Was ist nur mit Österreich los? Oder vielmehr: Was ist mit dem Aktienmarkt im Nachbarland los? Der österreichische Leitindex ATX zählte mit der Kursverfünffachung zwischen 2003 und 2007 zu den internationalen Top-Börsen, hat sich aber immer noch nicht von der 2009er-Rezession erholt. Während die meisten Aktienmärkte der westlichen Industriestaaten im Bereich ihrer Allzeithochs notieren, liegen Österreichs Standardwerte 50 Prozent darunter.

Dabei scheint sich Austria langsam von der Stagnation der letzten zwei Jahre zu lösen. Gab es 2013 noch ein schwaches Wachstumsplus der Wirtschaft von 0,4 Prozent, so rechnet die Europäische Kommission für 2014 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung beim Nachbarn um 1,5 Prozent. 2015 sollen es sogar 1,8 Prozent werden. Und auch der Arbeitsmarkt ist nicht schwach. Im Gegenteil. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent per Ende Februar hatte Österreich die niedrigste Arbeitslosenrate in der gesamten Europäischen Union. Konjunkturell betrachtet also: «Felix Austria»!

Erst Osteuropa, jetzt Ukraine – jede Menge Kursbremsen

Der Grund für das schwache Abschneiden der Titel im ATX liegt aber auch weniger in Österreich selbst begründet, als vielmehr in den engen Wirtschaftsbeziehungen nach Osteuropa. Waren Länder wie Ungarn, Rumänien, Bulgarien oder Ukraine vor einigen Jahren noch die wachstumsstärksten Regionen in Europa und sorgten so für reichlich Wachstumsphantasie in Österreich, so kommt die Konjunktur in diesen Ländern jetzt kaum mehr in die Spur. Aktuell lastet auch die Krise in der Ukraine auf österreichischen Finanztiteln. Nachdem etwa Erste Group schon 2013 ihre ukrainische Tochter verkauft hat, hat nun die Raiffeisen-Bank Ende Februar ihre Filialen in Kiew geschlossen. Entsprechend der miesen Stimmung im osteuropäischen Nachbarland fielen die Kurse der beiden ATX-Mitglieder Erste Group und Raiffeisen-Bank International seit Januar um jeweils rund 20 Prozent.

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Nachdem der ATX wegen der Wachstumsschwäche Osteuropas und dem Absturz der Finanztitel nun weit hinter anderen Aktienmärkten zurückgeblieben ist, zählt der österreichische Markt nun aber zu den günstigsten der Welt.

Schoeller-Bleckmann – Spannung zur Hauptversammlung

Nach einem Screening des Zürcher Researchhauses Obermatt schneidet beispielsweise das ATX-Mitglied Schoeller-Bleckmann Oilfield hinsichtlich Wachstum besonders stark ab. Zwar verbuchte der Dienstleister der Ölindustrie im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um 10,5 Prozent auf 458,6 Millionen Euro, doch das Minus war eine Folge von Überbestellungen der Kunden im 2012 und von entsprechenden Lagerabbauten. Immerhin lagen die Erlöse im 2013 noch auf dem zweithöchsten Niveau der Firmengeschichte. Und im Vergleich zum Rezessionsjahr 2009 haben sich die Umsätze fast verdoppelt.

2014 ist wieder mit Steigerungen zu rechnen. So gehen Experten für die Ölfeld-Service-Industrie in diesem Jahr von einem Anstieg der Ausgaben für Exploration und Produktion um 6,1 Prozent aus. Besonders stark sollen danach die USA zulegen. Nach dem Null-Wachstum von 2013 erwarten die Marktanalysten von Barclays Global für 2014 in den Staaten eine Steigerung der Ausgaben des Segments um rund 8 Prozent. Schoeller-Bleckmann notiert im Bereich des Allzeithochs und nur knapp unter der psychologischen Marke von 90 Euro. Möglicherweise bringt die Hauptversammlung vom 23. April den nötigen Rückenwind, mit dem diese Hürde nun übersprungen werden kann.

OMV notiert unter Buchwert

Gut im Obermatt-Ranking schneidet auch OMV ab. Der Energiekonzern notiert derzeit deutlich unter seinen 2013er-Hochs und noch weiter unter dem Allzeithoch aus 2006 von rund 60 Euro. Dabei konnte das ATX-Mitglied im vergangenen Jahr wichtige Weichen stellen. Der Konzern aus Wien tätigte beispielsweise mit dem Kauf von Assets der norwegischen Statoil die grösste Akquisition der Firmengeschichte und machte dadurch einen wichtigen Schritt hin zum weiteren Ausbau des Upstream-Bereichs mit Förderung und Exploration. Daneben ging OMV weitere Beteiligungen zur Stärkung des Explorationsbereichs in Madagaskar und in Gabun ein. Der Konzern berichtet über Ölfunde in der Barentsee, vor der rumänischen Schwarzmeerküste sowie in Pakistan.

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Der Umsatz von OMV stagnierte im vergangenen Jahr bei 42,4 Milliarden Euro, und beim Gewinn gab es sogar einen Rückgang um 15 Prozent auf 3,56 Euro je Aktie. Doch dabei gab es Belastungen der Förderung in Jemen und in Libyen, schwache Raffineriemargen und niedrige Spotpreise auf den Gasmärkten. Mit einem 9er-KGV und einem Abschlag von 10 Prozent zum Buchwert ist OMV eine der günstigsten Firmen der Branche.

Voest Alpine will den Umsatz bis 2020 fast verdoppeln

Vielversprechend ist auch Voest Alpine. Anders als bei anderen Firmen der Stahlindustrie wie bei ThyssenKrupp oder bei Salzgitter ist beim Stahlkonzern aus Linz von Krise nichts zu sehen. Das ATX-Mitglied wandelt sich zusehends vom Stahlunternehmen hin zum Technologie- und Industriegüterkonzern mit Fokus auf die Bereiche Mobilität und Energie. Die Pläne sind ehrgeizig. Durch den Ausbau des Verarbeitungsanteils will Voest Alpine den Umsatz bis 2020/21 auf 20 Milliarden Euro in etwa verdoppeln. Mit einem 10er-KGV ist die Aktie nicht teuer.

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Gut im Obermatt-Ranking, schneidet auch RHI ab. Der Spezialist und Weltmarktführer für feuerfeste Materialien litt im vergangenen Jahr unter Restrukturierungskosten im Schmelzbetrieb in Norwegen sowie unter einer schwachen Kapazitätsauslastung infolge Absatzrückgangs. Nach der Halbierung des Gewinns auf nur noch 1,55 Euro im 2013 ist aber in diesem Jahr wieder mit einem Ergebnis im Bereich des 2012er-Niveaus um rund 3,0 Euro zu rechnen. Mit einem 8er-KGV ist das ATX-Mitglied günstig zu haben und besitzt dabei sogar noch Phantasie bei der Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums. Bis zum 2007er-Hoch um 42 Euro wären bei RHI zwar fast 100 Prozent Nachholpotenzial nötig, doch Kurse um 30 Euro könnten schon 2014 wieder drin sein.

Erfahren Sie hier mehr zur Methode des Value-, Growth- und Safety-Rankings von Obermatt.

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