Die Schwellenländer stellen viele Investoren noch immer vor ein Dilemma. Trotz grosser Chancen sind ihnen offenbar die Risiken zu hoch. Aber Emerging-Market-Anleihen und -Aktien scheinen immer attraktiver bewertet. Dies gilt insbesondere für Länder, die jetzt eine vorausschauendere Geld- und Fiskalpolitik betreiben. So bieten brasilianische und indonesische Lokalwährungsanleihen sehr ansprechende Realrenditen.

Auch die Währungen der Entwicklungsländer scheinen günstig bewertet – wenn man bedenkt, dass die Dollar-Hausse unter Umständen endet. Zurzeit könnte der mexikanische Peso um bis zu 25 Prozent unterbewertet sein. Auch russische Aktien sind offenbar günstig, und viele Investoren interessieren sich noch immer für China.

Risiken kommen aus den Industrieländern

Die grössten Risiken für die Emerging Markets kommen aber nicht aus den Schwellenländern selbst, sondern aus den Industrieländern. Ob Trump oder Brexit, die Probleme sind die gleichen. Viele Emerging Markets haben strukturell zu wenig US-Dollar-Liquidität. Sie leiden unter steigenden US-Zinsen und einer Aufwertung der amerikanischen Währung – wie übrigens auch manche Industrieländer. Insbesondere bei Investments in Ländern, deren Verschuldung in ausländischer Währung stark gestiegen ist, muss man vorsichtig sein.

Das Anlegerinteresse an Emerging Markets wächst ungebremst. Viele Investoren wollen sich die attraktiven Bewertungen und bessere Fundamentaldaten zunutze machen –  befürchten jedoch, dass die Volatilität von Emerging-Market-Anlagen zu hoch ist. Entweder verzichten sie folglich ganz auf Emerging Markets oder sie senken ihren Anteil. Wer schon investiert ist, könnte aus Angst vor Volatilität und zu geringen laufenden Erträgen könnte sein Engagement untergewichten oder in volatilen Marktphasen verkaufen. Eine assetklassenübergreifende Emerging-Market-Strategie mit der Aussicht, vom Wachstum der Schwellenländer zu profitieren und zugleich die Verlustrisiken zu begrenzen, setzt genau hier an.

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Assetklassenübergreifende Emerging-Market-Strategie begrenzt die Verlustrisiken

Schwellenländer – eine Anlageklasse im Wandel – deren vielfältige Möglichkeiten Investoren mit einem übergreifenden Ansatz nutzen können. Wer sich bewusst zwischen verschiedenen Unternehmen, Ländern und Themen entscheiden kann, nutzt so Wachstumschancen in unterschiedlichen Teilen des Emerging-Market-Universums. Wenn man dann noch Wert auf Risikomanagement legt, kann man den Gesamtertrag im Zeitablauf maximieren.

In Zeiten grosser Marktturbulenzen sind Allokationsentscheidungen zwischen Aktien und Anleihen aufgrund der hohen Korrelation zwischen den beiden Assetklassen besonders schwierig. Um stetigen Mehrwert zu erzielen, empfiehlt sich zudem die Zusammenstellung des Portfolios mittels Einzelwertauswahl anstelle eines Top-Down-Ansatzes, der vor allem die Aktien- und die Anleihenquote im Blick hat.

* Richard Carlyle ist Investment Director bei Capital Group