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Ausblick
Frankenkurs: «Die Eurostärke wird anhalten»

«Der jüngste Euro-Anstieg war quasi ‹selbsttragend›»
Frankenkurs: Zuletzt musste die SNB nicht nachhelfen.  Keystone

Thomas Heller, Investmentchef der Schwyzer Kantonalbank, erwartet, dass der Franken sich kaum noch abschwächt. Welche Trends Anleger kennen sollten und wann Sippenhaftung an der Börse eine Chance ist.

Von Julia Fritsche
03.08.2017, Aktualisiert am 05.08.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Thomas Heller*: Wir stecken mitten in der Earnings-Season, in welcher die Unternehmen ihre Ergebnisse präsentieren. Entsprechend haben die Anleger ein Auge auf diese Quartalsausweise. Und natürlich hängen die Marktakteure an den Lippen und Taten der Notenbanken. Entscheidend sind einerseits die Fragen, ob die US-Notenbank die Zinsen in diesem Jahr nochmal erhöht (vermutlich ja, im Dezember) und wann sie mit der Bilanzverkürzung beginnt (wahrscheinlich im Oktober). Anderseits wartet die Investorengilde nach dem «verbalen Regimewechsel» der Europäischen Zentralbank im Juni gespannt auf konkretere Angaben zum Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm. Diese Details dürften im September folgen, der Startschuss erfolgt vermutlich Anfang 2018.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die überraschend starke Abschwächung des Schweizer Franken der letzten Tage und die guten Konjunkturaussichten im wichtigsten Exportmarkt, der Eurozone, könnten dem hiesigen Aktienmarkt nochmals etwas Aufschwung verleihen. Allerdings ist die Bewertung des Gesamtmarktes hoch. Von dieser Seite ist mit keiner zusätzlichen Unterstützung zu rechnen. Das limitiert das Aufwärtspotenzial.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Wir rechnen mit einem Indexstand von um die 9'300 Punkte. Dabei darf man nicht vergessen, dass in der Zeit Dividenden in der Höhe von gut 3 Prozent anfallen.

Stärkerer Euro, schwächerer Franken – wo sehen Sie das Währungspaar Ende Jahr?
Bis vor wenigen Wochen musste die Schweizerische Nationalbank (SNB) bei der Euro-Aufwertung nachhelfen. Diese Hilfe ist zuletzt ausgeblieben. Das heisst, der jüngste Euro-Anstieg war quasi «selbsttragend». Das spricht dafür, dass die Eurostärke anhalten wird. Wir rechnen allerdings nicht mit einer linearen Fortsetzung der Entwicklung der letzten Tage, sondern eher mit einer Konsolidierung auf dem aktuellen Niveau. Wenn Sie eine konkrete Zahl wollen, würde ich sagen 1.15.

Auf welche Trends sollen Anleger setzen, denen Bitcoin-Investments zu riskant sind? 
Zunächst einmal: Ich betrachte Bitcoins weder als sinnvolles Investment noch als Trend. Die Blockchain-Technologie ist interessant und wird Anwendung finden. Stand heute sind Bitcoins für Anleger hingegen ungeeignet. Da gibt es andere Trends, die real(er) sind und Investment-Chancen bieten: Sicherheit (Cyber-Security, physische Sicherheit), Entwicklungen im Pharma-Bereich (Generika, Medizinal-Technik, Biotech), Automatisation in der Wirtschaft und im Alltag (Robotics), um nur einige zu nennen. Dabei muss man sich stets bewusst sein, dass ein Trend brechen, aus der Mode kommen oder von einem anderen Trend abgelöst werden kann. Investieren in einen Trend ist also immer risikobehaftet, risikobehafteter als das Investieren in ein über Regionen und Branchen hinweg diversifiziertes Portfolio.

Enttäuschende Zahlen haben letzte Woche die Aktien von Amazon auf Talfahrt geschickt, andere Technologietitel gaben ebenfalls nach. Wie funktioniert Sippenhaftung an der Börse?
Zu Urzeiten war dieses Verhalten überlebenswichtig. Flieht mein Nachbar vor einer Gefahr, so überlege ich besser nicht lange, ob er die Gefahr richtig eingeschätzt hat, sondern fliehe auch. Sonst erwischt mich der Säbelzahntiger womöglich noch. Die Richtigkeit dieses Entscheids wird erst etwas später aus einer gewissen Distanz beurteilt. Auf die heutigen Finanzmärkte gemünzt: Liefert ein Unternehmen schwache Zahlen, so werden Titel ähnlicher oder vergleichbarer Firmen ebenfalls abgestossen. Sie könnten ja unter ähnlichen Symptomen leiden. Die Differenzierung erfolgt erst später und bietet unter Umständen auch gute Einstiegsgelegenheiten.

Im August beginnt das nächste Schuljahr. Welche Geldlektion sollten schon Primarschüler lernen? 
Nicht mehr (Taschen-)Geld ausgeben als man bekommt oder gespart hat.

* Thomas Heller ist CIO und Leiter Research bei der Schwyzer Kantonalbank.

 

 

 

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