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ETF-Preiskampf: HSBC geht in die Offensive

HSBC: Die Bank senkt die Gebühren für ETFs.   Keystone

Die britische Grossbank HSBC senkt die Preise für mehrere ETFs und attackiert damit die führenden Häuser in Europa. Ein Alleinstellungsmerkmal sind tiefe Gebühren allerdings schon lange nicht mehr.

Von Wolfgang Hagl
am 23.03.2016

Der Exchange Traded Fund, kurz ETF, zählt in der Finanzindustrie zu den grossen Wachstumsfeldern. Seit Jahren nimmt sowohl die Zahl der passiven Indexfonds als auch das über diese Vehikel verwaltete Kapital massiv zu. Laut Zahlen von Deutsche Bank Markets Research türmten sich per Ende 2015 weltweit Assets under Management (AuM) von knapp 2,9 Billionen US-Dollar auf. In den vergangenen zehn Jahren verbuchte der Sektor damit ein durchschnittliches Wachstum von 19 Prozent. Die ETF-Menge nahm in diesem Zeitraum im Mittel sogar um gut einen Fünftel zu. Mittlerweile stehen rund um den Globus mehr als 4400 Exemplare zur Verfügung.

ETFs – deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds

Nebst der einfachen Bauweise – passive Fonds replizieren ihre Benchmark möglichst genau und ohne Zutun eines aktiven Managers – sind die Kosten der zentrale Erfolgsfaktor. Im Schnitt beträgt die Total Expense Ratio (TER) für einen einfachen Aktien-ETF in Europa 0,40 Prozent p.a. Derweil ruft das Gros der aktiv verwalteten Investmentfonds 1,50 Prozent und mehr auf – ganz zu schweigen von den mitunter üppigen Ausgabeaufschlägen. Eine regelrechte Preisschlacht führte in den vergangenen Jahren dazu, dass namhafte Börsengradmesser wie Euro Stoxx 50 oder S&P 500 im passiven Mantel mitunter bereits für weniger als 10 Basispunkte zugänglich geworden sind.

Diesbezüglich lässt eine aktuelle Medienmitteilung von HSBC aufhorchen. Die britische Grossbank hat die Gebühren für eine Reihe von ETFs um bis zu 80 Prozent gesenkt. Offenbar bläst das gemessen an den AuM europaweit auf Rang 12 liegende Institut damit zum Angriff auf die Top 10. «ETFs spielen im Rahmen unseres Produktangebots eine wichtige Rolle», begründet Rudolf Apenbrink, CEO Europe bei HSBC Global Asset Management, die jüngste Offensive. Mit einem echten Kampfpreis buhlen die Briten bei ihrem Euro-Stoxx-50-Fonds (ISIN: IE00B4K6B022) ab sofort um das Kapital der Anleger. Die Gesamtkostenquote wurde um zwei Drittel auf 0,05 Prozent p.a. gesenkt. Damit zieht HSBC mit Source, dem bisher günstigsten Anbieter dieser wichtigen Benchmark, gleich.

Das Epizentrum im ETF-Preiskampf ...

Source spielte beim ETF-Preiskampf in Europa von Anfang an eine aktive Rolle. Im Juni 2014 schraubte die in London ansässige Emittentin die TER für ihren auf den S&P 500 abzielenden ETF (ISIN IE00BYML9W36) um drei Viertel auf 0,05 Prozent p.a. herab. Ein Schritt, der sich bezahlt gemacht hat: Aktuell verwaltet der ETF annähernd 2,3 Milliarden Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie zum Zeitpunkt der Preisoffensive. Zum Vergleich: Der gesamte europäische ETF-Markt verzeichnete in diesem Zeitraum ein Wachstum von rund einem Drittel. Zum Schwergewicht reicht es für den Source-ETF dennoch nicht. Der grösste, an der SIX handelbare S&P 500 Indexfonds (ISIN: IE00B5BMR087) kommt von iShares und zählt aktuell AuM von mehr als 13 Milliarden Dollar. Mit einer TER von 0,07 Prozent liegt der globale Branchenkrösus gleichauf mit einem von Vanguard gehandelten Pendant (ISIN IE00B3XXRP09). Auffällig: Ein bereits 2002 aufgelegter S&P-500-ETF (ISIN: IE0031442068) von iShares verwaltet 8,8 Milliarden US-Dollar, wobei die TER vergleichsweise üppige 0,40 Prozent beträgt.

Das Beispiel macht deutlich, dass tiefe Gebühren allein nicht reichen, um mit Kapital überhäuft zu werden. Vor allem grosse Investoren brauchen bei den AuM eine gewisse Grundmasse, um einen ETF überhaupt kaufen zu können. Denn grundsätzlich gilt: Je grösser der Fonds, desto besser seine Handelsqualität. Ein Blick an die SIX unterstreicht diese These. Aus sämtlichen Produkten auf den S&P 500 ragen die beiden Dickschiffe mit durchschnittlichen Geld-Brief-Spannen von jeweils nur 0,05 Prozent heraus. Die Sogwirkung der etablierten ETF-Giganten, insbesondere auf die Gelder der institutionellen Kundschaft, kommt also nicht von ungefähr.

... und auch die Gebühren der kotierten ETFs gehen zurück

Während bei den Gebühren der bis hierhin erwähnten Indizes der Boden wohl erreicht ist, haben die kotierten SMI-ETFs durchaus Luft nach unten. Das günstigste Produkt (ISIN CH0017142719) führt hier die UBS. Im Rahmen einer gross angelegten Gebührensenkung setzte die Grossbank die TER für diesen Fonds im September 2013 um 15 Basispunkte auf 0,20 Prozent herab. Zwar sind die AuM des ETFs ausgehend vom damaligen Niveau um mehr als die Hälfte auf aktuell 1,4 Milliarden Franken gestiegen, damit bewegte sich der Fonds jedoch im Rahmen des europäischen Marktes. Ob es bei den SMI-Produkten zu weiteren Preissenkungen kommen wird, ist fraglich. Neben UBS bieten nur noch iShares und db X-Trackers eine passive Positionierung in den 20 grössten Blue Chips der Schweiz an – sonderlich hoch ist der Konkurrenzdruck hier also nicht.

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