Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der traditionellen Finanzanalyse bringt zusätzliche Erkenntnisse über die Managementqualität und über das zukünftige Wertschöpfungspotenzial von Unternehmen.

Bei herkömmlichen Anlagekonzepten, bei denen man sich auf die konventionelle Finanzanalyse verlässt, werden oft wichtige, finanziell relevante Aspekte aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – kurz ESG, für Environment Social Governance – vernachlässigt. Auf Investorenseite mangelt es noch am Verständnis.

Nachhaltige Investitionen – keine Renditeeinbussen oder höheren Kosten

Zusammen mit dem Marktforschungsinstitut gfs-zürich hat RobecoSAM im Sommer 2014 eine Studie durchgeführt, die vor allem Pensionskassen, als starke institutionelle und hoffentlich langfristig denkende Investoren, interessieren wird. Die Studie ergründet, welches die Erwartungen der Schweizer Pensionskassen-Versicherten an ihre Pensionskassen bezüglich nachhaltiger Anlagestrategien sind. Die repräsentative Umfrage unter Schweizer Pensionskassen-Versicherten zeigt, dass eine deutliche Mehrheit, nämlich 72 Prozent, fordern, dass Schweizer Pensionskassen in Zukunft bei allen ihren Investitionen finanziell relevante ESG-Aspekte berücksichtigen. Diese Ansicht teilen die Befragten über alle Einkommensklassen hinweg.

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Obwohl es längst ESG-integrierende Anlagelösungen gibt, die sich ähnlich wie Standard-Benchmarks entwickeln, herrscht noch immer das Vorurteil, dass nachhaltige Investitionen mit einer Renditeeinbusse einhergehen. Auch der Vorwurf, dass ESG-integrierende Investments mit höheren Kosten verbunden sind, lässt sich widerlegen. Entscheidet sich ein Anleger für eine aktive Form des Portfolio-Managements, hat er mit ähnlich hohen Kosten zu rechnen, ob er sich für oder gegen die Integration von ESG-Faktoren entscheidet. Zudem stehen den Anlegern mittlerweile auch kostengünstige ETFs zur Verfügung.

Nachhaltigkeit – deutliche Zuwächse werden erwartet

Eine Studie des Forums für nachhaltige Anlagen (FNG) prognostiziert für die nächsten drei Jahre einen Anstieg der nach Nachhaltigkeitskriterien verwalteten Vermögen von 50 Prozent. Gemäss FNG-Marktbericht 2014 werden es vor allem die institutionellen Anleger sein, die dieses Wachstum antreiben werden.

In Ländern wie Frankreich, Schweden, Österreich und Australien ist es für Pensionskassen bereits zur Pflicht geworden, ESG-Aspekte in den Anlageentscheid zu integrieren. In der Schweiz könnte ein ähnliches Szenario Einzug halten. Somit hätten es die Pensionskassen und weitere grosse institutionelle Anleger bereits heute in der Hand, die Weichen zu mehr Sustainability Investing zu stellen. Und zwar jetzt, bevor die Legislative von sich aus aktiv wird.

Michael Baldinger, CEO, RobecoSAM, Zürich