Die Schweizer scheinen die Freude am Gold zu verlieren. Zumindest bei Barren und Münzen, doch nicht beim Schmuck. Das belegen auf jeden Fall die Zahlen der internationalen Branchenorganisation World Gold Council für 2014. Danach fiel die Nachfrage der Schweizer Konsumenten nach Goldbarren und Goldmünzen im vergangenen Jahr um 31 Prozent auf 46,5 Tonnen. 2013 lag die Nachfrage noch bei 67,0 Tonnen. Immerhin hat sich der Rückgang im vierten Quartal mit einem Minus von 18 Prozent deutlich verlangsamt.

Die Entwicklung ist umso erstaunlicher, weil Gold im vergangenen Jahr für Schweizer vergleichsweise günstiger geworden ist. Seit August ist der Dollar, auf dessen Basis Gold abgerechnet wird, gefallen – im Vergleich zum Franken um rund 10 Prozent. Damit hätten Schweizer für das gleiche Geld im zweiten Halbjahr entsprechend rund 10 Prozent mehr Gold kaufen können.

Goldnachfrage Schweiz: Weit überdurchschnittlicher Wert je Einwohner

Allerdings ist die Goldnachfrage der Verbraucher in der Schweiz im internationalen Vergleich auch nach dem Rückgang im vergangenen Jahr immer noch extrem hoch, denn die Konsumenten beispielsweise im nach Bevölkerungszahl zehnmal grösseren Deutschland fragten auch nur 101,4 Tonnen nach. Damit war die Goldnachfrage der Schweiz je Einwohner rund fünfmal so hoch wie im Nachbarland. In Italien und Frankreich ist die Goldnachfrage sogar noch viel geringer. World Gold Council meldet für 2014 für Italien eine Nachfrage von 18,8 und für Frankreich sogar nur 2,2 Tonnen.

Rechnet man die gesamte globale Goldnachfrage der Konsumenten zusammen, ergibt sich nach den Zahlen des World Gold Council ein Rückgang der Goldnachfrage im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 1063,6 Tonnen. Auf die kleine Schweiz entfiel damit aber immerhin 4,4 Prozent der gesamten Goldnachfrage weltweit. Bei Goldschmuck – für die Schweiz liefert das World Gold Council keine Zahlen – fiel die globale Nachfrage im 2014 übrigens um 10 Prozent auf 2152,9 Tonnen. Die Schmucknachfrage lag damit aber immerhin noch um 5 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Gold-ETF-Bestand 2014: Abfluss stark gebremst …

Während die Konsumenten damit insgesamt eine vergleichsweise starke Goldenthaltsamkeit an den Tag legten, zeigten sich Investoren und Anleger weniger zurückhaltend. 2013 gab es weltweit Abflüsse aus den Gold-ETFs von 880 Tonnen, 2014 waren es nur noch 159 Tonnen, die von Anlegern aus diesen Fonds abgezogen wurden.

Im Goldrausch waren hingegen die Notenbanken. Die Netto-Nachfrage seitens dieser Institute stieg im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf 477 Tonnen. Das war der zweithöchste Bestandsaufbau der Zentralbanken in den letzten 50 Jahren. Mit einem Goldzufluss von 173 Tonnen dominierte übrigens Russland die Käuferseite. Auffallend aktiv waren aber auch der Irak und Kasachstan.

… und 2015 steigt die Nachfrage sogar wieder

Insgesamt hat es im Gesamtjahr einen Rückgang der globalen Goldnachfrage um 4,0 Prozent auf 3923,1 Tonnen gegeben, und der Bedarf hat im Schlussquartal mit 961,3 Tonnen um 9 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums gelegen.

Für den Jahresstart 2015 hat das World Gold Council zwar noch keine Daten geliefert, doch ein Blick auf die Entwicklung des grössten Gold-ETFs der Welt – des SPDR Gold Trust (ISIN:US78463V1070) – zeigt: Anleger haben offensichtlich wieder ein verstärktes Interesse am Edelmetall. Denn das Volumen des ETFs stieg seit Januar bereits um 7,3 Prozent auf 760,8 Tonnen.  

Vielversprechende Charttechnik

Möglicherweise lockt der steigende Goldpreis wieder mehr Anleger in ein Investment in das Metall. Zwar hat die Notierung nach dem rasanten Lauf im Januar mit einem Plus von bis zu 9,9 Prozent in nur drei Wochen inzwischen wieder einen Grossteil dieser schnellen Gewinne abgegeben, sie liegt aber immer noch rund 2,0 Prozent über dem Niveau vom Jahresstart.  

Eine Prognose über die Entwicklung des Goldpreises über die nächsten Monate oder Quartale gleicht eher einer Kaffeesatzleserei. Zu viele Einflussfaktoren und Unwägbarkeiten – auch politischer Natur – spielen hier mit. Doch eines ist sicher: Mehrmals in den letzten Jahren prallte die Notierung des Edelmetalls vom Kursbereich um etwa 1200/1180 Dollar nach oben ab und brachte dann schnelle Kursgewinne, oft von 10 Prozent und mehr, innert weniger Wochen oder Monate: August 2010 – rund 17 Prozent Plus bis Oktober 2010. Dann rund 15 Prozent Preisanstieg zwischen Ende 2013 und März 2014 und etwa 11 Prozent Steigerung zwischen November 2014 und Januar 2015.

Anleger hebeln schon kleine Goldpreissteigerungen mit Faktor 15

Anleger, die von einer erneuten Wiederholung dieses Szenarios überzeugt sind, setzen auf einen Knock-out-Call auf Gold (ISIN: CH0248919653, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils bei 1126,24 Dollar, nicht währungsgesichert) mit einem hohen Hebel von 15,4. Steigt Gold von derzeit rund 1200 Dollar je Unze beispielsweise um 8 Prozent auf 1300 Dollar, sollte sich der Preis des Zertifikats in etwa verdoppeln. Der Knock-out des Zertifikats scheint weit genug weg zu sein, um auch eine Korrektur aussitzen zu können. Immerhin notierte Gold zuletzt Anfang April 2010 auf dem Knock-out-Level des Derivats.

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