15 Prozent Kursplus seit Mai – in den letzten vier Monaten konnte die Börse Hongkong die meisten wichtigen globalen Aktienmärkte abhängen. Ähnlich gut lief zuletzt auch der Hang-Seng-China-Enterprises-Index, der die Performance der in Hongkong gelisteten chinesischen Unternehmen anzeigt. Dort wurde jüngst die langfristige charttechnische Abwärtstrendlinie übersprungen und damit wie im Hang-Seng-Index mit dem Vorstoss über den Widerstand von 25'000 Punkten ein positives Chartsignal generiert.

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Die derzeitige Ausgangslage beim Hang-Seng-China-Enterprises-Index wird so auch vom Credit-Suisse-Timing- und Stimmungs-Analyst Pascal Zingg als Vorbote für eine Outperformance gegenüber anderen Weltbörsen gewertet.

Politische Störfaktoren

Die relativ gute Verfassung der führenden Hongkonger Aktienindizes kommt auf den ersten Blick etwas überraschend. Denn konjunkturell hat Hongkong schon bessere Zeiten erlebt. Im zweiten Quartal lief die Konjunktur schlechter als erwartet, und für 2014 und 2015 rechnet J.P. Morgan mit einem vergleichsweise geringen Wirtschaftswachstum von 2,0 und 2,1 Prozent. Unbefriedigend läuft es derzeit besonders im Einzelhandel. Die Umsätze fielen dort im Juli um 4,5 Prozent und bescheren dem Sektor schon sechs Monate in Folge Rückgänge. Die Schwäche ist auch Folge des Kampfs der chinesischen Regierung gegen Korruption.  

Dieser Einflussfaktor wirkt auf die Sonderwirtschaftszone und ist somit ähnlich negativ wie die derzeitigen Streitereien um künftige Demokratie- und Wahlrechte. Skeptiker befürchten Einschränkungen und als Folge davon zunehmende Proteste. Das wiederum könnte negativ auf den Wirtschaftsstandort ausstrahlen. Im gerade neu vorgelegten Global-Competitiveness-Index des World-Economic-Forums belegt Hongkong zwar wie im Vorjahr Platz sieben der konkurrenzfähigsten Länder, aber wichtige lokale Gruppierungen wie die Swire Group oder Cheung Kong scheinen sich inzwischen verstärkt im Ausland nach Expansionsmöglichkeiten umzusehen.

Börse Hongkong – günstig bewertet

Dass der lokale Aktienmarkt trotz der Störfaktoren gut läuft, hat mehrere Gründe. Da ist zum einen Nachholbedarf. In den vergangenen fünf Jahren lief die Börse Hongkong im weltweiten Vergleich schwach, nun wurde der Markt als Nachzügler entdeckt. Auch das Bewertungsargument spricht für Hongkong. Insbesondere der Hang-Seng-China-Enterprises-Index ist auf der Basis 2014 nur mit einem 7er-KGV bewertet.

Zwar kommt der Hang-Seng-China-Enterprises-Index auf ein 11er-KGV, doch der historische Durchschnitt liegt mit 13,3 noch deutlich über dem aktuellen Niveau. Ausserdem schneidet der Hang-Seng-Index im Vergleich zu anderen asiatischen Börsen gut ab. Die Deutsche Bank nennt bei den Märkten der Region ex China ein 15er-KGV. Relativ passabel sind darüber hinaus die Gewinnaussichten. J.P. Morgan rechnet bei den im Hang-Seng-Index vertretenen Unternehmen in diesem und im nächsten Jahr mit einem Anstieg der Gewinne um 8,1 und 9,2 Prozent. Obendrein ist die Dividende mit durchschnittlich 3,4 Prozent attraktiv. Zudem sorgten auch die erwarteten Stimuli Chinas für die Konjunktur für Phantasie.

Kooperation Hongkong – Shanghai – die Börse öffnet sich für Ausländer

Positiv auf die Stimmung der Anleger wirkt sich zudem das «Hongkong Shanghai Stock Connect Program» aus. Diese Initiative soll Mitte Oktober in Kraft treten und eine engere Verzahnung der Börsen in Hongkong und Shanghai bringen. Dabei soll es chinesischen Investoren künftig möglich sein, Aktien in Hongkong zu kaufen. Gleichzeitig soll ausländischen Anlegern der Zugang zu chinesischen Aktien aus dem SSE-180- und dem SSE-380-Index ermöglicht werden sowie der Kauf von Titeln mit einem Doppel-Listing.

Die Kooperation der beiden Handelsplätze schafft auch einen gewaltigen Aktienmarkt. Mit täglich 35,7 Milliarden Dollar belegt das Handelsvolumen der beiden Börsenplätze zusammen weltweit Platz drei. Dass die Kurse auf solche Pläne reagieren, zeigte sich bereits 2007. Damals kletterte der Hang-Seng-Index wegen ähnlicher Vorhaben auf einen bis heute nicht mehr erreichten Rekord, und auch die Handelsumsätze explodierten damals förmlich. Laut Deutsche Bank wurden damals in der Spitze im November 2007 in Hongkong Tagesumsätze von 20 Milliarden Dollar erzielt, während es in diesem Jahr im Durchschnitt nur rund 6,2 Milliarden Dollar sind.

Index-Wetten sind am einfachsten umsetzbar

Damit steckt im «Hongkong Shanghai Stock Connect Program» auf jeden Fall schöne Kursphantasie. Investmentbanker sind fleissig und erarbeiten Strategien, mit denen Anleger von der Kooperation der beiden Börsen profitieren können. So zeigt die Deutsche Bank in einer Studie gleich sieben verschiedene Möglichkeiten auf. Allerdings ist die Umsetzung für Privatanleger speziell bei Einzelinvestments nicht immer ganz einfach. So lässt der Anlegerschutz am neuen Markt zu wünschen übrig, die Handelsumsätze an den spesengünstigeren deutschsprachigen Börsen sind oft gering und die stärker gehandelten Standardwerte haben meist höhere Bewertungen als der Gesamtmarkt.

Eine gute Alternative zu Einzelwerten ist ein Index-Produkt wie etwa der ETF ComStage HSI UCITS(ISIN: LU0488316729) auf den Hang-Seng-Index, bei dem Dividenden berücksichtigt werden. Wer Gewinne hebeln will, kann das beispielsweise mit einem Faktor-Zertifikat 4x Long (ISIN: DE000CZ33BT7) auf den Hang Seng Future tun.