Orientierungslosigkeit – mit diesem Wort lässt sich die aktuelle Situation im europäischen Bankensektor sehr treffend beschreiben. Orientierungslosigkeit besteht zum einen bei den Kursen. Schon seit mehreren Wochen pendelt der Stoxx-Europe-600-Banks-Index lustlos in einem engen Korridor um die 200-Punkte-Marke.

Als Orientierungslosigkeit könnte man zum anderen aber auch die Geschäftsentwicklung in der Branche bezeichnen. Und zwar in dem Sinn, dass kein klarer Gewinntrend erkennbar ist. Dieses Bild liefert die Berichtssaison zum ersten Quartal. Während einige europäische Grossbanken durchaus überzeugen oder sogar positiv überraschen konnten, waren die Ergebnisse anderer Geldhäuser ziemlich ernüchternd. Gut und schlecht hält sich also die Waage. Die Schweizer Institute bilden da keine Ausnahme.

UBS – Prognose übertroffen

Zu den positiven Überraschungen gehört zweifellos die UBS – und zwar gleich dreifach. Denn mit einem Gewinn von 1,1 Milliarden Franken zum Jahresauftakt schnitt das Institut nicht nur besser ab als im Vorquartal und Vorjahresquartal mit einem Gewinn von 917 Millionen und 988 Millionen Franken, sondern es übertraf auch die Prognosen. Analysten hatten nämlich im Schnitt mit einem Reingewinn von 855 Millionen Franken gerechnet.

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Das Geschäft sei in allen Regionen und allen Sparten profitabel gewesen, teilte die Bank mit. In der Investmentbank, in der die UBS gemäss ihrer Ende 2011 gefassten Strategie unprofitable und risikoreiche Sparten aussortiert, stieg der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorquartal um knapp die Hälfte auf 425 Millionen Franken.

Hausaufgaben gemacht

Dass die UBS wieder so gut dasteht, dürfte auch der raschen und konsequenten, wenngleich nicht billigen Beilegung von Rechtsstreitigkeiten geschuldet sein. Allerdings sind einige Fälle, darunter mögliche unzulässige Absprachen bei der Festlegung von Wechselkursen, noch offen.

Konzernchef Sergio Ermotti trat daher an der Generalversammlung auf die Euphoriebremse: «Wir sind gut aufgestellt, wir tun das Richtige, doch die Altlasten sind noch nicht durchgestanden – sie werden die Branche und uns noch Zeit und Aufwand kosten.»

UniCredit gelingt Comeback

Zur Gruppe der europäischen Banken, die ebenfalls über einen Gewinnanstieg berichten konnten, zählen auch BNP Paribas und Santander. So hat der französische Marktführer den Nettoüberschuss dank eines Sondereffekts um 5 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro gesteigert – das sind 200 Millionen Euro mehr, als von den Analysten erwartet worden ist. Bei Spaniens grösster Bank wiederum stieg der Gewinn um 8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Für eine positive Überraschung sorgte auch die italienische UniCredit. Dank geringerer Kosten und einer deutlich gesunkenen Risikovorsorge legte der Gewinn um 59 Prozent auf 712 Millionen Euro zu. Zur Erinnerung: Noch ein Quartal zuvor verbuchte das krisengeschüttelte Institut aus Mailand abschreibungsbedingt einen Rekordverlust von 15 Milliarden Euro.

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Bonjour Tristesse

Zu den Instituten, die enttäuschend in das neue Jahr gestartet sind, gehören Société Générale und Deutsche Bank. Bei den Parisern brach der Nettogewinn um 13 Prozent auf 315 Millionen Euro ein, bei den Frankfurtern sogar um 35 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Schuld daran hatte in beiden Fällen unter anderem ein rückläufiges Handelsgeschäft im Fixed-Income-Bereich.

Genau darunter litt auch das Ergebnis bei der Credit Suisse. Der Gewinn der zweitgrössten heimischen Bank sackte aufgrund der Flaute im Investmentbanking im ersten Quartal 2014 um einen Drittel auf 859 Millionen Franken ab. Immerhin: Im Geschäft mit vermögenden Privatkunden (Private Banking & Wealth Management) verdiente die Bank deutlich mehr. Dort sammelte sie 13,7 Milliarden Franken an neuem Geld ein, der höchste Wert seit drei Jahren. Wo viel Schatten ist, muss es eben auch etwas Licht geben.

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Europäische Banken – worauf Anleger setzen

In einer aktuellen Studie der Deutschen Bank bewertet Analyst Matt Spick das Institut mit «Buy». Die UBS-Aktie sei im Branchenvergleich günstig bewertet. Er geht davon aus, dass das Ergebnis je Aktie von 1.07 Franken auf 1.29 Franken in diesem Jahr und 1.63 Franken im 2015 steigen wird.

Für die Aktie der französischen Grossbank sprechen mehrere Gründe: Ein starkes Filialgeschäft, eine vergleichsweise attraktive Bewertung (2014er-KGV: 11,0), ein gutes Wachstumspotenzial sowie eine hohe Dividendenfähigkeit (Dividendenrendite: 2,8 Prozent).

Der europäische Bankensektor ist aussichtsreich. Diese Meinung vertritt Mark Hargraves, Fondsmanager bei AXA. Die Kombination aus rückläufigen Systemrisiken, gestärkten Kapitaldecken und höheren Dividenden spreche für die Anlage in Bankaktien, so Hargraves. Mit dem ETT der UBS lässt sich die gesamte Branche mit einer einzigen Transaktion kostengünstig ins Depot holen. 

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