Bell: +30 Prozent in einem Jahr, Emmi: +40 Prozent in zwölf Monaten und die Aktie von Hochdorf bringt es seit Mitte Februar 2016 auf ein Kursplus von 90 Prozent. Die langfristige Performance der drei Titel ist sogar noch um einiges besser.  Haben sich die Kurse von Bell und Emmi in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt und verdreifacht, so notiert Hochdorf sogar viermal so hoch, wie im Februar 2012.

Zum Vergleich: Der SPI bringt in den letzten zwölf Monaten nur ein kleines Plus von 13 Prozent und liegt auch bei der Fünfjahres-Performance mit +67 Prozent um Lichtjahre hinter den Nahrungsaktien zurück. Mit ihrer Kursentwicklung in den letzten Jahren zählen Schweizer Nahrungsmittelfirmen auch zu den Top-Performern auf dem Kurszettel. Anleger fragen sich: Ist da noch mehr drin?

Bell – vom Fleischspezialisten zum internationalen Multianbieter

Zuerst einmal: Die Kurssteigerungen sind fundamental unterlegt, Bell, Emmi und Hochdorf konnten in den letzten Jahren enorm wachsen. Nach längerem Seitwärtslauf ging es bei der Aktie von Bell allerdings erst 2015 so richtig nach oben. Die Übernahme des Anbieters von Fertiggerichten Hilcona vor zwei Jahren brachte in 2015 ein Umsatzplus von 8,4 Prozent.

Im vergangenen Jahr gab es dann bei erstmaliger Vollkonsolidierung der neuen Tochter über zwölf Monate sowie wegen des Kauf des Geflügelspezialisten Hubers einen weiteren Anstieg der Erlöse um 20,3 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken.

Durch Zukäufe hat sich Bell so in den letzten Jahren vom auf Schweiz fokussierten Fleischverarbeiter zu einem Anbieter von Fleisch- und Fertigprodukten in Europa entwickelt. Integrationsfortschritte der neuen Töchter und die Erschliessung von Synergien verspricht weiteres Wachstum. Mit einem geschätzten KGV in 2017 kaum über 15 ist die Aktie nach dem Kurseinbruch von gestern infolge von Gewinnmitnahmen nicht zu teuer.

Emmi – auf Einkaufstour

Wie Bell kam auch Emmi erst Mitte 2015 so richtig in Fahrt, der Kurs hat sich in den letzten 20 Monaten verdoppelt. Und wie der Fleischkonzern drückt auch der Spezialist für Milch- und Molkereiprodukte vor allem durch Zukäufe im Ausland auf das Tempo. 2015 und 2016 beispielsweise gab es fünf Übernahmen in Kanada, USA, Chile und in den Niederlanden. Im vergangenen Jahr verbuchte Emmi insgesamt zwar nur ein Umsatzplus von 1,4 Prozent auf 3,3 Milliarden Franken, doch im Bereich «Amerikas» gab es einen Anstieg der Erlöse um 8,5 Prozent.

Das internationale Wachstum wird in 2017 fortgesetzt. Gleich im Januar war Emmi in Italien und den USA auf Einkaufstour. Allerdings: Mit einem KGV von deutlich über 20 ist Emmi nicht ganz günstig und könnte anfällig für Korrekturen sein. Nur mittelfristig orientierte Anleger steigen ein.

Hochdorf – die Margen steigen deutlich an… 

Anders dagegen Hochdorf. Da gibt es nicht nur mittel-, sondern auch kurzfristig Phantasie. Der Spezialist für Babynahrung und höherwertige Milchderivate steigert seinen Umsatz seit 2012 um 59,2 Prozent auf 550,9 Millionen Franken. Die operative Marge vor Zinsen und Steuern explodierte dabei von rund 1,0 Prozent auf etwa 4,0 bis 4,2 Prozent im vergangenen Jahr. Hochdorf profitiert bei Umsatz und Gewinn von der Sortimentserweiterung um Produkte der nächsten Verarbeitungsstufen und der Integration von Unternehmen, die Firmeneigene Produkte am Markt verkaufen. 

Bis 2020 soll die Marge noch deutlich zulegen und das KGV dürfte so in den nächsten Jahren von geschätzt rund 20 in Richtung 10er-Gewinnbewertung sinken. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war die Ende 2016 erfolgte Mehrheitsbeteiligung an der Pharmalys Laboratories. Pharmalys vermarktet Hochdorf-Babynahrung bereits seit 2008 und ist in mehr als 40 Ländern im Nahen Osten, Afrika und Asien aktiv.

… und Anleger spekulieren auf ein Ende der Russland-Sanktionen

Im vergangenen Jahr wurde Hochdorf zwar vom tiefen Milchpreis ausgebremst. Dieser ist nicht nur in Europa, sondern weltweit im Keller. Das liegt nicht nur am Wegfall von Milchquoten in der EU in 2015 und der generell gestiegenen Produktion, sondern unter anderem auch am russischen Einfuhrverbot für europäische Agrarprodukte infolge der Ukraine-Sanktionen. Anleger setzen deshalb nicht nur auf weitere mittelfristige Steigerungen, sondern auch auf einen Schub im Falle eines möglichen Aus der Russland-Sanktionen.

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