Drei Buchstaben, eine Erfolgsgeschichte. Wohl kaum ein anderes Kürzel hat die Finanzindustrie in den vergangenen Jahren derart elektrisiert wie «ETF». ETF steht für Exchange Traded Fund, zu Deutsch: Börsengehandelter Indexfonds. Im September 2000 startete die Schweizer Börse ein eigenes Handelssegment für diese Produkte. Knapp 15 Jahre später wurde der tausendste ETF kotiert. Nicht nur hinsichtlich der Fondsvielfalt ist das Wachstum enorm stark, auch das Handelsvolumen hat sich rasant ausgedehnt. Im vergangenen Jahr erreichte das ETF-Segment einen Umsatz von 90,8 Milliarden Franken. Damit nahm das Geschäft allein innert der letzten fünf Jahre um mehr als drei Viertel zu.

Derweil haben sich die Assets under Management (AuM) in den ETFs im selben Zeitraum annähernd verdoppelt. Laut Zahlen von Swiss Fund Data brachte es der heimische ETF-Markt Ende Januar auf ein Volumen von knapp 65 Milliarden Franken. Christian König, Betreiber des Branchenblogs finanzprodukt.ch, führt den Erfolg auf die Schwächen aktiv verwalteter Fonds zurück. «Sie sind zu teuer und schlagen nur selten den Index», erklärt er. Trotz der inzwischen langen Historie sind ETFs immer noch eine Domäne institutioneller Investoren. «Privatanleger haben die Vorzüge bisher leider nur zum Teil entdeckt», meint der Marktbeobachter. Hier seien die USA wesentlich weiter.

Physische und synthetische Abbildung

Diesseits wie jenseits des Atlantiks nutzen Anleger passive Produkte vor allem für Aktien-Investments. In Europa entfallen 70 Prozent des verwalteten Vermögens auf diese Anlageklasse. Gerade in diesem Investmentfeld lassen sich die Vorzüge anschaulich vor Augen führen. Eine Order reicht, um sich ganze Märkte und Regionen diversifiziert und effektiv ins Portfolio zu holen. ETFs bilden ihren Referenzindex möglichst genau ab. Dabei nutzen die Emittenten zwei verschiedene Methoden. Bei der physischen Replikation kauft der Fonds sämtliche Bestandteile oder eine repräsentative Auswahl der Benchmark. Beim Gegenmodell, bei der synthetischen Abbildung, wird auf Swaps zurückgegriffen. Hier hält der Anbieter ebenfalls einen Wertpapierkorb. Allerdings muss dieser nichts mit dem zugrunde liegenden Börsenbarometer zu tun haben. Vielmehr tauscht die Fondsgesellschaft die Erträge aus ihrem Korb mit einer Drittpartei gegen die Indexperformance. Nicht zuletzt wegen des dabei bestehenden Kontrahentenrisikos dominiert in Europa zusehends die physische Replikation. Ihr Anteil an den AuM beträgt mittlerweile nahezu drei Viertel.

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Harter Preiskampf

Unabhängig von ihrer Bauweise können ETFs gegenüber aktiv verwalteten Fonds mit tiefen Gebühren punkten. In den vergangenen Jahren erlebte der Sektor einen heftigen Preiskampf. Mit der Folge, dass eine passive Positionierung in heimischen Blue Chips mittlerweile gegen einen Obolus von 20 Basispunkten pro Jahr zu haben ist. Im Rahmen einer Preisoffensive senkte beispielsweise die UBS den Gebührensatz für einen SMI-Fonds (ISIN CH0017142719) auf diesen Betrag. Zwar nahmen die AuM seit diesem Schritt um 86 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken zu, doch für eine Wachablösung reichte es dennoch nicht. Mit 3,4 Milliarden Franken bleibt ein Produkt (ISIN CH0008899764) von iShares der grösste, auf den Leitindex abzielende passive Fonds. 2013 hatte Branckenkrösus BlackRock die ETF-Sparte der Credit Suisse und damit auch deren 1999 aufgelegtes Flaggschiff übernommen. Wie beim UBS-Pendant ist auch hier die physische Replikation am Werk. Gemeinsam ist den beiden Fonds zudem die regelmässige Ausschüttung anfallender Dividenden. Der grössenmässigen Dominanz von iShares kann auch eine höhere Gesamtkostenquote (0,35 Prozent p.a.) keinen Abbruch tun.

Starke Auswüchse treibt der Konkurrenzkampf auch beim S&P 500. Insgesamt sind an der SIX 17 verschiedene ETF-Varianten auf den US-Leitindex kotiert. Ihre Verwaltungsgebühr liegt bei durchschnittlich weniger als 20 Basispunkten jährlich. UBS (ISIN IE00B4JY5R22) und Source (ISIN IE00B3YCGJ38) sind am günstigsten. Beide Häuser bilden den S&P 500 gegen eine Aufwandsentschädigung von fünf Basispunkten p.a. ab. Dabei greifen sie auf die synthetische Replikation zurück und reinvestieren allfällige Dividenden in das Fondsvermögen.

Konsolidierung wird erwartet

Christian König rechnet damit, dass die Gebühren weiter fallen werden. Dafür spricht seiner Ansicht nach allein schon der zunehmende Konkurrenzkampf. Schon jetzt sind 18 Anbieter an der SIX mit eigenen Produkten vertreten. «Dazu dürften sich noch weitere US-Häuser gesellen», meint der Blogger. Über kurz oder lang führt laut König jedoch kein Weg an einer Konsolidierung vorbei: «Schon jetzt zeigen viele ETFs nur sehr kleine AuM, was für die Emittentin kaum wirtschaftlich sein kann.»

Kritisch sieht er auch die Tendenz zu komplexeren Produkten. Unter dem Label Smart Beta verwenden die Banken immer häufiger modifizierte Indizes, denen spezielle Regeln zu Grunde liegen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der in den passiven Mantel verpackten aktiven Strategien zu. «Anleger sollten sich ein genaues Bild machen, ehe sie zu einem bestimmten ETF greifen», rät der Experte. Gleichwohl scheinen auch Smart-Beta-Fonds eine elektrisierende Wirkung zu haben. Die Ratingagentur Morningstar hat errechnet, dass Ende 2014 allein in Europa 73 Milliarden Euro in den entsprechenden Produkten investiert waren. Damit verzeichnete das Segment auf Jahressicht ein Wachstum von knapp 40 Prozent.