungsabwertungen gegenüber dem Greenback.

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Verbesserte Konjunkturaussichten stimmen Goldman-Sachs-Analysten jetzt allerdings für 2014 wieder positiv. Die Experten des Finanzhauses rechnen in diesem Jahr weltweit mit einer Wachstumsbeschleunigung im Onlinehandel auf 17,9 Prozent. Insbesondere das veränderte Nutzerverhalten, das von klassischen Computern zu mobilen Endgeräten führt, eröffnet in Sachen E-Commerce zusätzliche Chancen.

eBay setzt auf neue Dienste

Unzertrennlich mit dem Thema E-Commerce verbunden, sind die beiden Internetpioniere Amazon und eBay. Das Duo bietet Verkaufserlebnisse wie kaum andere Unternehmen. Amazon beispielsweise erfüllt nicht nur per Mausklick nahezu jeden Konsumwunsch, das Unternehmen bündelt mit seinem Tablet «Kindle Fire» auch Dienstleistungen wie E-Books, Filme und Musik und schafft so ein personalisiertes Gerät. Auch neue Aktivitäten des weltweit grössten Online-Händlers wie Cloud Computing wachsen stark. Allerdings verschlingt die Expansionsstrategie viel Geld. Im laufenden Quartal könnten Verluste anfallen.

Beim Online-Handelshaus eBay steht derzeit nicht nur das operative Wachstum im Fokus – Umsatz und Gewinn legten im Schlussviertel 2013 um mehr als 13 Prozent zu –, der für sein aggressives Auftreten bekannte Grossinvestor Carl Icahn rüttelt den Konzern derzeit kräftig durch. Icahn fordert, dass der erfolgreiche Bezahlservice PayPal auf eigene Füsse gestellt werden soll. Zwei getrennte Führungsteams könnten sich seiner Ansicht nach so stärker auf ihre jeweiligen Kerngeschäfte konzentrieren. Zudem wäre es für PayPal dann auch möglich, Geschäfte mit Konkurrenten einzugehen.

Umbauarbeiten bei Groupon

Dass der Erfolg aber nicht von selbst kommt, zeigt das Beispiel Groupon. Das Online-Schnäppchenportal, das floppte, versucht derzeit, sich zum klassischen Internethändler zu transformieren. Allerdings wird der Umbau zum Internet-Marktplatz «Pull» teurer als erwartet werden. Wegen höherer Kosten prognostiziert Groupon für das bis Ende März laufende Quartal überraschend einen Verlust von 2 bis 4 Cent je Aktie. Analysten hatten bislang mit einem Gewinn von 6 Cent gerechnet.

Schwarze Zahlen fehlen beim noch jungen Unternehmen Zalando zwar auch noch, doch in puncto Bekanntheitsgrad und Wachstum befindet sich der Mode-Händler auf der Überholspur. Im vergangenen Jahr steigerte Zalando, dessen Werbesolgan «Schrei vor Glück» massgeblich zum Erfolg beigetragen hat, den Umsatz europaweit um 52 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.

Über Kinnevik am Zalando-Boom profitieren

Zwar ist Zalando selbst noch nicht an der Börse, doch können Anleger über die Beteiligungsfirma Kinnevik am Erfolg teilhaben. Die Schweden sind mit 36 Prozent die grössten Anteilseigner des Start-ups.

Kinnevik verfügt über viele weitere interessante Internet-Beteiligungen in den Emerging Markets wie zum Beispiel über den russischen Zalando-Klon Lamoda und über den führenden Online-Shoppingkanal in Nigeria, Jumia.

Onlinehandel – die Favoriten der Börsianer

Amazon (ISIN: US0231351067)

Eine Gewinnwarnung schickte die Aktie zuletzt in den Keller. Der Analystenkonsens ist aber positiv gestimmt. 2014 wird eine Gewinnverdreifachung erwartet.

eBay (ISIN: US2786421030)

Interessante Spekulation: Grossinvestor Carl Icahn will den Firmenwert des Online-Auktionshauses mit der Abspaltung von Paypal steigern. Die Aktie ist aus dem Seitwärtstrend nach oben ausgebrochen, die Unterstützung um 57 Dollar muss halten.

Groupon (ISIN: US3994731079)

Die Enttäuschung über einen erneuten Rückschlag des Online-Schnäppchenportals ist gross: Die Aktie liegt seit Jahresbeginn um 30 Prozent im Minus. Teuer und spekulativ.

Kinnevik (ISIN: SE0000164626)

Die schwedische Kinnevik verfügt über aussichtsreiche E-Commere-Beteiligungen. Die Aktie befindet sich auf der «Conviction Buy List» von Goldman Sachs und zählt damit zu den Favoriten der Goldman-Analysten.