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Ausblick
Experte: Märkte vergessen Nordkorea-Unruhe bald

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Proteste in Nordkorea: Der Effekt für Anleger wird nicht nachhaltig sein.  Keystone

Trotz der Spannungen um Nordkorea ist Vermögensverwalter Philipp Grüebler zuversichtlich für die Schweizer Börse. Warum aber bei Nestlé und Novartis Vorsicht angebracht ist und welche Zykliker locken.

Von Julia Fritsche
11.08.2017, Aktualisiert am 13.08.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Philipp Grüebler*: Die letzten Tage wurden getrübt durch zunehmende geopolitische Risiken. Die schwache Führung des Präsidenten der Weltmacht USA öffnet verschiedenen regionalen Akteuren das Spielfeld, um ihren Machtbereich auszudehnen. Das dreiste Verhalten von Nordkorea ist in diesem Kontext zu sehen. Weiter kristallisiert sich das Ende der QE-Programme heraus: Neben der US-Notenbank wird auch die EZB ihre Bilanz zurückfahren. Um die Märkte nicht zu belasten, werden die Notenbanken jedoch diesen Prozess über viele Jahre hinziehen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Ich bin positiv gestimmt: Die geopolitischen Spannungen werden keinen nachhaltigen Effekt auf die Finanzmärkte haben und bald vergessen sein. Auch werden die hohen Bewertungen der Aktien und die künftige restriktivere Geldpolitik die Märkte in den nächsten Wochen noch nicht belasten. Hingegen unterstützen positive Meldungen aus der Wirtschaft eine Erholung nach den Einbussen der letzten Woche.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Die hohen Bewertungen der Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche könnten in den kommenden Monaten den SMI zurückbinden. Zudem kann die tiefere Notenbankliquidität die Finanzmärkte zusätzlich belasten, denn eine zu hastige Rückführung der Notenbankbilanzen würde den Märkten Liquidität entziehen. Ich glaube daher, dass wir in den nächsten Monaten mit höherer Volatilität rechnen müssen, der SMI aber in einem Jahr immer noch um 9000 Punkten notieren wird. Eine grössere Korrektur erwarte ich aufgrund soliden Gewinnwachstums nicht.

Landis+Gyr, Idorsia und Co.: Wer ist Ihr Liebling unter den Neulingen an der Schweizer Börse?
Da ich Schweizer Industriewerten hohes Kurspotenzial wegen der guten Konjunktur und des schwächeren Frankens zuschreibe, ist Landis+Gyr, führend in Stromnetz-Technologie, mein Favorit. Das Unternehmen dürfte zudem vom hohen Investitionsbedarf der europäischen Stromversorger profitieren. Das etwas hohe Kursgewinnverhältnis von Landis+Gyr birgt allerdings ein Enttäuschungspotenzial, sollten sich die hohen Erwartungen nicht materialisieren.

Zuletzt galt die ganze Aufmerksamkeit dem Euro-Franken-Kurs. Wie lässt sich mit Währungsschwankungen am besten Geld verdienen?
Schweizer Small- und Mid-Caps, die in der Schweiz produzieren und in die EU exportieren, profitieren am meisten vom günstigen Franken. Um unternehmensspezifische Risiken zu minimieren, investieren wir mittels eines ETF auf den SMI Midcap Index (SMIM).

Im September passt die SIX den SMI an – Titel werden auf maximal 18 Prozent der Gewichtung zurückgebunden. Müssen Investoren auf die Neuerung reagieren?
Diese Massnahme könnte die Kursentwicklung von Nestlé und Novartis, deren Gewicht im SMI über 18 Prozent liegt, beeinträchtigen. Die SIX hat jedoch die Änderung der Index-Regeln schon vor Monaten publiziert, sodass diese Information längst im Kurs enthalten sein dürfte. Ich glaube nicht, dass man sich deswegen sorgen müsste.

Welche Anlageklasse könnte im zweiten Halbjahr 2017 überraschend gut abschneiden?
Zyklische Aktien aus Europa und Japan werden sich gut entwickeln. Ihre Bewertung ist im Vergleich zu den USA niedrig und ihre Gewinne profitieren vom guten globalen Wirtschaftswachstum. Zu diesen Zyklikern gehören Banken- und Industriewerte.

Was ist Ihr Top-Tipp für das zweite Halbjahr 2017?
Ich setze auf Titel der erwähnten Branchen. Um günstig und diversifiziert zu investieren, empfehle ich, auf Länder-ETF zu setzen, in welchen die Sektoren Banken und Industrie übergewichtet sind: Im deutschen Aktienmarkt (DAX und MDAX) sind Industriewerte stark vertreten, mittlere Schweizer Unternehmen (SMIM) und europäische Bluechips (Euro Stoxx 50) haben ein Übergewicht in Finanz- und Industriewerten.

*Philipp Grüebler ist Portfolio Manager und Geschäftsführer der Grüebler Vermögensverwaltung AG. Bevor er im Jahr 2000 zur Grüebler Vermögensverwaltung AG stiess, arbeitete er bei UBS und Credit Suisse. 1995 schloss er das Betriebswirtschaftsstudium mit dem Lizenziat ab und 2000 den Chartered Finanicial Analyst (CFA).

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