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Familienunternehmen sind top – wo der Einstieg lohnt

Dassault Systèmes: Analysten rechnen mit hohem Wachstum beim Softwarekonzern.Keystone

Nachhaltige Strategie, höhere Eigenkapitalrendite, bessere Kursperformance – bei familiengeführten Unternehmen laufen die Geschäfte rund. Wo Anleger jetzt einsteigen.

Von Jürgen Büttner
am 30.12.2014

50 Prozent Kursgewinn im MSCI World seit Dezember 2004. 60 Prozent Plus im SMI in den letzten zehn Jahren und 65 Prozent Zuwachs im Dow Jones im selben Zeitraum. Der Credit Suisse Family Index hat sich in dieser Dekade allerdings schon verdoppelt. Im Index sind 40 familiendominierte Unternehmen aus Europa und aus den USA enthalten. Eine ähnliche Outperformance schaffte auch der zwischen 1990 und 2004 vom Unternehmensberater Ernst & Young berechnete Swiss Family Index, bestehend aus Schweizer Familienunternehmen mit einem Stimmrechtsanteil eines einzelnen Aktionärs von mehr als 20 Prozent. Dieser Index brachte in den vergangenen 15 Jahren ein Plus von 416 Prozent und damit doppelt so viel wie die Aktien von Firmen ohne Familieneinfluss.

Angesichts der starken Performance von Familienunternehmen haben viele Börsianer die Aktien von eigentümer- und familiengeführten Unternehmen im Visier. Europaweit gibt es fast 900 gelistete Familienunternehmen, und mit dem Pharma-Konzern Roche stammt das grösste börsennotierte Familienunternehmen Europas aus der Schweiz. Die gute Performance der Familienunternehmen ist auch Folge der Gesellschafterstruktur. Die Grossaktionäre haben meist mehr Interesse an einer nachhaltigen Geschäftspolitik als an kurzfristigen Gewinnen, die langfristigen Erfolgen oft entgegenstehen.

Sika – Familieneigner räumen ab

In der Schweiz hat diese Theorie jüngst aber einen Knacks bekommen. Zumindest ist das beim schweizerischen Bau-Chemie-Spezialisten Sika der Fall. Denn beim Verkauf der Firma an die französische Saint-Gobain hat die kontrollierende Gründerfamilie einen Bonus von 80 Prozent gegenüber dem Aktienkurs erhalten, während die Publikumsaktionäre Kursverluste hinnehmen mussten.

Wie diese Erfahrung lehrt, ist es zur Vermeidung böser Überraschungen wichtig, beim Einstieg bei einem börsennotierten Unternehmen darauf zu achten, ob Familienaktionäre eine Kontrollprämie aushandeln dürfen, ob es Aktien mit ungleicher Stimmkraft gibt, ob eine Unterteilung in Aktien und Partizipations- sowie Genussscheine besteht und ob Eintrags- beziehungsweise Stimmrechtsbeschränkungen zu beachten sind.

Grossaktionäre sorgen für eine hohe Eigenkapitalrendite

Abgesehen von einzelnen solcher negativer Fälle kommen aber verschiedene Studien zum Ergebnis, dass familiengeführte Unternehmen langfristig bessere Geschäfte machen. So zeigt  eine Studie der Credit Suisse aus dem Jahr 2007, dass die Eigenkapitalrendite von Familienunternehmen im Zehnjahreszeitraum seit 1996 mit 10,6 Prozent über jener aus dem Vergleichsindex S&P 500 gelegen hat. Ausserdem haben die Aktien von Familienunternehmen im Betrachtungszeitraum eine Outperformance von rund 2 Prozent pro Jahr aufgewiesen.

Einen Schwerpunkt bei der Analyse von Familienunternehmen legt auch Oddo & Cie. Die vor über 160 Jahren gegründete unabhängige Finanzdienstleistungsgruppe hat jüngst die zweite Publikation zur Bedeutung der Qualität des Managements für den Aktienkurs vorgelegt. Nachdem in der ersten Ausgabe 50 französische Large Caps untersucht worden sind, umfasst das Universum in der aktuellen zweiten Ausgabe 108 französische Mid Caps mit einer Marktkapitalisierung zwischen 400 Millionen und 10 Milliarden Euro. Die Analyse beruht auf 21 Kriterien zur Beurteilung der Qualität des Managements. Betrachtet werden beispielsweise die Unternehmensleitung, das Executive-Management-Team sowie die Bereiche Organisation und Human Resources.  

Managementqualität ist besonders wichtig für die Wertschöpfung

Wie bei den verschiedenen eingangs genannten Familien-Indizes brachten auch die 20 Unternehmen an der Spitze des Rankings eine klare Outperformance gegenüber dem breiten Aktienmarkt. Diese lag über einen Zeitraum von zehn Jahren mit 314 Prozent dreimal so hoch wie der Vergleichsindex. Da Managementqualität in der Studie einen hohen Stellenwert einnimmt, scheint sich hier zu bestätigen, dass die Qualität der Firmenleitung eine zentrale Rolle für die langfristige Wertschöpfung eines Unternehmens einnimmt.

Oddo & Cie betrachtet die drei mittelgrossen Unternehmen Dassault Systèmes, ID Logistics und Plastic Omnium hinsichtlich Managementqualität als führend.  

Dassault Systèmes – hohes Wachstum ist zu erwarten

Dem Softwarekonzern (ISIN: FR0000130650) trauen die Analysten von Oddo & Cie in den nächsten Jahren ein deutliches Wachstum zu. Sie nennen ein Kursziel von 60 Euro. Die Prognose basiert auf einem mittelfristigen erwarteten organischen Wachstum von 10 Prozent pro Jahr und auf einer Gewinnmarge von 36 Prozent. Die Experten rechnen dabei mit einem Gewinnanstieg von 1,75 Euro je Aktie im 2013 auf 2,56 Euro im 2016. Auf der Basis des Kursziels wird dabei für 2015 ein geschätztes KGV von 26 als gerechtfertigt unterstellt.

ID Logistics Group – günstiger als die Konkurrenz  

Der Logistik-Dienstleister (ISIN: FR0010929125) ist auf Wachstumskurs. Für das dritte Quartal wurde jedenfalls ein organisches Plus von 11,5 Prozent gemeldet. In den ersten neun Monaten waren es sogar 12,3 Prozent. Für den Zeitraum 2013 bis 2016 rechnet Oddo & Cie mit einem rein organischen Gewinnwachstum von jährlich 34 Prozent. Für den Gewinn wird angenommen, dass er pro Aktie von 2,19 auf 5,38 Euro steigen wird. Auf Basis des Gewinns je Aktie vor Steuern und Zinsen wird der Titel mit einem Abschlag gegenüber der Konkurrenz gehandelt. Als Kursziel werden 79 Euro genannt.

Plastic Omnium – internationale Expansion

Ein volatiles Börsenjahr hat Plastic Omnium S.A.(ISIN: FR0000124570) hinter sich. Der Kunststoffverarbeiter und Automobilzulieferer konnte sich aber trotzdem seit Mitte Oktober vom Jahrestief lösen. Mitverantwortlich dafür sind sicherlich die auch intern als sehr gut eingeschätzten Zukunftsperspektiven. So beinhaltete die erst kürzlich für die Jahre 2014 bis 2018 vorgestellte Strategie deutlich mehr Wachstum als bisher kommuniziert worden ist. Demnach soll der Umsatz von geschätzten 5,3 Milliarden Euro in diesem Jahr in den kommenden vier Jahren auf sieben Milliarden Euro steigen. Zunehmen dürfte vor allem der Automobilanteil, wozu 20 neue Werke in diesem Bereich – 12 davon in China – beitragen sollen.

Bei Oddo & Cie halten die Analysten von 2013 bis 2016 ein durchschnittliches Plus beim operativen Gewinn von 11 Prozent für möglich und eine Steigerung der operativen Marge von 7,7 Prozent im Jahr 2013 auf 8,8 Prozent bis 2016. Für den berichteten Gewinn je Aktie wird von 2013 bis 2016 eine Verbesserung von 1,25 Euro auf 1,81 Euro unterstellt. Als Kursziel werden 24 Euro genannt, wobei auf Basis eines abgezinsten Cashflow-Ansatzes sogar 29 Euro als gerechtfertigt bezeichnet werden.

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