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Gold-Rally: Nachhaltig oder technische Gegenreaktion?

Der Abwärtstrend von Gold beschleunigte sich gegen Ende letzten Jahres. Keystone

Im Dezember konnte sich der Goldpreis von knapp 1120 Dollar je Feinunze auf über 1210 Dollar erholen. Ist diese Aufwärtsbewegung nachhaltig oder lediglich eine technische Gegenreaktion?

Von Christos Maloussis*
am 19.01.2017

Als Donald Trump im November überraschend als Sieger der US-Präsidentschaftswahlen feststand, gab es an den Finanzmärkten einen grossen Verlierer: Gold. Der Grund dafür war Donald Trumps Versprechen grosser Investitionen in inländische Infrastrukturprojekte. Dies, sowie die angekündigte Vereinfachung des Steuersystems, lösten eine Welle der Euphorie aus. Insbesondere die Aktienkurse kleinerer und mittelgrosser US-Unternehmen, die weniger auf Exporte angewiesen sind, sondern von einer starken Binnennachfrage profitieren, stiegen rasant. Während der Dow Jones bis Mitte Dezember um knapp 11 Prozent an Wert zulegte, stieg der Russell 2000 sogar um 17 Prozent. Auch der US-Dollar legte stark an Wert zu. Der US-Dollar Index stieg um satte 6,5 Prozent.

Das insbesondere der Goldpreis unter dieser Aktienhausse leidet, ist nachvollziehbar. Denn zum einen zahlt Gold im Gegensatz zu Aktien keine Dividende – die Rendite muss also aus dem Kursgewinn erzielt werden. Zum anderen macht ein steigender US-Dollar Investitionen für internationale Investoren teurer, was die Nachfrage nach Gold zurückgehen lässt. Die wichtigste Funktion von Gold ist und bleibt jedoch die des sicheren Hafens in unsicheren Zeiten. 

Nervosität im Markt steigt

Und genau hierin liegt der Grund für die jüngste Erholung beim Goldpreis. Bei aller Euphorie über die geplanten Vorhaben Donald Trumps steigt die Nervosität im Markt zusehends, ob und wie er die Wahlversprechen umsetzen will. Zudem besteht die Gefahr, dass trotz steigender Zinsen auch die Inflation stark zulegen könnte. Das kann sich negativ auf die Entwicklung der realen Rendite auswirken was wiederum dem Goldpreis Auftrieb geben würde.

Charttechnisch betrachtet ist der seit 2011 gültige Abwärtstrend nach wie vor intakt, jedoch befinden wir uns kurzfristig bei aktuell 1200 – 1220 Dollar je Feinunze in einer kritischen Trading Range. Zum einen fungierten diese Niveaus bereits in der Vergangenheit als wichtige Unterstützungs- und Widerstandslevels. Zum anderen verläuft hier auch das 50 prozentige Fibonacci Retracement Niveau des November Hochs (1305 Dollar) / Dezember Tiefs (1122 Dollar).

Kursschwankung ignoriert

Die Intraday Kursschwankung am Tag nach der Wahl habe ich dabei bewusst ignoriert. Bei knapp 1230 Dollar je Feinunze verläuft zudem der exponentielle gleitende Durchschnitt über 200 Tage. Erst bei Überwinden dieser Marken können wir von einer nachhaltigen Erholung sprechen. Die Kurse könnten in der Folge bis auf 1305 Dollar und darüber hinaus bis auf 1375 Dollar je Feinunze steigen. Sollte diese Marke jedoch nicht nachhaltig überschritten werden, müssen wir von einer technischen Gegenreaktion sprechen. Eine Fortführung des Abwärtstrends mit dem kurzfristigen Ziel bei 1122 Dollar und dem übergeordneten Ziel bei 1050 Dollar wäre wahrscheinlich.

Um jedoch den langfristigen Trend in Gold zu erkennen, stehen für mich – bei aller Liebe zur Charttechnik – die fundamentalen Faktoren im Vordergrund. Allen voran die Politik Donald Trumps sowie die Entwicklung des US-Dollars und der Realzinsen werden den Goldpreis dieses Jahr bewegen. Darüber hinaus könnte 2017 für Europa – mit den bevorstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland sowie dem Beginn der Brexit-Verhandlungen – ein besonders turbulentes Jahr werden. Bei aller Verunsicherung, die uns bevorsteht, ist für mich jedoch eines klar - in 2017 wird der Grundstein für die weitere langfristige Entwicklung des Goldpreises gelegt.

 

*Christos Maloussis ist Market Analyst bei der IG Bank 

 
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