Nach dem Allzeithoch bei Gold im August 2011 bei rund 1909 Dollar je Unze, dem damit verbundenen starken Medieninteresse und dem Run der Anleger auf das Edelmetall, ist es seit dem Preisverfall im 2013 zunehmend still geworden um Gold. Zumindest bei Anlegern. Das spiegelt auch der Goldbestand des weltweit grössten Gold-ETFs – SPDR Gold Trust – wider. Der Goldbestand dieses ETFs lag im Dezember 2012 bei über 1300 Tonnen, Anfang 2014 waren es nur noch 800 Tonnen, und damit ist ein Vierjahrestief entstanden. Der Abverkauf aus dem ETF scheint zwar vorbei zu sein, doch aktuell sind die Goldbestände im ETF mit 742,4 Tonnen noch weiter geschmolzen.

Nun rückt Gold aber doch wieder in den Fokus. Zwar noch nicht unbedingt bei Anlegern, doch in den Medien. Konkret durch die Gold-Initiative, über die in der Schweiz Ende November abgestimmt werden soll. Ziel der Initiative ist unter anderem ein Goldanteil an den Aktiven der Schweizer Nationalbank SNB von mindestens 20 Prozent. Das würde bedeuten: Bei ausgewiesenen Währungsreserven der SNB Ende August von 500,5 Milliarden Franken – Gold wird hier miteingerechnet – müsste die Nationalbank bei einem aktuellen Goldbestand von 39,4 Milliarden Franken für rund 60 Milliarden Franken Gold zukaufen. Beim aktuellen Goldpreis von rund 1154 Franken je Unze wären das 52 Millionen Unzen oder rund 1620 Tonnen Gold. 

Umsetzung der Gold-Initiative: SNB müsste globale Nachfrage von sechs Monaten absorbieren

Eine gewaltige Menge. Denn weltweit lag die Goldnachfrage in den letzten zehn Jahren pro Quartal im Durchschnitt nur bei etwa 970 Tonnen. Würde die SNB die Vorgaben der Gold-Initiative umsetzen, dann würde die Nationalbank fast eine Halbjahresnachfrage der ganzen Welt von rund 1900 Tonnen absorbieren.

Anzeige

Damit wäre die SNB aber nicht allein, denn nach Angaben der internationalen Branchenorganisation World Gold Council stehen die Notenbanken weltweit seit 14 Quartalen auf der Netto-Käuferseite. Im zweiten Quartal beispielsweise kauften die Zentralbanken weltweit 117,8 Tonnen Gold für 4,9 Milliarden Dollar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum war das ein Mengenanstieg von 28 Prozent. Wie die Londoner Gold-Organisation berichtet, stand übrigens Russland mit einem Zukauf von 54 Tonnen im Quartal – das war fast die Hälfte des gesamten Goldaufkaufs der Zentralbanken weltweit – ganz oben auf der Liste.

Chinesische Goldnachfrage: Höher als sämtliche Bestände von US-ETFs

Erstaunliche Zahlen zur Goldnachfrage liefert das World Gold Council zur Nachfragestruktur. So kauften chinesische Konsumenten im vergangenen Jahr 1200 Tonnen Gold und damit 20 Prozent mehr, als in sämtlichen in den USA gelisteten Gold-ETFs – inklusive Schwergewicht SPDR Gold Trust – an physischen Goldbeständen gebunkert ist.  

Hinsichtlich der künftigen Nachfrage der Verbraucher nach Gold erkennen die Experten der Organisation folgenden Zusammenhang. Ein globales Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent führt im Durchschnitt zu einer Zunahme der Nachfrage nach Gold von 5,0 Prozent. Bei den grössten Nachfragern nach physischem Gold – den Chinesen und Indern – steigt der Goldhunger mit steigendem Einkommen besonders stark an. Auf der Basis von Daten von Thomson Reuters und Weltbank verfünffacht sich die Goldnachfrage in China bei einem Einkommensanstieg beispielsweise von 4000 auf 8000 Dollar im Jahr, in Indien steigt die Goldnachfrage auf das Vierfache bei einer Verdopplung des Jahreseinkommens von rund 1000 auf 2000 Dollar. Angesichts der hohen Wachstumsraten in den beiden Ländern von rund 6 und 7 Prozent ist da mittel- bis langfristig mit einer deutlichen Zunahme der Goldnachfrage zu rechnen.

Anzeige

Spekulanten sind derzeit vergleichsweise wenig aktiv

Die Spekulanten sind aber derzeit verhältnismässig wenig aktiv. Die Aufsichtsbehörde für die Future- und Optionsmärkte in den USA Commodity Futures Trading Commission CFTC meldete im Gold-Hoch im Dezember 2012 beispielsweise rund 133'000 offene Long Futures und Optionen auf Gold bei den reinen Finanzakteuren und nur 20'000 Short-Kontrakte – mit long spekulieren Investoren auf steigende Preise, mit short auf fallende Kurse –, derzeit liegt das Verhältnis long:short aber bei etwa 132'000:80'000 Kontrakten.

Immerhin verbuchte die Netto-Long-Position grosser und kleiner Spekulanten in der vergangenen Woche mit einem Plus von 33,1 Prozent den stärksten Anstieg seit vier Monaten.

Gold notiert wieder an der starken Unterstützung

Gold ist derzeit jedoch auch charttechnisch interessant. Nachdem die US-Notenbank am Mittwoch nicht nur die ultralockere Geldpolitik beendet und sogar ein früher als erwartetes Ansteigen der Zinsen angedeutet hat, ist Gold unter Druck gekommen. Die Unze notiert bereits wieder im Bereich der starken Unterstützung von rund 1190 Dollar. Von dieser Region konnte Gold in den letzten zwölf Monaten jedoch schon zweimal deutlich nach oben durchstarten.

Anzeige

Anleger, die von einem möglichen mittel- bis langfristigen Anstieg beim Goldpreis profitieren wollen, können das beispielsweise über den genannten SPDR-Gold-Trust-ETF (ISIN:US78463V1070). Wer kurzfristig auf einen Rebound der Notierung von der Unterstützung setzen will, greift zum Hebelpapier (ISIN: CH0248919646, Laufzeit endlos, Hebel 10,2, Knock-out und Basis jeweils 1090,01 Dollar; das Zertifikat ist währungsgesichert). Sollte die Gold-Initiative Ende November wider Erwarten zum Erfolg führen, könnte das sogar die Spekulanten wieder auf den Plan rufen, denn 1620 Tonnen zusätzliche Goldnachfrage aus der Schweiz bieten doch jede Menge Kursphantasie. Das könnte dem Unzenpreis zusätzlichen Rückenwind geben.