1. Home
  2. Invest
  3. Frankenschwäche statt Frankenschock: die Verlierer

Währung
Frankenschwäche statt Frankenschock: die Verlierer

Einkauf in Deutschland: Der Ganz über die Grenze lohnt sich weniger. Keystone

Exporteure und Detailhändler atmen auf angesichts des neuen Frankenschwäche. Für Firmen, die in Euroland produzieren, ist das aber eine schlechte Nachricht. Eine Übersicht über die Verlierer.

Von Annika Janssen
am 10.08.2017

Seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor zweieinhalb Jahren den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufhob, ist der Franken deutlich erstarkt. Meist lag der Euro unter der Marke von 1,10 Franken. Die SNB musste für ihre Entscheidung viel Kritik einstecken.

Der starke Franken drückte auf das Geschäft von Exporteuren, Touristen aus dem Ausland reisten lieber nach Tirol als nach Graubünden – schliesslich war der Urlaub in der Schweiz nun wesentlich teurer als zuvor. Zudem fahren viele Eidgenossen zum Einkaufen über die Grenze nach Deutschland, dort war der Wocheneinkauf wesentlich billiger als zuhause. Der ungünstige Wechselkurs zwang besonders kleine und mittlere Industrieunternehmen zum Abbau von Arbeitsplätzen.

Swatch oder Richemont gewinnen

Nun die Kehrtwende: In den vergangenen Tagen ist der Euro gegenüber dem Franken deutlich erstarkt. Innerhalb weniger Tage sprang der Kurs von 1,10 auf über 1,15 Franken. Aktuell liegt er bei 1,14 Franken. Seit Jahresbeginn hat die Schweizer Währung gegenüber dem Euro um mehr als 7 Prozent nachgegeben.

«Für die Schweizer Volkswirtschaft ist das wie ein warmer Regen», sagt Patrik Lang, Leiter Aktienresearch bei Julius Bär in Zürich. Von der Entwicklung profitieren vor allem Wirtschaftszweige, die seit Januar 2015 unter dem starken Franken gelitten hatten: die Tourismusbranche, der Einzelhandel und Unternehmen, die einen grossen Teil ihrer Waren in die Eurozone exportieren. «Auch Uhrenherstellern wie Swatch und Richemont, die ihre Kostenbasis in der Schweiz haben und ihre Produkte im Ausland verkaufen, kommt das Erstarken des Euro zugute», sagt Lang.

Schweizer Reisende verlieren

Es gibt jedoch auch Verlierer. Das sind zum Beispiel Schweizer, die in den Ferien in eines der Euro-Länder verreisen. Sie bezahlen für ihren Urlaub künftig wieder mehr. Die Währungen einiger afrikanischer Länder sowie die dänische Krone sind an den Euro gekoppelt, Reisen in diese Länder werden für Schweizer in Zukunft ebenfalls teurer. Auch der Einkaufstourismus im Ausland dürfte sich in Zukunft etwas weniger lohnen.

Auf Unternehmensseite wird der schwache Franken vor allem solchen Unternehmen zu schaffen machen, deren Kosten zu einem grossen Teil in der Eurozone anfallen – etwa weil sie dort produzieren und deshalb Löhne in Euro bezahlen. «In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben zudem viele Unternehmen ihren Einkauf teilweise in Euro-Länder verlagert. Für sie bringt die Franken-Schwäche höhere Kosten mit sich», sagt Emilie Gachet, Ökonomin der Credit Suisse. Oft handelt es sich dabei um Industrieunternehmen. Ganze Branchen werden nach Einschätzung der Ökonomin nicht unter der veränderten Währungssituation leiden: «Es sind einzelne Firmen, die jetzt kostenseitig ein Problem bekommen.»

AMS und Cosmo unter Druck

Am ehesten könnten ausländische Unternehmen unter Druck geraten, die an der eidgenössischen Börse kotiert sind: Etwa der österreichische Halbleiterhersteller AMS, das italienische Pharmaunternehmen Cosmo oder der Fahrzeugbauer KTM aus Österreich. Der Valor von Cosmo verlor im vergangenen Monat bereits neun Prozent an Wert. Das dürfte weniger mit dem Eurokurs zu tun haben, als damit, dass Cosmo in den roten Zahlen steckt. Ob der starke Euro die Lage des Unternehmens verbessert, ist fraglich.

Bei aller Aufregung um den Euro-Frankenkurs sollten Investoren eines nicht vergessen: Für die Schweiz ist der US-Dollar noch wichtiger als die europäische Gemeinschaftswährung. Denn die Entwicklung des Leitindex SMI hängt massgeblich von den Aktienkursen seiner Schwergewichte ab: Zum Beispiel Nestlé, Novartis, Roche und UBS. Diese Unternehmen erwirtschaften einen grossen Teil ihrer Umsätze in US-Dollar – und bekommen einen starken Euro somit weniger zu spüren.

Abonnieren Sie unseren stocksDIGITAL-Newsletter und erhalten Sie jede Woche die besten Invest-Tipps per E-Mail. Der StocksDIGITAL-Newsletter ist ein kostenloser Informationsdienst der Handelszeitung und wird jeden Freitag versendet: Hier geht es zur Anmeldung.

Anzeige