Keine Frage – das übliche sommerliche Nachrichtenloch blieb in diesem Jahr aus. Grund dafür waren von China geprägte Ereignisse nach der Griechenland-Krise und die Rohstoffpreise, die für mehr Volatilität und Unsicherheit an den Finanzmärkten sorgten. Zunächst überraschte die chinesische Zentralbank die Devisenmärkte Mitte August, als sie sich ein Stück weiter auf einen marktbasierten Wechselkurs zubewegte. So schraubte sie den Referenzkurs am 11. August um fast 2 Prozent nach oben und löste damit die stärkste Tagesabwertung der Währung seit 1994 aus. Eine dramatische Verkaufswelle bei chinesischen Aktien sorgte für ausgeprägte Bewegungen an den globalen Aktienmärkten. Was Fixed-Income-Anleger angeht, weiteten sich die Renditen von High-Yield- und Schwellenländeranleihen beträchtlich aus, derweil blieben bonitätsstarke Staatsanleihen vergleichsweise stabil.

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Die Angst vor einer Abkühlung in China hat die Ungewissheit über den voraussichtlichen Beginn einer Zinsnormalisierung seitens der US-Zentralbank weiter verstärkt. Wir sind allerdings weiterhin der Auffassung, dass die US-Zentralbank die Normalisierung in diesem Jahr einleiten wird, insbesondere nach den jüngsten veröffentlichten positiven Daten zum US-Arbeitsmarkt. Somit ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Renditekurve flacher wird, reell. Eher unwahrscheinlich erscheint hingegen der gegenläufige Fall eines stärkeren Anstiegs der US-Renditekurve durch eine Fortführung der aktuellen Geldpolitik der Fed. Dies könnte jedoch eintreten, wenn es zu einer Kombination aus fallenden Rohstoffpreisen, rückläufigem globalem Wirtschaftswachstum und Reduzierung von Devisenreserven der Schwellenländer kommt. Diese Situation könnte die US-Notenbank zum Anlass nehmen, an ihrer Niedrigzinspolitik festzuhalten.

EZB – instabile und kurzfristige Indikatoren als Entscheidungsgrundlage

Die EZB gab kürzlich bekannt, sie werde an ihrem rekordniedrigen Refinanzierungssatz von 0,05 Prozent festhalten. Insgesamt schlug Präsident Draghi einen vergleichsweise gemässigten Ton an und verwies mehrfach auf den gesunkenen Ölpreis und auf die Auswirkungen einer gesunkenen Aussennachfrage infolge des schwächeren Wachstums in den Schwellenländern. Des Weiteren bezeichnete er die Marktvolatilität seit Erstellung der internen Prognosen als ausschlaggebenden Faktor für die Geldpolitik. Dass sich die EZB auf derart instabile und kurzfristige Indikatoren versteift, hat uns überrascht.

Die internen EZB-Prognosen zum realen BIP-Wachstum und zur Inflation für den einheitlichen Währungsblock für die nächsten zweieinhalb Jahre wurden allesamt nach unten korrigiert. Während Draghi nicht ausschloss, dass es in den nächsten Monaten zu einer negativen Inflation kommen kann, betonte er ebenfalls, dass die rückläufigen Ölpreise dem privaten Konsum und den Investitionen letztlich Auftrieb verleihen dürften. In der Eurozone bekräftigen wir unseren Vorzug für portugiesische und slowenische Staatsanleihen. Am Devisenmarkt halten wir an unserer Short-Position im JPY gegenüber dem USD fest. In den Schwellenländern bleiben wir über einen Währungskorb mit ZAR, MXN, INR und IDR long, im BRL hingegen short positioniert.

Von André Bantli, Head Distribution BlackRock Schweiz