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Ausblick
Frankreich wählt – wie reagiert der Markt?

Jean-Luc Mélenchon: Er sorgt für Unruhe auf den letzten Metern. Keystone

Frankreichs Vorwahl am 23. April: Realistische Chancen auf den Einzug in die zweite und entscheidende Wahlrunde haben derzeit vier Kandidaten. Welches Ergebnis würde die Märkte wie bewegen?

Von Christos Maloussis*
am 21.04.2017

Die vier Kandidaten im Überblick

Emmanuel Macron (‚En Marche‘)
Der 39-jährige Politiker gründete nach seinem Rücktritt als Wirtschaftsminister im Kabinett des amtierenden Präsidenten Francois Hollande im vergangenen Herbst, die Partei ‚En Marche‘ und verkündete seine Kandidatur für die kommenden Präsidentschaftswahlen. Macron steht für eine Sozial-Liberale und EU-freundliche Politik. Er zielt insbesondere auf die Wählergruppe der politischen Mitte. Mit derzeit 23.5% liegt er in aktuellen Umfragen an erster Stelle.

Marine Le Pen (‚Front Nationale‘)
Die 48-jährige rechtspopulistische Politikerin steht für einen Austritt aus der EU, Wirtschaftsprotektionismus und einer Beschränkung der Einwanderung. Traditionell zielt sie auf den politisch rechten Flügel, hat sich jedoch auch für die Mitte geöffnet und steht mit derzeit 22.5% in aktuellen Umfragen an zweiter Stelle.

Francois Fillon (‚Les Républicains‘)
Der 63-jährige Kandidat der rechtskonservativen setzt auf liberale Wirtschaftsreformen und Ausgabenkürzungen auf Staatsebene. Eine Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau kostete ihn zuletzt Zustimmung. Mit 19.5% kommt Fillon derzeit nur auf den dritten Platz und würde somit den Einzug in die zweite Wahlrunde knapp verpassen.

Jean-Luc Mélenchon (‚La France Insoumise‘)
Der 65-jährige sozialistische Politiker steht für ein Milliardenschweres Investitionsprogramm, eine grosse Steuerreform und für eine Neu-Verhandlung der EU-Verträge oder einem alternativen Austritt. Mit aktuellen 19.0 % liegt er knapp auf dem vierten Platz, was ebenfalls ein Verpassen der zweiten Runde bedeuten würde.

Was preist der Markt derzeit ein?

Basierend auf relativ stabilen Umfragewerten für Macron und Le Pen laut dem französischen Analyseinstitu Ifop in den vergangenen Wochen preist der Markt derzeit einen Einzug der beiden Kandidaten in die zweite Runde ein. Jedoch hat Mélenchon das Momentum derzeit auf seiner Seite und konnte seine Zustimmungswerte von knapp 10% im März auf aktuell 19% steigern. Eine Überraschung ist also nicht auszuschliessen. Die letzten und somit Aussagekräftigsten Umfrageresultate werden am Freitag, 21. April veröffentlicht.

Für die zweite Runde sehen die Umfrageinstitute Macron deutlich vor Le Pen, was die relative Ruhe im Euro derzeit erklärt. Mit einem Stimmenanteil von 60% zu 40% liegt Macron hier klar vorne. Es ist anzunehmen, dass bei einer Entscheidung zwischen diesen beiden Kandidaten in der zweiten Wahlrunde, alle übrigen Kandidaten eher Macron ihre Unterstützung zusichern würden, um eine Präsidentschaft Le Pens zu verhindern.

Liegen die Umfrageinstitute dieses Mal richtig?

Die zentrale Frage ist, ob die Umfrageinstitute dieses Mal richtig liegen?
Sollte Le Pen in der ersten Runde jedoch tatsächlich deutlich mehr Stimmen als die prognostizierten 22.5% erreichen, müsste man festhalten, dass die Umfrageinstitute wieder einmal falsch lagen. In der Folge würde der Markt einen Risikoaufschlag für die zweite Wahlrunde einpreisen, da ein Sieg Macrons in der zweiten Runde nicht mehr so sicher wäre. Der Euro sollte in einem solchen Szenario unter Druck geraten.

Ein schwächeres Abschneiden Le Pens oder sogar ein Verpassen des Einzugs Le Pens in die zweite Runde würde den Euro unterstützen. Sollte nach der zweiten Runde der Präsident Macron heissen, könnte eine Euro Rallye bis auf 1.15 EUR/USD gehen. Sollte wider Erwarten doch Le Pen das Rennen um das Präsidentenamt gewinnen, könnte der Euro vs. US-Dollar bis auf 0.97 fallen.

*Christos Maloussis ist Market Analyst bei der IG Bank.

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