Vordergründig gibt die Inflation in den USA bis jetzt zu keinen Bedenken Anlass. Die von der amerikanischen Notenbank bevorzugte Inflationsmessgrösse, der sogenannte «Personal Consumption Expenditure»-Kernindex, sank 2013 von 1,6 Prozent auf 1,2 Prozent. Auch die Inflationserwartungen für die nächsten fünf Jahre, abgeleitet von den inflationsgeschützten Anleihen, sind tiefer als 2013. Sie haben aber seit Beginn dieses Jahres wieder etwas zugelegt. Es gibt noch weitere Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass die Inflation in den USA anziehen dürfte. 

Einer davon sind die steigenden Mieten. Der Leerbestand von Wohnraum liegt bei 8,2 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit zwölf Jahren und impliziert auf historischer Basis einen Stand des Mietpreisindex von 4 Prozent. Da dieser aktuell bei 2,5 Prozent liegt, kann bis zum Jahresende ein Anstieg um 1,5 Prozentpunkte erwartet werden. Ein anderer Anhaltspunkt kommt aus dem Arbeitsmarkt. Der sogenannte «jobs hard to fill index», der aussagt, wie schwierig es ist, Arbeitsstellen zu besetzen, deutet mit einem Wert von 22 darauf hin, dass die Löhne von gegenwärtig 1,9 Prozent bis zum Jahresende auf 3 Prozent ansteigen dürften.

Die US-Inflation könnte die Ziele überschreiten

Basierend auf diesen Tatsachen ist es durchaus vorstellbar, dass die Inflation in den nächsten zwölf Monaten das US-Notenbankziel von 2 Prozent überschreiten wird. Wir gehen davon aus, dass die amerikanische Notenbank dieses Jahr noch auf eine Zinserhöhung verzichtet. Nächstes Jahr wird sie aber wahrscheinlich die Leitzinsen früher und stärker erhöhen müssen, als dies bis jetzt geplant ist.

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Ganz anders präsentiert sich die Situation in Europa. Die Kerninflation und die Inflationserwartungen, abgeleitet von den inflationsgeschützten Anleihen, sind in den letzten zwölf Monaten stark rückläufig. Die EZB wird um jeden Preis vermeiden wollen, dass Europa in eine deflationäre Spirale gerät.

EZB – weitere Lockerung der Geldpolitik

Die von uns erwartete, zusätzliche Lockerung der Geldpolitik dürfte sich aber vorerst massvoll gestalten. Das darum, weil der europäische Gerichtshof (EuGH) das Urteil über allfällige Käufe von Obligationen notleidender europäischer Staaten durch die EZB erst im Juni fällen wird. Solange der EuGH das Urteil nicht gesprochen hat, dürfte sich die EZB auf weniger weitreichende Massnahmen beschränken. Schliesslich erwarten wir jedoch, dass die EZB noch dieses Jahr gröberes Geschütz auffahren wird.

Die Bank of Japan (BoJ) hat sich einem Inflationsziel von 2 Prozent, unter Ausklammerung der Erhöhung der Verkaufssteuern vom April dieses Jahres, verschrieben. Die Kerninflation ist zwar gestiegen, liegt aber immer noch bei tiefen 0,7 Prozent. Auch die Inflationserwartungen haben zugelegt, bleiben aber nach Abzug der Verkaufssteuererhöhung unter dem Ziel der BoJ.

Mehr Anleihenkäufe in Japan

Die BoJ wird Ende April ihre neuesten Makroprognosen abgeben. Sie dürfte zum Urteil kommen, dass das Inflationsziel mit der gegenwärtigen Geldpolitik nicht zu erreichen ist. Wir erwarten daher, dass sie in der zweiten Jahreshälfte ihre Wertschriftenkäufe massiv erhöhen wird.

Anlagepolitisch bedeuten unsere Überlegungen, dass das monetäre Umfeld für Risikoanlagen mit relativen Vorteilen für Europa und Japan gut bleibt. Der US-Dollar dürfte gegenüber dem Euro und dem Yen aufwerten. Eine lange Duration in US-Dollar-Obligationen sollte gemieden werden.

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