Der Blick auf die Investitionsindikatoren in den USA untermauert meine gemischten Gefühle hinsichtlich der Konjunkturdynamik in den USA. Die Industrieproduktion darbt seit November vor sich hin, und die Neuaufträge für Kapitalgüter haben sich zwar stabilisiert, laden jedoch noch nicht zum Investieren ein. Einzig der Häusermarkt und damit verbunden die Bauindustrie entwickelt sich in die gewünschte Richtung, wenn auch gemächlich. Die Anzahl der Neubauten im privaten Wohneigentumssegment nahm im April nach den typischerweise schwachen Wintermonaten überdurchschnittlich zu, sodass das US-Wachstum im gesamten Jahr 2015, gestützt auf die Baukonjunktur, vielleicht doch nicht ganz ins Wasser fallen wird.

Dabei musste die Bauindustrie in den USA in den letzten 15 Jahren einige Rückschläge verkraften: Zwei heftige «Börsencrashs» mit jeweils nachgelagerter Rezession und historischer Immobilienkrise. Obwohl der Anteil der Bauindustrie am Bruttoinlandprodukt nur 4 Prozent beträgt, darf ihre Bedeutung für die US-Wirtschaft – insbesondere in einer konjunkturellen Erholungsphase – nicht unterschätzt werden. Gesamtwirtschaftlich denke ich diesbezüglich vor allem an die positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und damit an die Einkommenssituation der Haushalte, an den privaten Konsum sowie an Investitionen. Es bestehen gute Chancen, dass der Bausektor einen Teil der in der Ölindustrie abgebauten Arbeitsplätze absorbieren kann, vor allem, wenn man die nachfragebedingten positiven Effekte auf die Zulieferer von Baumaterialien und auf andere baunahe Bereiche in Betracht zieht.

Gute Baukonjunktur – Home Depot und Lowe's profitieren

Von der erfreulichen Entwicklung am US-amerikanischen Häusermarkt profitieren somit auch die beiden grössten Heimwerkerketten des Landes: Home Depot und Lowe's. Und dies ganz besonders, da in den USA – noch viel mehr als in Europa – im Bau «do it yourself» angesagt ist. Im Gegensatz zum schwächeren allgemeinen Konsum hebt sich das Heimwerkersegment positiv ab. Im abgelaufenen ersten Quartal erzielten die beiden Unternehmen das stärkste Wachstum im gesamten Konsumsektor in den USA, und sie sprachen von einer positiven Geschäftsentwicklung in sämtlichen Märkten. Das Umfeld bleibt für beide Unternehmen auch in der nahen Zukunft positiv, liegen doch die Ausgaben im Heimwerkerbereich immer noch um knapp 10 Prozent unter dem Stand von 2007 (nicht inflationsadjustiert) und bieten daher einiges Potenzial. Die Anhebung der Jahresprognose durch Home Depot und die Bestätigung der bisherigen Zielsetzungen durch Lowe's bekräftigen meine Einschätzung. Beide Unternehmen überzeugen bereits seit einiger Zeit mit positiven organischen Wachstumsraten, was sich einerseits am stetigen Wachstum der Kundentransaktionen und andererseits am Anstieg der durchschnittlichen Transaktionsgrössen ablesen lässt.

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Meiner Meinung nach lohnt sich ein Einstieg trotz der schon guten Kursentwicklungen immer noch. Dabei ist Home Depot als Marktführer und aufgrund ihrer Qualität sowie wegen der seit vielen Jahren erfolgreich umgesetzten Nachhaltigkeitsstrategie das Basisinvestment, Lowe's hingegen die Wette auf überdurchschnittliche Wachstumsraten.

Andreas Knörzer, Leiter Asset Management bei Notenstein Privatbank