Die EZB hat die Markterwartungen übertroffen und dürfte Liquidität im Umfang von über 1000 Milliarden Euro in die Märkte pumpen. Das Geld, das den Banken zu 0,25 Prozent für Kredite an den Nichtbankensektor zur Verfügung gestellt wird, die sogenannten «targeted longer term refinancing operations» (TLTRO), dürften monetäre und realwirtschaftliche Wirkungen entfalten. Die total sechs Tranchen TLTROs und das zusätzliche LTRO («longer term refinancing operations») ohne Zweckbestimmung können durchaus einen Umfang von über 1000 Milliarden Euro annehmen. Von dieser zusätzlichen Liquidität werden die Finanzmärkte direkt und indirekt profitieren. Zudem können die Anleger weiterhin auf ein breit angelegtes QE hoffen.

Die Bank of Japan hält an ihrem Inflationsziel von 2 Prozent fest und pumpt jeden Monat vornehmlich durch den Kauf von Staatsanleihen Yen im Gegenwert von rund 50 Milliarden Dollar in den Markt. Wir gehen davon aus, dass das nicht reichen wird, um das Inflationsziel zu erreichen und erwarten im Herbst dieses Jahres eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Ein Ende der Hilfestellung der BoJ für die Finanzmärkte ist momentan nicht absehbar.

Die Förderung des Wachstums steht an erster Stelle

Die amerikanische Notenbank ordnet der Förderung des Wirtschaftswachstums alles andere unter. Obwohl die amerikanische Notenbank den Betrag ihrer Wertschriftenkäufe laufend reduziert, darf nicht vergessen werden, dass sie bis zum Abschluss ihres QE bis Ende dieses Jahres über 400 Milliarden Dollar Liquidität in den Markt gepumpt haben wird. Auf Mitte 2015 wird dann eine erste Leitzinserhöhung erwartet. Die Notenbankpräsidentin J. Yellen wird aber nicht müde zu betonen, dass die Wirtschaft noch beträchtliche Zeit mit der Unterstützung der Notenbank rechnen kann. Damit signalisiert die amerikanische Notenbank, dass sie der Förderung des Wirtschaftswachstums alles andere unterordnet. Positive Impulse für die Finanzmärkte sind die Folge.

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Die Hilfestellung für die Finanzmärkte ist nicht zum Nulltarif zu haben. Die Finanzmärkte leben auf Kosten der Zukunft. Diese Rechnung wird irgendwann zu begleichen sein. So finanziert zum Beispiel die BoJ die gesamte Neuverschuldung von Japan und betreibt damit eine gefährliche Staatsfinanzierung. Durch die Nullzinspolitik verliert der Zins seine natürliche Leit- und Signalfunktion. Die Folge davon sind Fehlallokationen der Kapitalströme.

Nullzinspolitik führt zu Finanzblasen

Diese führen unweigerlich zu Finanzblasen, die früher oder später platzen. Zudem erlaubt die Nullzinspolitik Privaten, Unternehmungen und Staaten, ihre wirtschaftliche Lage zu beschönigen. Nicht überlebensfähige Strukturen werden so am Leben erhalten und notwendige Reformen aufgeschoben. Die überaus expansive Geldpolitik der Notenbanken der Industriestaaten bedeutet leider, dass wir seit geraumer Zeit auf Kosten der Zukunft leben. Wer diese Rechnung wann und in welcher Form begleichen wird, bleibt vorerst offen.

Vorläufig ist jedoch davon auszugehen, dass die Finanzmärkte von der Politik der Notenbanken der Industrieländer weiterhin profitieren werden. So erwarten wir für Aktien ein anhaltend gutes Umfeld.  

Bruno Gisler ist Chefökonom der Aquila Vermögensverwaltung