Mit der Börse Moskau hatten Anleger in den letzten Monaten wenig Glück. Nach einem schönen Kursspurt des RTS-Index zwischen Jahresanfang und Mai um rund 30 Prozent war der Index mit seinen 50 Mitgliedern in den darauf folgenden vier Monaten bis September in einem Rückwärtsgang, und die Kursgewinne vom Jahresbeginn waren wieder weg. Der Kursverfall ist allerdings auch eine Folge des schwachen Rubels, denn der hat gegenüber dem US-Dollar seit Mai rund 30 Prozent an Wert verloren, und der RTS wird in Dollar berechnet. Bis Mai hingegen war der Rubel noch kräftig gestiegen.

Der Grund für den Rubelaufschwung war neben dem Preisanstieg bei Rohöl um rund 30 Prozent zwischen Januar und Mai auch die starke Anhebung der Leitzinsen in Russland Ende 2014 von 10,5 auf 17 Prozent. Die russische Notenbankchefin Elvira Nabiullina konnte dadurch den damals wegen der Ukraine-Sanktionen und des Ölpreisverfalls 2014 befürchteten Crash des Finanzsystems abwenden. Die Bankerin wurde für diese erfolgreiche Rettung des Systems Mitte September vom britischen Finanzmagazin «Euromoney» zur Notenbankerin des Jahres 2015 gewählt.

Russland – die Talsohle ist durchschritten

Das ist ein persönlicher Erfolg für die Zentralbankchefin, und auch die Perspektiven im Land scheinen sich langsam aufzuhellen. Zwar fiel das russische Bruttoinlandprodukt im zweiten Quartal um 4,6 Prozent, und auch im dritten Quartal gab es mit einem Minus von 4,3 Prozent noch keinen Aufschwung, doch geht es nach Wirtschaftsminister Alexej Wedew, dann hat das Land die Talsohle durchschritten. Nach Angaben des Politikers gab es im September im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits ein leichtes Wachstum, und der Minister hält im vierten Quartal sogar ein leichtes Plus gegenüber dem Zeitraum vom Juli bis September für möglich.

Zwar macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, aber es ist immerhin eine Schwalbe: Nach einer erwarteten Schrumpfung von 3,9 Prozent in diesem Jahr rechnet die Zentralbank für 2016 nur noch mit einem Minus von 1,0 Prozent. Positive Entwicklung der konjunkturellen Stabilisierung und jetzt sogar Phantasie – möglicherweise wird das Land schon bald aus der Krise kommen.

Ende der Russlandsanktionen – die Chancen steigen, …

In diesen Tagen trifft der deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel den russischen Staatschef Wladimir Putin in Moskau. Die Gespräche drehen sich um Energie- und Wirtschaftspolitik und möglicherweise auch um ein Ende der Sanktionen gegen das Land. Immerhin ist Deutschland wohl der Hauptverlierer auf westlicher Seite. Wegen der Handelsbeschränkungen verbuchte der Nachbar im ersten Halbjahr einen Einbruch bei den Exporten nach Russland von 31 Prozent. Nachdem der deutsche Export in das Riesenreich im Osten schon im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen war, könnte sich das Exportminus in diesem Jahr noch einmal auf etwa zehn Milliarden Euro belaufen. 

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Möglicherweise ist da an der Sanktionsfront wirklich etwas im Busch, denn erst vor wenigen Wochen äusserte sich der Präsident der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, im Sinn, dass ein besseres Verhältnis zu Russland wünschenswert wäre, und der ehemalige französische Staatschef Nicolas Sarkozy ist derzeit in Moskau, um mit Putin über die Syrien-Problematik zu reden. Da bei vielen EU-Politikern die herrschende Meinung ist, das aktuelle Flüchtlingsproblem könne nur über eine Besserung in den Herkunftsstaaten der Menschen gelöst werden, könnte es sein, dass nun tatsächlich ein besseres Verhältnis zu Russland auf der Agenda stehen wird.

… die Börse wird wahrscheinlich profitieren

Ein plötzliches und überraschendes Aus der Sanktionen könnte die Börse Moskau und den Rubel natürlich massiv beflügeln. In diesem Fall würden Anleger gleich doppelt profitieren. Es könnte sich deshalb auszahlen, russische Aktien im Depot zu haben. Möglicherweise werden unter den Einzelwerten die spottbillig mit 5er-KGVs und tiefer bewerteten Energiekonzerne wie Gazprom (ISIN: US3682872078), Lukoil (ISIN US69343P1057) oder Rosneft (ISIN US67812M2070) profitieren. Bei diesen Werten besteht sogar zum Teil zusätzliche Phantasie aus einem wieder anziehenden Ölpreis.

Obwohl einige Titel aus dem Finanzsektor wie Sberbank (ISIN US80585Y3080) oder VTP Bank (ISIN US46630Q2021) in den letzten Wochen schon deutlich zulegen konnten, besitzen die russischen Geldhäuser bei einem möglichen Ende der Sanktionen des Westens mit einem dann wahrscheinlich auch wieder besseren Zugang der russischen Banken zum internationalen Kapitalmarkt noch deutliches Potenzial. Wer breiter streuen will, setzt auf ein Zertifikat auf den RTX (ISIN CH0016144203, Laufzeit endlos, nicht währungsgesichert).