SMI: -3,5 Prozent in einer Woche. Dax: -5,3 Prozent in einer Woche. Und gegenüber den Hochs vom Februar verliert der deutsche Leitindex sogar 7,4 Prozent. Kein Zweifel – der deutsche Aktienmarkt zählt zu den Verlierern der Krim-Krise.

Die Entwicklung ist kein Wunder. Deutschland setzt bei der Energieversorgung nicht nur auf Gas aus Russland – auch viele deutsche Unternehmen sind stark auf das ehemalige Sowjetreich fokussiert. Kleines Beispiel: Während die USA im vergangenen Jahr Güter im Wert von 11,2 Milliarden Dollar nach Russland exportierten, führte allein das deutsche Bundesland Bayern Waren für 5,8 Milliarden Dollar in das Land im Osten aus. Dabei sind die USA bezüglich Bevölkerung und Wirtschaftsleistung rund 30 mal so gross wie der Freistaat.

Adidas, der Dax-Verlierer

Nun zeigt sich eine Reihe von Dax-Mitgliedern vom Krim-Konflikt betroffen. Besonders hart hat es den Sportartikelhersteller und Lifestylekonzern Adidas erwischt. Das Unternehmen aus Herzogenaurach zählt Russland zu seinen wichtigsten Wachstumsmärkten. Gab es dort schon 2013 Probleme, etwa mit der Logistik, so sorgen heute mögliche politische Sanktionen gegen Russland für Unsicherheit. Der Kurs von Adidas fiel in den letzten vier Wochen um 12 Prozent. Die Aktie ist damit das Schlusslicht im Dax.

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Aber auch von anderen Mitgliedern im deutschen Leitindex kommen schlechte Nachrichten. So rechnet die Deutsche Bank mit einem schwachen Jahresauftakt im Investmentgeschäft. Das lastet auf der Stimmung der Anleger – das Frankfurter Geldhaus zählt mit einem Kursverlust von 9,5 Prozent in einer Woche zu den schwächsten Dax-Titeln und wird bei der schlechten Performance lediglich vom Kali- und Magnesiumproduzenten K+S übertroffen. Der Hersteller von Düngemittel und Salz verbuchte im vergangenen Jahr wegen deutlich gesunkener Kalipreise einen kräftigen Gewinneinbruch und rechnet auch in diesem Jahr mit einem fallenden Ergebnis. Die Dividendenkürzung von 1,40 auf 0,25 Euro ist kein gutes Zeichen – die K+S-Aktie verlor in einer Woche 12,3 Prozent.

ThyssenKrupp, VW und Conti – reihenweise Kursverluste

Schwach zeigte sich in den letzten Tagen auch der Stahlkonzern ThyssenKrupp. Das Unternehmen aus Essen leidet nicht nur unter fallenden Stahlpreisen, sondern auch unter der aktuellen Sorge um die Konjunktur in China. Der Kurs des Reifenherstellers Continental hingegen ist trotz guter Geschäfte und positiver Analystenmeinung unter Druck. So will der Konzern aus Hannover in diesem Jahr insbesondere in den Wachstumsmärkten China, Rumänien und Nordamerika rund 7000 neue Mitarbeiter einstellen. Und dann gab es in den letzten Tagen zwei Hochstufungen der Kursziele durch Analysten. Dennoch verlor der Titel in wenigen Tagen rund 10 Prozent an Wert und zählt damit ebenfalls zu den schwächsten Dax-Mitgliedern. Deutliche Kursverluste auch bei VW. Der Auto- und Nutzfahrzeugkonzern präsentiert einen schwachen Ausblick, die Aktie verlor seit Mitte Februar mehr als 10 Prozent.

Immerhin: Der Dax hat auch Positives zu vermelden. So berichtet der Chipkonzern Infineon über gute Geschäfte mit der Autoindustrie und über volle Kapazitätsauslastung. Die Aktie ist mit einem Plus von 3,8 Prozent auf Monatssicht der Top-Performer im deutschen Leitindex, nach HeidelbergCement mit einem Kursplus von 5,1 Prozent in vier Wochen. Der Baustoffkonzern profitiert vom Bauboom in Deutschland. Für dieses Jahr rechnet die Bundesvereinigung Bauwirtschaft immerhin mit einem Umsatzplus von 2,8 Prozent und mit der Fertigstellung von 225'000 neuen Wohnungen.

Lufthansa – die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung beflügelt

Seit einigen Tagen ist jedoch die Deutsche Lufthansa der Überflieger im Dax. Die Fluglinie ist der einzige Wert im Index mit einer positiven Wochenperformance. Auslöser für den Höhenflug auf ein Sechsjahreshoch ist der Anstieg im operativen Gewinn und die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung. Für 2013 soll es 0,45 Euro je Aktie geben – ein klares Zeichen von Stärke nach der Nullrunde im Jahr zuvor.

Kurzes Fazit: Die abgestürzte Adidas ist spekulativ interessant, falls es an der Krim Entspannung gibt. Lufthansa dürfte in einem besseren Börsenumfeld ebenfalls weiter zulegen. Der Dax hingegen notiert an der wichtigen Unterstützungszone und psychologischen Marke von 9000 Punkten. Diese Marke sollte halten. Ansonsten wäre mit weiteren Kursverlusten zu rechnen. Da ist also Vorsicht angesagt, denn charttechnisch ist der Index angeschlagen: Die 38- und 100-Tage-Linie wurden schon nach unten durchbrochen, die 200-Tage-Linie verläuft bei rund 8800 Punkten und ist damit nicht mehr weit entfernt.