Die Zahlensaison zum Halbjahr ist im vollen Gange, und vor allem im Finanzsektor geht es heiss zu und her. Während die einen Finanzwerte Pech mit den US-Behörden hatten und Milliardenstrafen zahlen mussten, kursieren um andere gar Pleitegerüchte. Aber es gibt auch Titel mit einer makellosen Bilanz, bei denen am Ende ein Milliardengewinn steht.

Zuerst zu den Gerüchten: Die portugiesische Banco Espirito Santo steht Spekulationen zu Folge vor der Insolvenz. Ihr Mutterkonzern steckt angeblich in finanziellen Schwierigkeiten. Dies wiederum schürt an den Märkten die Angst vor einer neuen europäischen Bankenkrise. Noch aber ist es nicht so weit, und so können sich Anleger erst einmal auf die Bilanzen der Geldinstitute konzentrieren.

Milliardenstrafe bremst CS aus

Mit der Credit Suisse (CS) und Julius Bär haben hierzulande bereits zwei Institute ihre Bücher zum Halbjahr offengelegt. Dabei zeigen sich Licht und Schatten: Das Bussgeld für Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA hat die CS im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen gerissen. Die Bank verbuchte einen Verlust von 700 Millionen Franken. Allein die Strafe belastete das Ergebnis mit 1,6 Milliarden Franken.

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Dröselt man die CS-Bilanz weiter auf, kommen auch positive Dinge zum Vorschein. So blieb der Vorsteuergewinn im Investmentbanking im zweiten Quartal mit 752 Millionen Franken nahezu unverändert. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang gerechnet. Die US-Banken Goldman Sachs, J.P. Morgan und Citigroup beispielsweise mussten in dieser Sparte deutlich kleinere Brötchen backen. Trotz des Erfolges setzt die CS im Investmentbanking den Rotstift an. Die Bank möchte aus dem Rohstoffhandel aussteigen, die Produktpalette im Zinsgeschäft straffen und das Devisengeschäft neu ausrichten.

Gute Daten aus Übersee

Auch wenn die US-Banken durch einen schleppend laufenden Handel mit Aktien und Bonds gebremst wurden, konnte das genannte Wall-Street-Trio die Markterwartungen übertreffen. Bei Goldman Sachs schlug sich ein starkes Beratungsgeschäft positiv auf das Ergebnis nieder. So legte der Konzernüberschuss von April bis Juni um 5 Prozent auf 1,95 Milliarden Dollar zu.

Die Zwischenberichte aus den USA dienen als gute Vorboten der Branche und weisen auf ein besseres zweites Quartal auf dem alten Kontinent hin. «Historisch gesehen gibt es eine starke Korrelation zwischen den Zahlen in den USA und in Europa», bestätigen die Analysten von Goldman Sachs. Grosses Potenzial sehen die Experten unter anderem bei der UBS, die am 29. Juli ihre Halbjahreszahlen präsentieren wird.

«Bäriger» Gewinnsprung

Bereits Zahlen geliefert, hat Julius Bär. Und sie waren ordentlich. Der Vermögensverwalter steigerte seinen Reingewinn um mehr als die Hälfte auf 178,3 Millionen Franken. «Wir sind sehr zufrieden mit dem soliden Geschäftsergebnis im ersten Halbjahr 2014», liess sich CEO Boris Collardi zitieren. Börsianer teilten diese Meinung und griffen bei diesem SMI-Titel beherzt zu. Um mehr als einen Zehntel zog der Valor innert zwei Tagen an. Julius Bär hatte neben dem Zahlenwerk eine zweite Neuigkeit im Gepäck. Die Bank gab den Abschluss einer strategischen Partnerschaft mit der Bank Leumi mit Sitz in Tel Aviv bekannt. Leumi wird ein verwaltetes Vermögen von sechs Milliarden Franken an Julius Bär übertragen. Derweil kommt auch die Integration der Vermögensverwaltungssparten von Merrill Lynch erfolgreich voran. Dennoch muss auch Julius Bär zittern, denn im Streit mit den US-Behörden um die Unterstützung von US-Bürgern bei Steuerhinterziehung steht die Bussgeldhöhe noch nicht fest.

Die Finanzbranche ist im Aufwärtstrend

Abgesehen von den Strafzahlungen, die im Übrigen auch US-Konzerne treffen, scheint der Finanzsektor allmählich wieder en vogue zu werden. Steigendes Kreditwachstum sowie die Normalisierung der Zinsen in Übersee dürften vor allem die Gewinne der US-Banken weiter antreiben. Aber auch in Europa hellt sich das Bild mit der sich zu Ende neigenden Euro-Schuldenkrise auf. Dass sich immer mehr Investoren in diesem Sektor engagieren, zeigt ein Blick auf den Dow-Jones-Banks-Titans-Index. Der Index konnte in den vergangenen zwei Jahren um 55 Prozent zulegen. Allerdings gibt es noch reichlich Nachholpotenzial, denn die Titel liegen immer noch 50 Prozent unter den Höchstständen aus dem Jahr 2007.

Die Bank muss einerseits die hohe Strafzahlung verkraften, welche die Bilanz deutlich schwächt. Es könnte sogar zu einer Dividendenkürzung für das laufende Jahr kommen. Andererseits steht sie noch vor grossen Herausforderungen bei der Straffung des Investmentbankings. Anleger warten mit einem Engagement noch ab.

Der blendende Zwischenbericht beendete die Abwärtsfahrt der Julius-Bär-Aktie. Der Valor schaffte sogar wieder den Sprung in den 40-Franken-Bereich und durchbrach damit den Abwärstrendkanal vom Januar nach oben. Im Bereich von 41 Franken verläuft die 200-Tage-Linie. Fällt die Marke, könnte die jüngste Kursdynamik weiter anhalten. 

Die US-Bank ist gut aufgestellt und zeigt ein starkes Wachstum. Mit einem 2015er-KGV von knapp zehn ist der Titel noch nicht zu hoch bewertet.

Der Tracker der Commerzbank bezieht sich auf den globalen Banken-Index DJ Banks Titan 30. Regional dominiert mit einem Anteil von knapp einem Drittel die USA das Barometer, die Schweizer Institute sind mit 4 Prozent am Kursverlauf beteiligt. Da sich das Zertifikat auf die Preis-Variante des Index bezieht, gehen die Dividenden verloren.