Egal, ob zu Land, zu Wasser oder in der Luft – in einer globalisierten Welt nimmt der Transport von Waren eine zunehmend wichtige Rolle ein. Zwischen dem Jahr 2000 und dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 nahm der Welthandel jährlich im Schnitt um 5,4 Prozent zu. Die globale Wirtschaftsaktivität verzeichnete hingegen nur ein Plus von 3 Prozent. Zwar flachte der Handel im Zuge der darauffolgenden Rezession ab, die Erholung ist aber längst wieder im Gange. «Der globale Markt für Frachtgüter wächst in den wichtigsten Regionen wieder im mittleren einstelligen Bereich, wobei Europa in den letzten zwei Quartalen die grösste Dynamik gezeigt hat», das zeigen die Experten von Goldman Sachs in ihrer jüngsten Studie auf.

Jetzt blindlings auf Transport-Aktien zu setzen, ist aber nicht ratsam. Es gibt konjunkturelle Unsicherheiten. Während die Konjunktur in den USA positive Signale sendet, kommen aus China immer wieder gegensätzliche Daten. In Europa ist die Krisenbewältigung zwar weit fortgeschritten, aus dem Tal heraus ist der alte Kontinent aber noch nicht. Die unsichere Lage spiegelt sich auch in den neuesten Transportdaten wider. So konnte sich das Wachstum zuletzt nicht mehr beschleunigen, bei der Seefracht in den USA und in Asien nahm die Dynamik sogar ab. «Die Neubestellungen im Vergleich zum Lagerbestand deuten auf ein moderates Volumenwachstum von Frachtgütern in der zweiten Hälfte dieses Jahres hin», prognostizieren die Analysten von Goldman Sachs.

A.P. Møller-Mærsk – hohe Auslastung und Kostensenkungen

Auch wenn sich das Chance-Risiko-Profil im Transport-Sektor relativ ausgeglichen zeigt, finden Anleger allemal vielversprechende Unternehmen. Beispielsweise die weltweit grösste Containerlinienreederei A.P. Møller-Mærsk. Obwohl der jüngste Versuch eines Zusammenschlusses mit der MSC aus der Schweiz und der französischen CMA CGM durch die Wettbewerbsbehörden verhindert worden ist – die operative Entwicklung spricht für die Dänen.

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Im ersten Quartal konnte das Unternehmen seinen Gewinn mehr als verdoppeln. «Das Ergebnis ist positiv beeinflusst durch eine hohe Auslastung und weitere Kosteneinsparungen», kommentierte Konzernchef Nils S. Andersen die Zahlen und hob zugleich die Jahresprognose etwas an.

Hamburger Hafen – Kursziel erhöht

Ebenfalls Positives zu berichten, hatte zuletzt der Hamburger Hafen (HHLA). Das Unternehmen konnte seinen Güterumschlag in den ersten drei Monaten um 8,5 Prozent auf 35,6 Millionen Tonnen steigern. Der Containerumschlag erhöhte sich um 8,0 Prozent auf 2,4 Millionen Standardcontainer. Damit nimmt der Hamburger Hafen sogar seine alten Bestmarken aus den Jahren 2007 und 2008 vor der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder ins Visier.

Wichtig für den Hamburger Hafen sind die Transporte von und nach Asien, die rund einen Drittel des Containerumschlags ausmachen. Aber auch hier konnte HHLA im ersten Quartal deutlich zulegen. Der China-Umschlag verbesserte sich um mehr als einen Zehntel. Noch vor den Zahlen zum zweiten Quartal, die am 14. August veröffentlicht werden, haben sich die Analysten der Citigroup aus der Deckung getraut. Die Bank hob ihr Urteil für den Titel von «Neutral» auf «Buy» an. Das Kursziel schraubte sie von 18,50 Euro auf 23,20 hoch.

Flughafen Wien hebt ab ...

Während sich die Valoren des Hamburger Hafens im Zick-Zack-Kurs bewegen, zieht die Aktie des Flughafens Wien stetig nach oben. Allein seit Jahresbeginn zeigt sich ein Kursplus von 13 Prozent. Die jüngsten Verkehrszahlen des Airports untermauern die positive Bewegung. Das Passagieraufkommen legte im Mai im Jahresvergleich um 4 Prozent zu, die Frachtbeförderung sogar um 8,8 Prozent. Aufsummiert seit Jahresanfang steht beim Frachtumschlag ein Plus von 7,7 Prozent zu Buche.

Während Vienna Airport im Mai bei den Passagieren zulegen konnte, verbuchte Flughafen Zürich einen Rückgang um 0,5 Prozent. Im Frachtbereich jedoch schaffte der Konzern ein Plus von 10,4 Prozent.

... Fluglinien im Sinkflug

Während die Airports eine gute Figur machen, zeigen sich bei den Airlines derzeit Schwächen. Zuerst schockte die Deutsche Lufthansa mit einer Gewinnwarnung Mitte Juni, dann legte vor wenigen Tagen Air France-KLM ebenfalls ein «Profitwarning» nach. Bei den Deutschen war eine überraschend schwache Umsatzentwicklung im Passagier- und Frachtgeschäft ausschlaggebend für die Revision. Lufthansa rechnet nun statt mit 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro mit nur noch rund einer Milliarde Euro operativem Gewinn im 2014. Zudem musste sich die Fluggesellschaft eingestehen, dass auch das für 2015 und damit für das Ende des Sanierungsprogramms «Score» ausgegebene Gewinnziel von rund 2,7 Milliarden Euro nicht mehr zu schaffen ist. Stattdessen werden nun im besten Fall zwei Milliarden Euro angepeilt. Licht am Tunnel sendete der Konzern mit der jüngsten Veröffentlichung seines neuen Strategieplans. Die Kranich-Airline möchte deutlich weniger Kapazitäten aufbauen als ursprünglich geplant war. Folglich werden die Renditen in der Passage und auch im Frachtgeschäft nicht so stark fallen wie befürchtet worden war. Zudem bestätigte der Konzern die reduzierten Ziele für 2014 und 2015. Anleger klatschten vor Erleichterung Beifall: Die Aktie schnellte am selben Tag um mehr als 2 Prozent nach oben.

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Die Aktie der dänischen Reederei zählt unter Bewertungsgesichtspunkten zu den attraktivsten Titeln der Branche. Die Valoren weisen eine Dividendenrendite von 2,5 Prozent sowie ein moderates Kurs-Gewinn-Verhältnis von elf auf.

Anleger sollten sich neben der Zahlenveröffentlichung am 14. August auch den 15. Juli notieren. Für diesen Tag ist der Beginn der mündlichen Verhandlung über die geplante Vertiefung der Elbe angesetzt. Das in Hamburg mit Spannung erwartete Urteil könnte folglich noch in diesem Jahr fallen.

Die Experten von Goldman Sachs führen den österreichischen Titel auf ihrer «Conviction Buy»-Liste. Ihrer Ansicht nach wird der Vienna Airport weiter mit einem Discount gegenüber seiner Peer-Group gehandelt – und das, obwohl sein Gewinnwachstum höher ist.

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Der Flughafen verzeichnet seit Monaten steigende Frachtzahlen. Die Aktie notiert an der Unterstützung um 540 Franken. Anleger setzen darauf, dass der Titel von dort erneut nach oben abprallen wird und dann zum Sturm in Richtung Allzeithoch vom April bei 591 Franken durchstartet.

Die Aktie hat den Kurstaucher nach der Gewinnwarnung noch nicht verdaut. Auch wenn die zuletzt vorgestellte neue Strategie vielversprechend klingt, Lufthansa muss erst Umsetzungserfolge präsentieren. Bis es so weit ist, reicht ein «Neutral»-Rating für den Valor allemal aus.