1. Home
  2. Invest
  3. Gold: Der Dollar fällt, die Nachfrage könnte steigen

Glänzend
Gold: Der Dollar fällt, die Nachfrage könnte steigen

Gold: 1300 Dollar liegen in Reichweite.  Keystone

Trotz flauer Nachfrage im Frühling präsentiert sich der Goldpreis fest. Die Nachfrage könnte jetzt wieder zulegen – und es gibt auch charttechnische Fantasie.

Von Georg Pröbstl
am 04.08.2017

Gold macht es richtig spannend. Auf der fundamentalen Seite gibt es derzeit zwar einige Wolken. Doch charttechnisch betrachtet könnte das Edelmetall nach den Kursgewinnen der letzten drei Wochen um rund 5 Prozent noch weiter zulegen. 1300 Dollar für die Unze könnten ganz schnell wieder drin sein.

Die Fundamentals und das Umfeld zeigen derzeit aber Bremsspuren. Die erwarteten Zinssteigerungen durch die Notenbanken – in USA gab es bereits eine Zinswende und in Europa könnte es angesichts zunehmender Wachstumsdynamik in der EU vielleicht schon in 2018 soweit sein – machen Gold ja im allgemeinen Sprachgebrauch weniger attraktiv. Denn das Edelmetall bietet keine feste Verzinsung, Anleger verdienen deshalb nur an möglichen Kursgewinnen.

Zinsanstieg: Gold muss nicht zwangsläufig nach unten gehen

Bei genauerem Hinsehen allerdings zeigt sich: Steigende Zinsen müssen keine tieferen Goldnotierungen nach sich ziehen. Zwischen 2004 und 2006 beispielsweise erhöhte die US-Notenbank Fed die Leitzinsen in den USA von 1 auf 5,25 Prozent und: Gold legte zu!

In den zwei Jahren mit Zinssteigerungen in den Staaten zwischen Sommer 2004 und Sommer 2006 kletterte der Unzenpreis des Edelmetalls nämlich um mehr als 50 Prozent von rund 400 auf fast 650 Dollar je 31,1 Gramm. Der starke Rückgang der US-Leitzinsen in 2001 von 6,5 Prozent zum Jahresstart auf 1,75 Prozent per Jahresschluss brachte Gold dagegen lediglich um 5 Prozent nach oben.

Immerhin: Gold ist ja nicht nur als Investment für Spekulanten interessant, sondern auch als Schmuck oder bei Numismatikern begehrt. Und da spielt der aktuelle Leitzins und das Zinsniveau am Markt wohl keine grosse Rolle. Das belegen jetzt die Zahlen der Brancheorganisation World Gold Council. Wie das WDC aktuell zum zweiten Quartal meldet, stieg die weltweite Nachfrage nach Gold aus der Schmuckindustrie zwischen April und Juni um 7,6 Prozent auf 480,8 Tonnen.

Schmuck, Münzen und Barren sind jetzt gefragt…

Da die Goldnachfrage im Vorjahreszeitraum vergleichsweise schwach war, verbuchte Indien sogar ein Nachfrageplus nach dem Edelmetall im Quartal von 41,1 Prozent auf 126,7 Tonnen. Damit liegt der Subkontinent wieder in etwa gleichauf mit China. Dort ging die Nachfrage in den drei Monaten um 5,4 Prozent auf 137,7 Tonnen zurück.

Ein noch stärkeres Wachstumsplus als von Seiten der Schmuckindustrie verbuchte allerdings das Segment Goldbarren und –münzen. Dort berichtet das WDC über einen Nachfrageschub im Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 240,8 Tonnen. Das lag allerdings deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 306,1 Tonnen. Auch die Notenbanken zeigen derzeit übrigens wieder vermehrten Goldappetit. So stieg die Goldnachfrage der Zentralbanken weltweit in den drei Monaten um 20 Prozent von 78,4 auf 94,5 Tonnen.

… Gold-ETFs verlieren aber an Schwung

Bremsspuren gab es aber tatsächlich im Bereich von Gold als reines Investment. So stieg der Goldbestand in ETFs im zweiten Quartal nur um 56 Tonnen – im Vorjahreszeitraum lag das Plus noch bei 237,4 Tonnen. Damit konnte Gold allerdings bezogen auf den Bestand in ETFs, die in Europa gelistet sind, ein neues Allzeithoch erreichen. Im grössten Gold ETF der Welt, den SPDR Gold Shares (ISIN: US78463V1070), gab es ebenfalls einen Anstieg von 832,3 auf 852,5 Tonnen.

Insgesamt fiel die weltweite Goldnachfrage im zweiten Quartal aber um rund zehn Prozent auf 953,4 Tonnen. Bei einem Rückgang des Angebots um acht Prozent auf 1065,9 Tonnen stieg der Goldüberschuss damit sogar leicht an. Doch einen wirklichen Kursdämpfer brachten die Zahlen des WDC nicht. Der Grund in der aktuellen Stärke liegt im Dollarkurs. Das Greenback ist derzeit nämlich im Wertvergleich zu vielen anderen Devisen im Rückwärtsgang.

Dollarschwäche bringt dem Goldpreis Rückenwind

So hat der Dollar etwa zum Franken seit April rund vier Prozent an Wert verloren und zum Euro gibt es sogar einen Verlust von zehn Prozent. Seit Mitte Mai hat sich der Verfall sogar beschleunigt. Das bedeutet: Der fallende Dollarkurs könnte sich im laufenden dritten Quartal positiv auf die Goldnachfrage auswirken und wieder bessere Nachfragewerte des WDC bringen.

So oder so: Charttechnisch ist das Edelmetall derzeit vielversprechend. Der Goldpreis läuft seit etwa Mitte März in einer Handelsspanne zwischen knapp über 1200 und knapp 1300 Dollar. Anleger setzen mit einem Call darauf, dass das gelbe Metall seinen Schwung der letzten Wochen noch etwas fortsetzen und dann wie im April und Juni wieder auf über 1290 Dollar je Unze steigen kann.

Schon kleine Steigerungen bringen hohe Gewinne

Bei vergleichsweise hohem und damit etwas spekulativerem 23-er-Hebel wären mit dem Bull-Zertifikat (ISIN: CH0374256235, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 1218,83 Dollar, Bezugsverhältnis 100:1) bei einem Anstieg bei Gold um etwa 20 Dollar oder um rund zwei Prozent Gewinne von etwa 30 Prozent drin. Aber bei einem Preisrückgang auf etwa 1240 Dollar nicht vergessen Verluste zu begrenzen.

Abonnieren Sie unseren stocksDIGITAL-Newsletter und erhalten Sie jede Woche die besten Invest-Tipps per E-Mail. Der StocksDIGITAL-Newsletter ist ein kostenloser Informationsdienst der Handelszeitung und wird jeden Freitag versendet: Hier geht es zur Anmeldung.

Anzeige