Die digitale Revolution schreitet auch in der Finanzindustrie rasch voran und setzt in Sachen Geldanlage neue Standards. Anleger werden immer vertrauter mit digitalen Dienstleistungen und nutzen zunehmend auch digitale Plattformen, um ihr Geld anzulegen. Das ist auch Resultat des Umdenkens einer neuen Generation. Die sogenannten «Millennials» setzen bei der Anlage ihrer Vermögen nicht mehr auf den Bankberater, sondern auf digitale Vermögensverwalter oder auf «Robo Advisor», bei denen oftmals keine Mindestanlagebeträge vorausgesetzt werden.

Die digitale Anlageberatung wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, da junge und wohlhabende Investoren nach bezahlbaren und effizienten Lösungen Ausschau halten. Erhebliche Veränderungen in der Finanzindustrie sind schon jetzt zu verzeichnen: Von 2008 bis 2013 stiegen die Investitionen in den Ausbau von Technologie im Finanzsektor um über 200 Prozent – Robo Advisors verwalten heute schon rund eine halbe Billion US-Dollar an globalen Vermögen. Laut Erhebungen von Accenture kann es sein, dass traditionelle Geschäftsbanken bis zum Jahr 2020 etwa 35 Prozent ihres Marktanteils an Onlinebanken und andere digitale Finanzanbieter verlieren werden.

Strukturwandel in der Finanzberatung …

Die digitale Finanzberatung wird den globalen Markt in drei Bereichen prägen: Unabhängige Start-ups, die Endanleger direkt ansprechen und zur Innovation der Branche beitragen. Aber auch grosse Broker und Banken, die ihre eigene digitale Expertise im Direktvertrieb zur Markenstärkung auf- bzw. ausbauen sowie Technologieanbieter, die Finanzdienstleister ohne entsprechende eigene Kompetenz beim Aufbau digitaler Beratungsangebote unterstützen.

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Dieser Strukturwandel verändert auch den hiesigen Markt. Noch zählt die Schweiz laut einer aktuellen Studie von A.T. Kearney und Efma im globalen «Digital Banking Readiness Index» zu den «unentschlossenen» Ländern. Wie auch in Deutschland, Frankreich und Österreich gibt es noch kein klares Bekenntnis zum Digital Banking, jedoch erste Ansätze zu einer stärkeren Positionierung. Die wachsende Konkurrenz durch Robo Advisors und andere «Fintech»-Unternehmen bietet den etablierten Playern eine Reihe von Chancen. Die Kombination von Technologie und traditionell starker Beratungskompetenz schafft für Banken beispielsweise die Möglichkeit, neue Kundengruppen zu erschliessen und die Reichweite zu erhöhen.

… Fintech eröffnet für ETFs grosse Chancen

Auch für Anbieter passiver Investmentlösungen, also von Indexfonds und ETFs, bieten sich grosse Chancen. Viele der digitalen Investmentplattformen setzen auf einen standardisierten Prozess. Der Charme von ETFs für viele der Robo Advisors liegt in ihren wesentlichen Qualitäten begründet. Die neuen Anlageplattformen benötigen nicht zwingend aktiv gemanagte Portfolios. Sie wollen auf einfache Art und Weise eine grosse Bandbreite an Assets transparent abdecken. Diese sollen wiederum permanent zugänglich und auch handelbar sein, und dies zu niedrigen Kosten. Der Einsatz von ETFs in solchen Portfolios ist daher eine logische Konsequenz.

Die Kooperation mit den neuen Anbietern digitaler Vermögensverwaltung, -planung und -beratung in den kommenden Jahren ist ein wichtiger Wachstumsmarkt für die Branche. Der technologische Fortschritt ist dabei wesentlich – genauso entscheidend werden aber auch die sich ändernden Kundenbedürfnisse sein.

Sven Württemberger, Leiter iShares Deutschschweiz