Selbst die Fed macht mal Pause. Nachdem die US-Notenbank am Mittwoch ihre zweitägige Juli-Sitzung beendet hat, dürfte bis auf Weiteres Funkstille herrschen. Erst am 16. und 17. September steht das nächste Treffen des Offenmarktausschusses auf dem Programm. Beim letzten Meeting vor der Sommerpause machte das Gremium einmal mehr deutlich, dass die Zinswende insbesondere von weiteren Verbesserungen im Arbeitsmarkt abhängt. Nicht wenige Analysten erachten diese Prämisse als so gut wie erfüllt. Im September könnte die Fed daher erstmals seit Mitte 2006 den Leitsatz nach oben schrauben. Allerdings dürfte es die US-Zentralbank mit der Straffung kaum übertreiben und allenfalls 25 Basispunkte auf das aktuelle Niveau von Null bis 0,25 Prozent draufsatteln.

Insofern sollten sich Anleger, die beispielsweise mit der Bewirtschaftung von Barreserven beschäftigt sind, nicht zu früh freuen. Am Markt für Tagesgeld stossen sie weiterhin auf Magerkost. Für den alten Kontinent gilt das umso mehr. Hier machen weder die Europäische Zentralbank (EZB) noch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Anstalten, von ihrer ultra-expansiven Gangart abzuweichen. Die Folge: Im Interbankengeschäfte bewegen sich viele Zinssätze im negativen Bereich. Beispielweise liegt der Drei-Monats-Franken-Libor aktuell bei minus 0,74 Prozent.

Floater – einfache Funktionsweise

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass laufend neue Floater an den Markt kommen. Dabei handelt es sich um strukturierte Produkte mit einem obligationenähnlichen Charakter. Zum Laufzeitende gibt der Emittent eine Garantie für den Nominalwert ab. Gleichzeitig gibt es eine regelmässige Ausschüttung. Gewöhnlich erhalten Anleger eine Minimum-Zahlung, den sogenannten Floor. Gleichzeitig ist der Coupon an einen Referenzsatz gekoppelt. Laut Thomas Schmidlin, Head Structured Flow Switzerland bei der Credit Suisse, greifen daher häufig Anleger zu diesen Produkten, die einen signifikanten Anstieg der Renditen erwarten. «Darüber hinaus nutzen unsere Kunden den Floater, um das Zinsänderungsrisiko mit Hilfe des variablen Coupons tief zu halten», ergänzt der Derivateexperte.

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Für die Kondition spielt neben Produktwährung und -laufzeit die Bonität des Emittenten eine zentrale Rolle. Aus rechtlicher Sicht sind strukturierte Produkte Inhaberschuldverschreibungen. Das heisst, der Anleger nimmt ein Emittentenrisiko in Kauf. Grundsätzlich gilt: Je grösser die Ausfallgefahr, desto höhere Coupons sind möglich. Nicht selten kotieren die Banken ihre Floater im COSI-Segment der SIX. Die hier gehandelten Produkte sind mit einer Pfandbesicherung versehen, welche das Emittentenrisiko ausklammern soll. Allerdings gilt der Schutzmechanismus nicht für Referenzanleihen. Um die Konditionen ihrer Zinsderivate aufzupeppen, holen die «Struki»-Häuser gerne einen zusätzlichen Schuldner ins Boot. Für den Anleger führt diese Praxis zwar zu einer höheren Ausschüttung, kommt es zum Zahlungsausfall des involvierten Gläubigers, können aber satte Abschläge auf den Kapitaleinsatz erfolgen.

Heisser Referenzschuldner Barrick Gold

Beispielsweise packt Vontobel eine 2023 fällige US-Dollar-Obligation von Barrick Gold in eine laufende Neuemission (ISIN CH0241735981). Zum Laufzeitende in fünf Jahren gibt die Privatbank eine vollständige Garantie für den 1000 Franken betragenden Nominalwert ab. Bis dahin leistet sie alle drei Monate eine Couponzahlung, die mindestens 1,1 Prozent p.a. beträgt. Sollte es in der Schweiz zu einer Zinswende kommen und der Drei-Monats-Franken-Libor über den Floor klettern, steigt die Ausschüttung mit. Bis zum 14. August können Anleger das Produkt zum Emissionspreis von 100 Prozent des Nennbetrages zeichnen. Fünf Tage später startet der Börsenhandel mit dem pfandbesicherten Derivat. Interessenten sollte bewusst sein, dass sie den attraktiven, laufenden Ertrag nur gegen Inkaufnahme der Bonitätsrisiken von Barrick Gold erzielen können. Standard & Poor’s erteilt dem von den fallenden Edelmetallpreisen gebeutelten Minenkonzern derzeit die Note BBB-. Damit steht das Unternehmen auf der untersten Stufe des Investmentgrade-Universums.

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In der Zeichnungspalette der Credit Suisse befinden sich Produkte ohne Referenzanleihe. Unter anderem bietet die Grossbank bis zum 14. August einen auf Euro lautenden Floored Floater (ISIN CH0288453670) zur Zeichnung an. Auch hier ist der Nominalwert zum Verfalltermin geschützt. Vierteljährlich schüttet die Credit Suisse einen Coupon aus, der mindestens 0,70 Prozent p.a. beträgt. Falls der Drei-Monats-Euribor, er liegt aktuell knapp unter Null, in den kommenden sieben Jahren über diesen Wert steigt, stockt der Emittent die Ausschüttung auf. Dabei ist eine Begrenzung auf den Maximum-Coupon von 4 Prozent p.a. vorgesehen. Die Credit Suisse lanciert dieselbe Struktur auch in US-Dollar (ISIN CH0288453688). Dabei kommt der Zinsvorsprung des Greenbacks gegenüber Euro und Franken deutlich zum Ausdruck: Während der Mindestcoupon bei 2,05 Prozent p.a. liegt, würden Halter des Derivats bis zur Marke von 6 Prozent an einer Zinswende in den Staaten profitieren. Wobei die Erreichbarkeit dieses Niveau zu Beginn der Fed-Sommerpause selbst auf längere Sicht ziemlich utopisch zu sein scheint.

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