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«Es ist sinnvoll, an Chinas Börsen zu investieren»

Mann in Hong Kong: Chinesische Aktien sind neu im Schwellenländer-Index MSCI enthalten. Keystone

Investitionen an Chinas Börsen werden auch für normale Anleger zur Option. Aktienexperte Jacques Stauffer rät zum Kauf. Im Interview legt er Anlegern aber ein behutsames Vorgehen nahe.

Von Marc Bürgi
am 23.06.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Jacques E. Stauffer*: Die Risikosituation an den Märkten hat sich seit Anfang Jahr nicht wesentlich verändert. Wir beurteilen die Chancen an den Finanzmärkten weiterhin als verhalten optimistisch und unsere Risikoindikatoren signalisieren robuste Märkte. Ein massiver Rückschlag ist deshalb eher unwahrscheinlich. Allerdings beobachten wir grössere Umwälzungen innerhalb der Indizes. Zurückgebliebene Branchen haben in den vergangenen Monaten aufgeholt, und andere Sektoren wie Energie oder Banken erfahren immer wieder Schwächeanfälle, erholen sich aber schnell und setzten ihre Avancen fort. 

Es gilt was wir bereits in den beiden letzten Interviews erwähnt haben: Finanzdienstleister, Technologie- und Rohstoffunternehmen sowie Versorgungsgesellschaften, aber auch Clean-Energy-Titel haben sich unseren Erwartungen gemäss ausgezeichnet entwickelt. Diese Outperformance dürfte anhalten, obwohl wir auch von den breiten Sachwertindizes leichte Avancen erwarten.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Schweizer Börse hat sich in den vergangenen Monaten ausserordentlich positiv entwickelt. Das trifft vor allem auch auf die Small und Mid Caps zu. Wir sehen weiteres kurzfristiges Potential, da es an Alternativen fehlt. Die Erwartungen für das zweite Halbjahr dürften aber erfüllt sein, wenn die aktuellen Stände gehalten werden können. 

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
In den kommenden Monaten ist die Titelauswahl für eine ansprechende Performance entscheidend. Der breite Markt und der SMI Index werden sich an Höchststände heranwagen, die Kraft vorerst jedoch nicht haben, sie zu übertreffen. In Phasen starker Rotationen müssen die zurückgebliebenen Titel die Kraft besitzen, die Haupttreiber der Vergangenheit ablösen. Dies braucht eine gewisse Zeit. Im ersten Halbjahr 2018 werden wir im SMI jedoch neue Rekordmarken erreichen.

Die Actelion-Nachfolgefirma Idorsia ist sehr erfolgreich im Schweizer Börsenhandel gestartet. Wie gefällt Ihnen dieser Börsenneuling?
Idorsia ist ein einzigartiges Zukunftsprojekt, das vorerst einiges an Zeit und Geld benötigen wird. Wir sind überzeugt, dass Idorsia und ihre Forschungstätigkeit ausserordentliche Chancen bergen. Allerdings müssen Anleger über die entsprechende Geduld verfügen. Wer an das bewährte und erfolgreiche Team von Idorsia glaubt, kann in dieses investieren. Wir empfehlen, mit einem Investment noch abzuwarten, bis erste Hinweise da sind, wohin die Reise gehen wird und ob sich erste Erfolge abzeichnen.

China ist in den MSCI-Index für Schwellenländer aufgenommen worden. Ergibt es Sinn für Schweizer Anleger, an den chinesischen Börsen zu investieren?
Ja, das ist sehr sinnvoll. Allerdings würden wir in den Emerging Market Index investieren und damit eine sinnvolle und vorsichtige Diversifikation erreichen. China hat in diesem Index ein Gewicht von rund 30 Prozent. Für die Schwellenmärkte sprechen die sich gut entwickelnde Weltkonjunktur, die nach wie vor ansehnlichen Wachstumsraten und die verhältnismässig tiefe Bewertung. MSCI signalisiert mit der Aufnahme der chinesischen A-Aktien, dass diese Länder auch in Bezug auf Transparenz, Standards und Liquidität Fortschritte machen. Dies wird die Emerging Markets für einen immer breiter werdenden Investorenkreis interessant machen.

Der sinkende Ölpreis macht Anleger nervös. Rechnen Sie trotz dieses Warnsignals mit einem weiteren Wachstum der Weltwirtschaft?
Ein tiefer Ölpreis kann auch ein Katalysator für einen Wachstumsschub sein. Ein Risiko für die Weltwirtschaft wäre dann gegeben, wenn die Ölbranche aufgrund weiter sinkender Ölpreise hohe Kreditausfälle erzeugen würde und Firmenkonkurse die Folge wären. Dies ist aus heutiger Sicht aber eher unwahrscheinlich. Zurzeit besteht ein Angebotsüberhang wegen neuen Förderern. Die Nachfrage ist robust, absorbiert das wachsende Angebot aber nicht. Deshalb kann von den tiefen Ölpreisen nicht auf eine kränkelnde Weltwirtschaft geschlossen werden.

Welcher Titel ist aktuell Ihr Liebling unter den SMI-Konzernen?
Dank der Konjunkturerholung und ansteigendem Handelsvolumen sehe ich sehr gute Chancen für SGS. Die Prüfgesellschaft Surveillance erhält vermehrt auch Aufträge aus aufstrebenden Staaten und hat in den letzten Jahren eine geschickte Akquisitionspolitik verfolgt. Diese sollte in den kommenden Jahren Erfolge aufweisen. Die Bewertung der Titel ist ferner moderat, unter Berücksichtigung der Marktstellung, der Kundennähe und des Vertrauensgeschäfts von SGS als Prüfgesellschaft. 

* Jacques E. Stauffer ist Gründungspartner und CEO beim Vermögensverwalter Parsumo Capital AG. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung und in der Beratung institutioneller und privater Anleger, unter anderem bei der Credit Suisse.

 

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