Exchange Traded Products, kurz ETPs, sind derzeit eine grosse Wachstumsstory. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres verzeichneten diese Anlagevehikel weltweit Mittelzuflüsse in der Höhe von knapp 110 Milliarden Dollar. Damit dehnten sich die Assets under Management (AuM) um mehr als 8 Prozent auf 2,86 Billionen US-Dollar aus. Während das Segment global betrachtet damit noch ein kleines Stück von der Drei-Billionen-Dollar-Schallmauer trennt, hat der ETP-Markt in Europa Ende April erstmals ein Volumen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar erreicht. Im bisherigen Jahresverlauf ist die Wachstumsrate in dieser Region prozentual zweistellig ausgefallen. Noch eindrucksvoller sind die von Deutsche Bank Markets Research publizierten Zahlen in der langfristigen Betrachtung. Europaweit haben sich die ETP-Volumina seit Ende 2005 verzehnfacht.

Zu mehr als neun Zehnteln besteht der Markt für börsengehandelte Produkte aus Exchange Traded Funds (ETFs). Der Rest geht auf Exchange Traded Commodities, kurz ETCs, zurück. Zentrales Unterscheidungsmerkmal der beiden Kategorien ist ihre rechtliche Natur. ETFs sind passive Indexfonds, die dem Kollektivanlagengesetz (KAG) unterliegen. Im Fall einer Schieflage des Emittenten ist das Kapital damit geschützt. Hingegen handelt es sich beim ETC prinzipiell um eine Inhaberschuldverschreibung. Allerdings wird dabei versucht, das für den Investor bestehende Ausfallrisiko durch eine physische Besicherung des Produkts zu eliminieren.

ETCs – überwiegend in Gold investiert

Für die klare Hackordnung dürften weniger die Strukturen als vielmehr die zugrunde liegenden Anlageklassen verantwortlich sein. Bekanntlich herrscht am Rohstoffmarkt seit einiger Zeit Flaute. Insofern überrascht es nicht, dass die grösstenteils auf Gold-Produkte zurückgehenden ETC-Gelder deutlich abgenommen haben. Gegenüber dem Boom des Jahres 2012, als die AuM bei mehr als 50 Milliarden Euro gipfelten, ist das Segment in Europa um mehr als einen Drittel geschrumpft. Derweil legte der ETF-Bereich um nahezu drei Viertel zu. Dabei kam den Anbietern natürlich zugute, dass die Kurse sowohl am Aktien- als auch am Rentenmarkt stetig gestiegen sind.

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Gerade bei den Profis haben die passiven Instrumente mittlerweile einen festen Platz gefunden. Laut einer aktuellen Erhebung der britischen Anlagegesellschaft Source setzen mehr als zwei Drittel der institutionellen Investoren und Berater in Europa in den von ihnen verwalteten Portfolios ETPs ein. Punkten könnten die Produkte dabei insbesondere mit tiefen Kosten. Als weitere attraktive Merkmale nannten die Umfrageteilnehmer die Liquidität, den Zugang zu schwer erreichbaren Märkten sowie die Transparenz. Was die Gebühren anbelangt, heben sich die meisten ETPs in der Tat deutlich von klassischen Investmentfonds ab. Beispielsweise können sich Anleger den SMI über einen passiven Indexfonds (ISIN CH0017142719) der UBS bereits gegen eine jährliche Gesamtkostenquote (TER) von 0,20 Prozent ins Portfolio holen. Trotz des tiefen Satzes ist das Produkt nicht der grösste, auf dem heimischen Leitbarometer basierende ETF. Mit 3,2 Milliarden Franken sind die AuM eines von iShares angebotenen Pendants (ISIN CH0008899764) doppelt so hoch. Der Branchenkrösus ruft eine TER von 0,35 Prozent p.a. auf.

Preiskampf und tiefe Gebühren ...

Noch stärker kommt der seit einiger Zeit zu beobachtende Preiskampf unter den internationalen ETP-Häusern beim S&P 500 zum Ausdruck. Source packt den US-Leitindex für einen Gebührensatz von 0,05 Prozent p.a. in den ETF-Mantel (ISIN IE00B3YCGJ38). Lediglich zwei Basispunkte mehr ruft iShares auf. Die US-Gesellschaft handelt an der SIX zwei Anteilsklassen eines S&P-500-ETFs. Sowohl die ausschüttende (ISIN IE0031442068) als auch die thesaurierende (ISIN IE00B5BMR087) Variante zählt zu den umsatzstärksten Produkten des Schweizer ETP-Marktes. Von Januar bis April summierten sich die Käufe und Verkäufe an der SIX auf mehr als 2,6 Milliarden Franken.

Apropos Schweizer Börse: Wenig überraschend spielt die Passivierungswelle dem Handelsplatz voll in die Hände. Knapp 15 Jahre nachdem die SIX im September 2000 den ersten ETF kotierte, zählt sie mehr als 1000 passive Indexfonds. Monat für Monat werden in diesem Segment derzeit rund zehn Milliarden Franken gehandelt. Von Januar bis April 2015 lagen die Volumina damit in etwa auf dem Niveau der Handelsumsätze von inländischen Franken-Obligationen.

... und die jährliche ETP-Konferenz

Bereits seit 2008 trägt die Börse dem Boom mit einem speziellen «Exchange Traded Product Day» Rechnung. Rein äusserlich hat der Anlass gegenüber seiner Premiere im Zürcher Nobelhotel Dolder Grand zwar an Glanz eingebüsst, bei der neuesten Auflage brauchten die Besucher ihr Kommen dennoch nicht zu bereuen. Im Konferenzzentrum der SIX gab sich am gestrigen Donnerstag das Who's who der internationalen ETP-Branche ein Stelldichein. Dabei diskutierten die Protagonisten des Sektors nebst über aktuelle Trends und regulatorische Entwicklungen sicher auch darüber, wie das nächste Kapitel dieser Wachstumsstory aussehen könnte.