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Ausblick
Experte: Der Bitcoin-Hype erinnert an die Dotcom-Blase

Experte vergleicht Hype um Bitcoin mit Dotcom-Blase
Bitcoin: Für Transaktionen geeignet.  Pixabay

Bei Cyberwährungen ist Invest-Profi Edi Aumiller vorsichtig. Einen Vorteil sieht er dennoch in Bitcoin. Zudem erklärt der Experte, warum der SMI gegenüber europäischen Börsenbarometer im Nachteil ist.

Von Julia Fritsche
21.07.2017, Aktualisiert am 23.07.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Edi Aumiller*: Vor allem die steigenden Wachstumsaussichten und steigende Anleiherenditen. In Europa erwarten wir eine Wende am Anleihemarkt. Gleichzeitig steigen die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum weiter an. Auch das Vertrauen der Unternehmen hat sich erhöht, was Investitionsentscheidungen beflügelt und sich positiv auf Unternehmensgewinne auswirkt. Auch die gestiegenen Anleiherenditen nach der Ankündigung der EZB, ihre Anleihekäufe zu reduzieren, wirkt sich allgemein positiv auf den Bankensektor und die Wirtschaft aus. Die derzeitige Situation auf den Aktienmärkten erinnert an das Goldilock-Prinzip: eine Kombination aus moderatem Wirtschaftswachstum und niedrigen aber langsam steigenden Zinsen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
In den Sommermonaten sind die Aktienmärkte erfahrungsgemäss volatil. Momentan beobachten wir aber sich verbessernde Unternehmensgewinne in einem Umfeld, das von niedrigen Zinsen geprägt ist, was darauf hindeutet, dass die Volatilität niedrig bleibt. Dies könnte sich dann ändern, wenn es zu einem externen Schock, wie zum Beispiel einen Kollaps der Ölpreise, kommen sollte.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
In den nächsten 12 Monaten sollte der SMI vermutlich angestiegen sein. Unsere Portfoliomanager gehen von einem Anstieg Ende 2017/Anfang 2018 aus. Wenn sich die europäische Wirtschaft weiterhin gut entwickelt, könnte der SMI aber im Vergleich zu den europäischen Aktienmärkten zurückbleiben, da er mehr Pharma-und Lebensmittelwerte enthält.

Bei Swissquote und der Falcon Private Bank können Kunden jetzt auch in Bitcoin anlegen. Endlich oder Finger weg?
Bitcoin scheint uns wie Tulpenzwiebeln in 1636 oder Dotcom-Aktien in 2001. Wenn man sich vor Augen hält, dass jetzt bereits 200 Kryptowährungen existieren, ist es zweifelhaft, ob alle überleben können. Bitcoin ist jedoch ein gutes Mittel um Transaktionen durchzuführen: Geld in Bitcoin tauschen, transferieren, und die Gegenseite tauscht sofort wieder in eine anerkannte Währung. So ist man weniger den extremen Schwankungen ausgesetzt, die immer wieder auftreten.

Landis+Gyr geht am Freitag an die Börse. Was spricht für oder gegen einen Kauf?
Wir können hier keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf abgeben, aber als einer der weltweit führenden Smart-Meter-Hersteller sollte Landis+Gyr von dem Megatrend der intelligenten Stromzähler und kundeneigener Stromgenerierung durch Solaranlagen profitieren. In der Software ist Landis+Gyr gut aufgestellt, im Vergleich zum Wettbewerb entfällt ein hoher Anteil der Forschungs- und Entwicklungskosten auf diesen Bereich. Der amerikanische und japanische Markt sind sehr profitabel, jedoch ist man in Europa gerade mal so an der Umsatzschwelle. 

Was sollen Anleger tun, damit sie sorgenlos in die Sommerferien fahren können?
Diversifikation und ein Portfolio, das auf die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen strategisch abgestimmt ist. Wir haben in der kürzlich publizierten Legg Mason Global Investment Survey gesehen, dass die Schweizer Anleger zu viel Cash halten (36 Prozent) und mit knapp 10 Prozent in Aktien deutlich unter dem globalen Durchschnitt investiert sind – wohl weil man auf gute Gelegenheiten wartet. Investments in alternative Anlageklassen sind mit 21 Prozent gewichtet und als wichtiger Baustein bereits gut vertreten. Somit bleibt wohl das letzte Problem, bevor man sorglos in die Sommerferien kann, den Stau am Gotthard zu umgehen.

Welche Anlageklasse könnte im zweiten Halbjahr 2017 überraschend gut abschneiden?
In den USA sind Small Caps – insbesondere Value Small Caps – stark hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben. Die Gewinne dieser Unternehmen steigen im Schnitt jedoch stetig. Nach Meinung unserer Portfoliomanager sind entweder die Gewinnvorhersagen zu hoch, oder diese Anlageklasse wird überdurchschnittlich rentieren. Sollte Präsident Donald Trump auch nur einen Bruchteil seiner geplanten Reformen durchführen können, würden rein binnenwirtschaftlich orientierte Unternehmen – wie es Small Caps naturgemäss sind – ebenfalls profitieren.

*Edi Aumiller ist seit 2014 bei Legg Mason als Head of Sales Schweiz tätig. Er ist Mitglied der Swiss Financial Analyst Association (SFAA), verfügt über ein Diplom in Banking und Finance, ist eidgenössisch diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter, eidgenössisch diplomierter Finanz- und Anlageexperte, sowie Träger der Titel Certified International Wealth Manager (CIWM) und Certified International Investment Analyst (CIIA).

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