Auf den Verkaufscharts der Videospiele geht es kurz vor Weihnachten heiss zu und her. Grosse Hersteller wie Activision, Electronic Arts (EA) oder auch Ubisoft versuchen, mit neuen Blockbustern die Ranglisten zu erobern. Mit Erfolg, wie eine jüngste Auswertung zeigt.

Der neue Online-Shooter «Star Wars Battlefront» von EA setzte sich auf Anhieb an die Spitze der Verkaufscharts. Das Activision-Spiel «Call of Duty: Black Ops 3» eroberte den Silberrang, und Ubisoft schafft es mit ihrer Fortsetzung der erfolgreichen «Assassin's Creed»-Reihe immerhin bereits auf Platz sieben.

Ubisoft – ein Übernahmeziel

Der Blick auf die Aktienkursentwicklung in den vergangenen zwölf Monaten der drei Videospiele-Hersteller zeigt beim Performance Ranking eine umgekehrte Rangfolge. An der Spitze steht die französische Ubisoft (ISIN FR0000054470). Allerdings liegt das weniger an den Erfolgen am Videospielemarkt als am Expansionshunger von Grossaktionär Vivendi. Der Medienkonzern hatte Ende Oktober seine Beteiligung an Ubisoft auf über 10 Prozent erhöht und denkt laut über eine vollständige Übernahme in den kommenden sechs Monaten nach. Folglich könnte den Ubisoft-Aktionären spätestens im April 2016 eine Offerte ins Haus flattern.  

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Aber auch die Wachstumsaussichten der Franzosen stimmen. Analysten erwarten, dass der Game-Produzent beim Ergebnis je Aktie bis 2017 im Durchschnitt jährlich um 26 Prozent zulegen wird. Im Vergleich zur Peer Group fällt die Steigerungsrate damit überproportional aus. Mit einem 2017er-KGV von 18 ist die Aktie darüber hinaus nicht nur relativ zur Konkurrenz, sondern auch absolut im Vergleich zu den Wachstumsaussichten günstig. Das sehen auch die Experten beim Researchhaus Jefferies so und empfehlen den Titel, neu mit einem Kursziel von 32 Euro, zum Kauf. Damit verfügt die Aktie vom aktuellen Niveau aus über ein Potenzial von 20 Prozent. Übernahmephantasie kommt noch oben drauf.

Computer-Spiele – Onlinevertrieb mit hohem Potenzial

Die Spielemacher profitieren derzeit von zwei Trends: Erstens verläuft der Verkauf der Spielekonsolen der vierten Generation, PS4 von Sony und Microsofts Xbox One, äusserst dynamisch. Ende 2014 waren erst rund 30 Millionen Konsolen der vierten Generation in Betrieb, und Marktbeobachter gehen davon aus, dass es zum Jahresende 2015 bereits 49 Millionen Einheiten sein werden. Das entspricht einer Zunahme von knapp zwei Dritteln. Ein Jahr später, so wird vermutet, wird die Anzahl der verkauften Konsolen sogar die 100-Millionen-Marke überschreiten.

Zweitens erfolgt eine Verschiebung der traditionellen Absatzkanäle hin zu Online-Verkäufen. Schätzungen zufolge erzielen die Hersteller mit Downloads eine um 10 bis 20 Prozent höhere Marge. Wie hoch das Wachstumspotenzial in diesem Bereich ist, zeigt ein Blick auf die Download-Statistik. Aktuell wird erst rund ein Fünftel der Spiele heruntergeladen.

Activision mit neuer Wachstumsstrategie

Ein Investment-Wert sein, sollte auch Activision Blizzard, der weltweit mit Abstand profitabelste Spielentwickler. Mehr als die Hälfte der Erlöse erzielt das Unternehmen digital. Aktuell macht der US-Konzern Schlagzeilen mit seinem Hit «Call of Duty: Black Ops III». Die Call-of-Duty-Reihe gilt als eine der erfolgreichsten Spieleserien überhaupt. Das neue Game gewinnt unter anderem durch einen neuen Klassen-basierten Multiplayer-Modus an Attraktivität. Auch das bekannte Spiel «World of Warcraft» stammt aus der Feder von Activision.

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Doch seit neuestem setzt das Unternehmen nebst auf Shooter-Games auch auf süsse Bonbons. Anfang November verleibten sich die Amerikaner den Candy-Crush-Hersteller King Digital Entertainment für 5,9 Milliarden Dollar ein. Zwar gingen Umsatz und Gewinn bei den Briten zuletzt zurück, doch eröffnen sich für das für seine Smartphone-Spiele bekannte Unternehmen Activision völlig neue Wachstumspotenziale. Bis Ende 2016 plant King, drei neue Spiele auf den Markt zu bringen. Die Aktie ist eine Wette darauf, dass Activision die Wende bei King einläuten kann.

Die Spiele-Anbieter im Überblick

Unternehmen

Perf. 1 Jahr

Durchschnittl. Gewinnwachstum 2015–2017e

Operative Marge 2015e

KGV 2017e

Analysten-konsens

Activision

76,4 %

17,2 %

31,2 %

20,7

Outperform.

Electronic Arts

58,5 %

13,5 %

27,3 %

17,4

Outperform.

Take Two

29,8 %

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61,0 %

16,6 %

20,3

Outperform.

Ubisoft

88,1 %

26,0 %

14,9 %

18,0

Outperform.

Quellen: Thomson Reuters, Jefferies, eigene Berechnungen; e = erwartet