Die Aktienmärkte sehen sich derzeit einem Spannungsfeld von stimulierenden und belastenden Einflüssen ausgesetzt. Der SNB-Entscheid von Mitte Januar, das Quantitative-Easing-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB), die Krise zwischen Russland und der Ukraine sowie die jüngsten Ereignisse in Griechenland wirken sich auf die Finanzmärkte aus. Wie können sich Anleger auf die erhöhte Volatilität einstellen?

Diversifikation nach Ländern und Branchen wurde lange als Schlüssel zum Erfolg postuliert, Untersuchungen negieren dies nun. Stattdessen entscheiden bestimmte Charakteristika von Wertpapieren darüber, ob Investoren langfristig besser abschneiden als der Markt, auch beeinflussen sie Risiko und Ertrag von Wertpapieren massgeblich.

Werte-Faktoren – die Charaktereigenschaften der Aktien

Ein solcher Faktor ist Value, also die niedrige Bewertung einer Aktie. Der Grund: Die tiefe Bewertung ist eine Prämie, die ein Anleger dafür erhält, dass er mit seinem Investment ein grösseres Risiko eingeht. Ähnlich verhält es sich mit anderen Faktoren, beispielsweise bei Small Caps und Qualitätsaktien, oder mit Merkmalen wie einer niedrigen Volatilität, Momentum, usw.

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Inzwischen haben die Index-Anbieter Indizes entwickelt, die Titel nach solchen Faktoren auswählen. Aus einem Aktienindex, der nach Marktkapitalisierung gewichtet ist, filtern die Anbieter jene Titel heraus, die dem jeweiligen Faktor entsprechen. Diese werden im neuen Index nicht nach Marktkapitalisierung gewichtet, sondern nach Ausprägung der jeweiligen Charaktereigenschaft. Die schwankungsärmste oder am günstigsten bewertete Aktie bekommt also das grösste Gewicht.

Übergewichtung der Merkmale – klare Outperformance gegenüber dem breiten Markt

Wie sich das auswirkt, zeigt eine Rückrechnung des MSCI World nach traditioneller und nach alternativer Berechnungsmethode. Seit dem Jahr 2000 stieg der Mutterindex MSCI World um knapp 200 Prozent. Die Value-Variante, die zwar nur die Value-Titel aus dem Index enthält, diese aber nach Marktkapitalisierung gewichtet, kommt ebenfalls auf rund 200 Prozent Zuwachs. Die nach dem Faktor Value gewichtete Variante aber, der MSCI World Enhanced Value, legte seit 2000 um fast 400 Prozent zu.

Mit Exchange Traded Funds (ETFs) auf solche Faktor-Indizes können Anleger daher ihre Portfolio-Allokation verbessern. Dabei gibt es verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Nicht jeder Faktor entwickelt sich in jeder Phase des konjunkturellen Zyklus gleich. Momentum- oder Value-Strategien laufen in der Frühphase eines Aufschwungs in der Regel besonders gut. Investoren könnten mit ETFs, die diese Faktoren abbilden, in einer solchen Phase somit den Schwerpunkt auf diese Faktoren legen. In einem Abschwung hingegen können Aktien mit niedriger Volatilität die Verluste gegenüber dem breiten Markt reduzieren. Ein entsprechender ETF kann also dazu beitragen, das Portfolio vor zu kräftigen Kurseinbrüchen zu schützen.

Kombination der Faktoren und Diversifikation

Neue Schwerpunkte und eine bessere Diversifikation lassen sich durch die Kombination mehrerer Faktoren erreichen. Eine Kombination der Faktoren niedrige Volatilität, Value und Qualität bewirkt ein eher defensives Portfolio. Ebenso ist es möglich, durch die Kombination anderer Faktoren ein offensiv ausgerichtetes oder ein ausgeglichenes Portfolio zu schaffen. Es lohnt sich also, stärker auf Faktoren zu achten und nicht nur eine breite Streuung über Länder und Branchen in den Vordergrund der Anlagestrategie zu stellen.

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Sven Württemberger, Head iShares deutschsprachige Schweiz