Gute Dividendenzahler sind gefragt – wie stellen Sie es an, dass sie keine Aktien zu überhöhten Kursen kaufen? Oder anders gesagt: Findet man heute noch ordentliche Qualität zu fairen Preisen? Wenn ja, was wären gute Beispiele dafür?
Ben Lofthouse: An den Märkten gibt es zahlreiche interessante Dividendenwerte. Beispielsweise sind im Pharmasektor attraktive, gut abgesicherte Dividenden zu haben, und die Bewertungen dieser Titel sind wesentlich niedriger als die von Basiskonsumwerten mit ganz ähnlichen Charakteristika. Roche und Novartis werfen beide eine Dividendenrendite von ca. 3,5 Prozent oder darüber ab. Auch Finanzwerte bieten hohe Renditen. So liegen die Dividendenrenditen von Münchener Rück und AXA, um nur zwei Namen zu nennen, bei über 5 Prozent, und es handelt sich dabei um gut kapitalisierte Unternehmen. Attraktiv ist auch der Telekommunikationssektor. Unternehmen wie Telenor, Deutsche Telekom und Vodafone warten mit Dividendenrenditen von über 4 Prozent auf. Diese Branchen sind in den letzten Jahren trotz des dramatischen Rückgangs der Zinsen und Anleiherenditen allesamt nicht besonders gut gelaufen.

Die meisten Unternehmen schütten nur einmal im Jahr eine Dividende aus – warum eigentlich nicht öfter? 
Das ist je nach Land unterschiedlich. US-Unternehmen schütten in jedem Quartal Dividenden aus, britische Unternehmen zweimal jährlich. In Kontinentaleuropa haben sich die Unternehmen in der Vergangenheit meist auf eine Zahlung pro Jahr beschränkt. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen auf einen anderen Rhythmus umgestellt wird. Der Grund, warum ein Unternehmen vielleicht nur einmal im Jahr ausschüttet, liegt darin, dass die Dividende für das jeweils abgelaufene Jahr festgesetzt wird, also auf Basis der Jahresabschlüsse. Traditionell wird die Dividende von der Unternehmensleitung am Ende des Geschäftsjahrs beschlossen, wenn die Gewinnzahlen für das abgelaufene Jahr vorliegen. 

Traditionell werden die Dividenden den Aktionären als Ausschüttung des Unternehmensgewinns ausbezahlt. Wäre es nicht besser, wenn die Dividenden aus dem freien Cashflow bezahlt würden?
Dividenden sollen nachhaltig sein sowie auf dem gegenwärtigen und zukünftigen Ertragspotenzial eines Unternehmens und nicht nur auf einer einzelnen Ergebnisperiode basieren. Der freie Cashflow der Unternehmen kann sehr unbeständig sein. In einigen Sparten ist er kein exakter Messwert für den Ertragsstrom eines Unternehmens. (Beispielsweise im Finanzdienstleistungsbereich: Banken leihen und verleihen Geld und verdienen dabei Zinsen. Wenn sie wachsen, generieren sie folglich keine freien Mittel, sondern Erträge). Die Unternehmensgewinne sind nicht perfekt, aber ihre Bilanzierung soll sie zu einer exakteren Messweise der langfristigen Erträge eines Betriebs machen als der Cashflow eines einzelnen Jahres. Deshalb gründen die Dividenden auf dem Unternehmensgewinn. Der Cashflow kann vom Zeitpunkt der Zahlungen und Eingänge, von Anschaffungen und von grossen Einmaleffekten wie einem neuen Werk verzerrt werden. 

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Immobiliengesellschaften erzielen monatliche Einnahmen in Form von Mieteinkünften – wäre es nicht wünschenswert, wenn auch Dividenden monatlich fliessen würden?
Die meisten ertragsorientierten Fonds leisten keine monatlichen Ausschüttungen. Insofern spielt es eigentlich keine Rolle, wann Dividenden gezahlt werden. Für Privatanleger könnten monatliche Ausschüttungen attraktiv sein.

Sichern Sie sich gegen sinkende Dividendenerwartungen ab – beispielsweise mit Dividenden-Futures, wie sie an der Eurex gehandelt werden? 
Nein. Wir schützen uns durch eine gute Aktienauswahl vor Dividendenkürzungen. Vorhersagen der allgemeinen Dividendenentwicklung sind für uns nicht relevant. Uns geht es ganz allein um die Dividendenaussichten der von uns gehaltenen Unternehmen.

Statt für Dividendenausschüttungen könnten Unternehmen das Geld auch für Aktienrückkäufe nutzen – in welchen Fällen würden Sie das begrüssen?
Wir befürworten keine Änderung der Ausschüttungspolitik, sofern sich die langfristigen Geschäftsaussichten oder die langfristige Finanzlage eines Unternehmens nicht geändert haben. Wenn ein Unternehmen einen Aktienrückkauf beschliesst, weil das Management das eigene Papier für unterbewertet hält, respektieren wir diese Entscheidung. Oft erfolgen Rückkäufe jedoch inkonsequent oder zum falschen Zeitpunkt.