Senkung des Leitzinses von 0,25 auf 0,15 Prozent, Strafzinsen für Banken, die bei der Notenbank Geld horten und es nicht an Unternehmen ausleihen und ein Kreditprogramm in der Höhe von bis zu 400 Milliarden Euro – die Europäische Zentralbank EZB hat am Donnerstag wie erwartet den Geldhahn weiter aufgedreht.

Die Massnahmen der EZB waren zwar mehr oder weniger von Börsianern erwartet worden – dennoch machte sich wohl im ersten Moment Erleichterung breit. Infolge der Geldpolitik der Notenbank sprang der Deutsche Leitindex DAX zum ersten Mal in seiner Geschichte über die psychologische Marke von 10'000 Punkten. Am Ende des Tages schrumpfte das Plus von 1,0 auf nur noch 0,2 Prozent zusammen.

Börsen der Euro-Schuldenstaaten machen Freudensprünge

Der SMI wurde ebenfalls vom neuen Geldstrom beflügelt und kletterte kurzfristig zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder über 8700 Punkte. Danach aber drehte der Markt ins Minus und schloss gar bei einem Verlust von 0,2 Prozent.

Nachhaltigere Freudensprünge verzeichneten die Börsen der Euro-Schuldenstaaten. Der italienische MIB 40 verbuchte ein Tagesplus von 1,5 Prozent, der PSI 20 in Portugal kletterte um 1,0 Prozent, der spanische IBEX 35 legte um 1,1 Prozent zu, die Börse Athen mit dem ASE schaffte sogar einen Sprung um 2,5 Prozent.

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Nach dem Zinsschritt – Franken und Gold legen zu

Mehr Geld bedeutet für die Euro-Krisenstaaten nicht nur weiterhin eine gute Versorgung mit Liquidität und Zugang zu billigen Krediten, sondern auch eine geringere Gefahr der Zahlungsunfähigkeit. Dennoch verfehlte EZB-Chef Mario Draghi zumindest noch am Donnerstag mit dem Zinsschritt ein erwünschtes Ziel: Die Schwächung des Euro. Die europäische Einheitswährung knickte zwar gegenüber dem Dollar nach Bekanntgabe der Massnahmen ein, konnte dann jedoch im Handelsverlauf wieder Boden gutmachen und den Tag sogar mit einem leichten Kursgewinn von 0,4 Prozent gegenüber dem Greenback beenden.

Der Franken legte zu – gegenüber Dollar und Euro. Der von der Schweizerischen Notenbank SNB festgelegte Mindestkurs gegenüber dem Euro von 1,20 ist nun wieder zum Greifen nahe – das könnte die SNB wider Willen zum Handeln zwingen.

Und Gold? Die Zinssenkung im Euroraum zog die Notierung des Edelmetalls nach oben. Intraday gab es Gewinne von bis zu 0,8 Prozent, der Tag schloss mit einem Plus von 0,7 Prozent. Das gelbe Metall konnte dadurch aus der kurzfristigen Trading-Range nach oben ausbrechen.

Wie es weitergeht – worauf Anleger jetzt setzen sollten

Aktien

Der MIB 40, PSI 20, IBEX 35 und ASE dürften von der Lockerung der Geldpolitik durch die EZB  am meisten profitieren. Anleger setzen auf Indexzertifikate, zum Beispiel auf: IBEX 35 (CH0225227112, Laufzeit endlos) oder FTSE MIB 40 (DE0007036832, Laufzeit endlos). Der MIB 40 ist übrigens derzeit auch charttechnisch gesehen hochinteressant. Notiert der italienische Leitindex doch knapp unter der wichtigen Hürde von 22'000 Punkten. Fällt die Marke, könnte das der Börse Mailand einen besonderen Auftrieb geben. 

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Gold

Die Zinssenkung treibt möglicherweise wieder vermehrt Anleger aus dem Euro-Raum in das Edelmetall. Mit einem Call-Hebelzertifikat (ISIN: CH0214852052, Laufzeit endlos, Basispreis und Knock-out jeweils 1171,23 Dollar) setzen Börsianer auf die Überwindung des Widerstands beim Goldpreis bei 1260 und auf einen Sturm auf die Marke von 1280 Dollar je Unze. Sollte das Edelmetall jedoch unter 1240 Dollar rutschen, steigen vorsichtige Anleger wieder aus.

Dollar

Während im Währungspaar Franken/Euro wegen des von der SNB genannten Mindestkurses von 1,20 im Moment keine Phantasie steckt, dürfte der Dollar gegenüber dem Franken weiter unter Druck bleiben. Nach dem Abpraller des Kursverhältnisses USD/CHF von der 0,90-Hürde spekulieren Anleger mit einem Put-Hebelzertifikat (ISIN: CH0238741380, Laufzeit 18.6.15, Basis und Knock-out jeweils 0,92) nun darauf, dass der Greenback rasch sein Tief von Mitte März bei 0,87 wieder erreichen wird.

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